Chimären: Japan erlaubt erstmals Heranreifung von Mischwesen aus Mensch und Tier

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Symbolbild: Mäuse-Embryo Copyright: University of Cambridge

Symbolbild: Mäuse-Embryo
Copyright: University of Cambridge

Tokyo (Japan) – Die japanische Regierung hat erstmals biologische Experimente erlaubt, in denen Mischwesen aus Mensch- und Tierzellen, sogenannte Chimären, bis kurz vor Geburt in tierischen Mutterkörpern heranwachsen dürfen. Ziel ist es, auf diese Weise Ersatzorgane für Menschen zu züchten. Die damit einhergehenden ethischen Bedenken sind erwartungsgemäß groß.

Wie unter anderem das Wissenschaftsjournal „Nature“ aktuell berichtet, will das Wissenschaftler-Team um Hiromitsu Nakauchi von der University of Tokyo und Kollegen der Stanford University Tier-Embryonen zunächst von Mäusen und Ratten, später auch von den dem menschlichen Körper ähnlichen Schweinen mit menschlichen Zellen bestücken und einem Muttertier verpflanzen, von dem die so erzeugten Mischwesen dann auch ausgetragen werden sollen. Auf diese Weise sollen mit Hilfe genetischer Eingriffe und Steuerung in den Tieren menschliche Organe wachsen, die dann Patienten transplantiert werden können, die auf ein Spenderorgan warten

Ob das Verfahren in dieser Art jedoch je erfolgreich sein wird bzw. kann wird schon länger innerhalb der Wissenschaftsgemeinde ebenso kontrovers wie die möglichen moralischen und ethischen Konsequenzen hitzig diskutiert.

Schon jetzt ist es Genetikern gestattet, Mischwesen für einige Wochen in tierischen Müttern oder gänzlich im Labor heranwachsen zu lassen (…GreWi berichtete). Das Austragen der Chimären wurde – zumindest offiziell – noch nicht gestattet und durchgeführt.

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Die Genetiker um Nakauchi wollen zukünftig die Chimären-Embryos zunächst für 14,5 Tage in Mäusen, danach 15,5 Tage in Ratten und schließlich in Schweinemüttern 70 Tage lang (statt der hier üblicherweise 115 Tage) heranreifen lassen: Dadurch würden die gewünschten und durch induzierte pluripotente Stammzellen gezüchteten Organe hinreichend ausgebildet. Bei den Zellen handelt es sich etwa um Hautzellen, die in ein früheres Entwicklungsstadium zurückversetzt werden, um so jede beliebige Art von Gewebe in unterschiedlichen Organen – etwa menschlichen Bauspeicheldrüsen – auszubilden. Schon zuvor hatten die Forscher die Methode an iPS-Zellen von erfolgreich an Mäusen getestet, die Ratten-Embryonen eingepflanzt worden waren.

„Es ist gut, schrittweise und mit Umsicht vorgehen, um so auch einen öffentlichen Dialog über die Experimente, die damit möglicherweise verbundenen bedenken und Ängste zu ermöglichen“, kommentiert Tetsuya Ishii of Hokkaido University.

Andere Wissenschaftler und Experten teilen diese Zuversicht nicht und bezweifeln auch, dass sich die Zellen derart gezielt anpassen lassen. Tatsächlich waren in früheren Experimenten mit menschlichen iPS-Zellen in Schafen schon nach 28 Tagen kaum mehr menschliche Zellen übrig. Auch diese Stammzellenabstoßung wollen die Wissenschaftler nun mit Hilfe der Gentechnik in den Griff bekommen.

Hintergrund
Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zu Mischwesen zwischen Mensch und Tier in der biomedizinischen Forschung von 2011

Zudem gibt es Kritiker die vor dem „absoluten Tabubruch“ warnen und fragen, was passiert, wenn sich die menschlichen Stammzellen nicht auf die gewünschten Organe begrenzen lassen und beispielsweise in anderen Körperregionen wie Gehirn oder Nervensystem nicht zuletzt auch so etwas wie ein menschenähnliches Bewusstsein bei den Chimären erwecken könnten.

Bislang scheinen den Forschern allerdings erst die Experimente an Mäusen und Ratten genehmigt. Das OK für die geplanten Mensch-Schweine-Chimären steht derweil noch aus.

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