Condon-Report: Berichte zu unerklärten UFO-Sichtungen durch Astronauten aus UFO-Studie der US-Regierung entfernt

Die Gemini-Astronauten Borman und McDivitt und Seitenbeispiele des Condon-Reports. Collage: grenzwissenschaft-aktuell.de
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Die Gemini-Astronauten Borman und McDivitt und Seitenbeispiele des Condon-Reports. Collage: grenzwissenschaft-aktuell.de

Die Gemini-Astronauten Borman und McDivitt und Seitenbeispiele des Condon-Reports. Collage: grenzwissenschaft-aktuell.de

– Bei diesem Text handelt es sich um eine von Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) erstellte Übersetzung des englischen Originals von John Greenewald Jr., erstmals veröffentlicht am 26. Juni 2020 auf TheBlackVault.com. GreWi bedankt sich bei J. Greenewald für die Genehmigung zur Übersetzung und Veröffentlichung.

Das Condon-Komitee

Edward Condon, Vorsitzender des Condon-Komitees an der University of Colorado.

Edward Condon, Vorsitzender des Condon-Komitees an der University of Colorado.

22 Jahre lang, von 1947 bis 1969, führte die US-Luftwaffe eine Trilogie von UFO-Forschungsprogrammen durch, die zunchst als „Projects Sign“, dann „Grudge“ und zuletzt als „Blue Book“ bekannt sind. Die Öffentlichkeit ist mit letzterem der drei am besten vertraut, nicht zuletzt auch aufgrund des Erfolgs einer gleichnamigen TV-Serie des US-amerikanischen „History Channel“. Zumindest unter Lesern, die sich nicht intensiv mit der UFO-Thematik und -Historie befassen weniger bekannt, dürfte hingegen der der Grund sein, warum diese Studien mit „Blue Book“ beendet wurden: Ein fast fünfzehnhundert Seiten umfassender Bericht, der vom sogenannten Condon-Komitee erstellt wurde, das von 1966 bis 1968 an der Universität von Colorado eingesetzt war, um zu bewerten, ob die Ergebnisse von „Sign“, „Grudge“ und „Blue Book“ eine weitere Untersuchung unidentifizierter Flugobjekte rechtfertigte. Um es kurz zu machen: Der Bericht kam zu dem Schluss, dass UFOs die dafür aufzuwendende Zeit nicht wert seien. Im Laufe der Jahre ist diesem Bericht jedoch etwas Seltsames widerfahren: Ein Teil davon ging an der Hauptregierungsbehörde, von der sie auch heute noch verbreitet wird, verloren.

Der Bericht war schon immer nicht klassifiziert (also frei öffentlich zugänglich) und steht hauptsächlich über die US-Regierungs-Webseite über das „Defense Technical Information Center“ (DTIC) all jenen zur Verfügung, die genau wissen, wonach und wo genau sie diesen suchen müssen. 2018 trug ich auf „TheBlackVault.com“ die bis dahin vermutlich vollständige Version des Berichts zusammen, nachdem eine Anfrage unter Berufung auf das US-Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) die dreibändige Studie erbrachte. In dieser „vollständigen“ Kopie fehlten jedoch merkwürdigerweise ganze 70 Seiten.

Interessanterweise war aber gerade ein Großteil der fehlenden Abschnitte auch einer der wohl der vermutlich spannendsten Teile des gesamten Berichts: Laut dem Original-Inhaltsverzeichnis befasste sich dieser fehlende Abschnitt mit „UFO-Sichtungen von US-Astronauten“.

Das Condon-Report-Inhaltsverzeichnis offenbart ein Kapitel über “Visuelle UFO-Sichtungen durch US-Astronauten”, das einen Großteil der fehlenden (70) Seiten einnimmt.

Das Condon-Report-Inhaltsverzeichnis offenbart ein Kapitel über “Visuelle UFO-Sichtungen durch US-Astronauten”, das einen Großteil der fehlenden (70) Seiten einnimmt.

Die fehlenden Seiten

Der Versuch, über das DTIC auf die fehlenden Seiten zuzugreifen, schlug fehl, da das Originaldokument, wie es von dieser Agentur gescannt und verwaltet wurde, die Seiten nicht enthielt.

Eine Google-Suche erbringt meist 6 Kopien des “vollständigen” Condon-Reports. Als solche wird hier u.a. auch die in Wirklichkeit unvollständige Kopie des DITC angezeigt. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen).

Eine Google-Suche erbringt meist 6 Kopien des “vollständigen” Condon-Reports. Als solche wird hier u.a. auch die in Wirklichkeit unvollständige Kopie des DITC angezeigt. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen).

Hierzu sollte allerdings beachtet werden, dass Online-Kopien des Condon-Berichts hauptsächlich in Textform vorhanden sind und die fehlenden Seiten in den meisten von ihnen vorhanden sind. Es ist also nicht so, dass die fehlenden Abschnitte nicht bereits gemeinfrei waren. Die Entfernung durch die Regierung in ihrer Kopie bleibt dennoch merkwürdig.

Um Online-Kopien des Condon-Berichts außerhalb der Kanäle der US-Regierung zu finden, musste man (bislang) an einigen versteckten Orten suchen, da nur sechs vollständige Kopien in Textform online vorhanden sind (Quelle: Google, siehe Screenshot). Diese Textversionen scheinen alle aus einer Kopie zu stammen, die vor mehr als zwanzig Jahren von den „National Capital Area Skeptics“ erstellt wurde, nachdem diese direkt mit der University of Colorado zusammengearbeitet hatten, um sie zu erstellen.

Trotz der online verfügbaren Textversionen bleiben die vom DTIC verbreiteten Originalkopien zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels (26.06.2020) unvollständig.

