Charles Dickens suchte Spukhaus zur Geisterjagd – Ausstellung widmet sich der Faszination des Autors für das Übersinnliche

Charles Dickens, 1843 und die Illustration des „letzten Geistes“ aus der Erstausgabe von „A Christams Carrol“ aus dem gleichen Jahr. Copyright: Gemeinfrei
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Charles Dickens, 1843 und die Illustration des „letzten Geistes“ aus der Erstausgabe von „A Christams Carrol“ aus dem gleichen Jahr. Copyright: Gemeinfrei

Charles Dickens, 1843 und die Illustration des „letzten Geistes“ aus der Erstausgabe von „A Christams Carrol“ aus dem gleichen Jahr.
Copyright: Gemeinfrei

London (Großbritannien) – Das Faible des berühmten britischen Schriftstellers Charles Dickens für Geister dürfte den Lesern vieler seiner Geschichten, wie etwa der Weihnachtsgeschichte um den reichen Geizhals Ebeneza Scrooge, The Haunted House oder The Haunted Man, nicht entgangen sein. Auch im Wirklichen Leben war der Autor von Paranormalen fasziniert – derart, dass er sogar nach einem Haus suchte, in dem er von echten Geistern „belästigt“ werden könnte. Das offenbart ein nun erstmals öffentlich ausgestellter Brief Dickens, der im Rahmen einer Sonderausstellung im Charles Dickens Museum zur Faszination des Autors am Übersinnlichen gezeigt wird.

In nicht weniger als in 20 Geschichten, u.a. auch in Oliver Twist und David Coperfield, geht es um Geister, Spuk und das sog. Paranormale. Dieser Faszination widmet das „Charles Dickens Museum“ in der Londoner Doughty Street 48 in King’s Cross im Londoner Stadtteil Camden vom 5. Oktober 2022 bis zum 5. März 2023 eine eigene Sonderausstellung unter dem Titel „To Be Read At Dusk: Dickens, Ghosts and the Supernatural“ (Zum Lesen in den Abendstunden: Dickens, Geister und das Übernatürliche).

Wie der „The Guardian“ berichtet, war der erstmals im Rahmen der Ausstellung gezeigte Brief Dickens‘ aus dem Jahr 1859 an seinen Kollegen und bekannten Spiritualisten William Howitt gerichtet. Darin erkundigte sich Dickens, ob ihm Howitt nicht „ein Haus in England empfehlen könne, (…) in dem niemand leben, essen, trinken, stehen oder schlafen kann, ohne dabei belästigt zu werden“ und das er gemeinsam mit seinem Freund John Hollingshead dann besuchen wollte.

Allerdings stellte sich die erste Empfehlung Howitts als „Saufspekulnke“ heraus, „die vielmehr von den Erzählungen von Brauern und Brennern“, als von wirklichen Geistern heimgesucht wurde, heraus. Das zweite Spukhaus schien es bei Ankunft der willigen Geisterjäger gar nicht gegeben zu haben. Zumindest ist von einer erfolgreichen Geisterjagd des Autors und seiner Freunde nichts überliefert.

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Über Dickens‘ Tendenz zum Übersinnlichen ist sich selbst die Kuratorin der Ausstellung, Emily Dunbar nicht ganz sicher. Gegenüber dem Guardian führt sie Dickens‘ Interesse am Übersinnlichen auf jene Spukgeschichten zurück, die dieser schon als Kind von seinem Kindermädchen Mercy erzählt bekam. Später las er offenbar mit Vorliebe das wöchentliche Grusel-Magazin „The Terrific Register“ und gestand später selbst, dass ihn diese Geschichten zutiefst gegruselt hätten. „Dickens war zwar vom Übersinnlichen fasziniert, aber wir mögen in ihm viel lieber einen faszinierten Skeptiker sehen“, so Dunbar gegenüber der Zeitung. „Er war zwar wirklich an Geistern interessiert, aber ich würde nicht sagen, dass er wirklich an ihre Existenz glaubte. Auf jeden Fall mochte er aber die Vorstellung von Menschen, die sich von Geistergeschichten gruseln ließen.“ Tatsächlich zeigen weitere Originalexponate in der Ausstellung, dass Dickens sich eigene Anmerkungen in seinen Büchern machte, um auf seinen beliebten Vorlesungen den Spuk besonders eindrucksvoll vorzutragen.




Auch Dickens‘ Freund und späterer Biograf John Forster schrieb einst, dass Dickens zwar ein „Verlangen nach Geistern“ hatte und vermutlich den „Torheiten des Spiritualismus verfallen wäre, wenn er nicht zugleich auch ein starkes Vertrauen in seinen eigenen gesunden Menschenverstand gehabt hätte.“

Recherchequellen: DickensMuseum.com, The Guardian

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