Die Suche nach den Aufzeichnungen
TheBlackVault.com begann im Dezember 2019 mit der Suche nach den Original-Seiten des „Condon Reports“. Der zunächst logischste Ort hierzu war die Universität von Colorado, an der die Studie einst erstellt wurde. E-Mails und Voicemails wurden jedoch nicht beantwortet. Im Juni 2020 wurde dann eine vollständige Kopie mit den fehlenden Seiten wurde im Archiv des „Nationalen Technischen Informationsdienstes“ (National Technical Information Service, NTIS) entdeckt, einer Agentur des Handelsministeriums, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden war. Laut dem eigenen Leitbild bietet dieser Dienst „die Unterstützung und Struktur, die unseren Partnern hilft, Daten auf neue Weise sicher zu speichern, zu analysieren, zu sortieren und zu aggregieren“. Der Dienst verfügt über eine große Datenbank mit technischen Berichten, die jahrzehntelang hinter einen kostenpflichtigen Zugang (Paywall) zugänglich waren, jetzt aber für die Öffentlichkeit zugänglich zu sein scheinen.

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Innerhalb dieser gewaltigen Datenbank versteckt, findet sich der vollständige Bericht des Condon-Komitees und damit ein vollständiger Scan eines der Originalberichte- inklusive der  fehlenden 70 Seiten im Anhang. Und siehe da, die fehlenden Seiten erweisen sich als einige der interessantesten: In Kapitel 6 wird auf drei Astronauten-UFO-Sichtungen verwiesen, für die es keine Erklärung gibt.

Auszug aus “Kapitel 6”, in dem es um drei UFO-Sichtungen von Astronauten geht, für die auch das Condon-Komitee keine adäquate Erklärung fand.

Auszug aus “Kapitel 6”, in dem es um drei UFO-Sichtungen von Astronauten geht, für die auch das Condon-Komitee keine adäquate Erklärung fand.

Die unerklärten Sichtungen der Astronauten

Astronaut James McDivitt

Astronaut James McDivitt

Dem Bericht des Condon-Komitees zufolge waren die drei Sichtungen der US-Astronauten James McDivitt und Frank Borman auf den Gemini-Missionen 4 und 7 ein Rätsel und fanden keine angemessene Erklärung.

In dem Bericht wird ein „zylindrisches Objekt mit (antennenartigen) Ansätzen“ (“cylindrical object with protuberance”) beschrieben, das McDivitt während „Gemini 4“ sah. Es wurde sogar angegeben, dass es Filmmaterial des unbekannten Objekts gab, das von der NASA vier Tage lang aufgenommen wurde. Als die NASA “drei oder vier” Bilder veröffentlichte, gab McDivitt an, dass diese nicht das von ihm gesichtete und beschriebene Objekt zeigten. Später gab sich McDivitt dann mit der Erklärung zufrieden, dass die Fotos durch den Vergrößerungsvorgang verzerrt worden waren und das beobachtete Objekt „wahrscheinlich ein unbemannter Satellit“ war.

Das Condon-Komitee konnte dennoch nicht genau bestimmen, um welchen Satelliten es sich handelte. Das „Nordamerikanisches Luftverteidigungskommando“ (NORAD) hatte zwar eine Liste von Möglichen Satelliten vorgelegt und sich auf den Satelliten „Pegasus B“ als wahrscheinliche Erklärung verständigt, doch befand dieser sich zur Sichtungszeigt 1.200 Meilen entfernt. Das Condon-Komitee selbst kam aufgrund der Beschreibung zu dem Schluss, dass „Pegasus B“ keine Erklärung sei, weswegen die Sichtung ein Rätsel blieb.

Astronaut Frank Borman

Astronaut Frank Borman

In dem Bericht wurde auch eine Sichtung während „Gemini 7“ dargeleget. Bei dieser Mission wurde das gesichtete Objekte, als „Bogey“ (Kobold) bezeichnet. Auf Rückfrage von Capcom, ob es sich um die Gemini-Booster-Stufe handeln könnte, bestätigte Borman, dass er (zusätzlich zu diesem „Kobold“) auch den Booster in Sicht hatte.

Was auch immer dieser “Bogey” war; es wurde nicht identifiziert.

Der Abschnitt über UFOs und Astronauten im Condon-Report schließt indes wie folgt:

„Die drei ungeklärten Sichtungen, die aus einer Vielzahl von Berichten gewonnen wurden, sind eine Herausforderung für den Analysten. Besonders rätselhaft ist die erstbeschriebene Sichtung, während derer tagsüber ein Objekt gesichtet wurde, das Details wie Arme (Antennen?) zeigte, die aus einem Körper mit einer merklichen Winkelausdehnung herausragen. Wenn die NORAD-Liste der Objekte in der Nähe des GT-4-Raumfahrzeugs zum Zeitpunkt der Sichtung vollständig ist – wovon auszugehen ist – müssen wir eine andere rationale Erklärung finden oder die Sichtung alternativ unserer Liste der nicht identifizierten Objekte zuschreiben.“

Die Meta-Daten
Die Metadaten oder in bestimmten Dateien verdeckten Informationen wurden in den nun vorliegenden, unterschiedlichen Versionen von Condon-Berichtens überprüft. „TheBlackVault.com“ verglich dafür vornehmlich die vollständige NTIS-Version mit der unvollständigen DTIC-Version.

Hierbei zeigte sich, dass die (vollständige) NTIS-Version sechs Jahre vor der bei DTIC gespeicherten (unvollständigen) Version gescannt wurde. Die verwendete Softwareanwendung war unterschiedlich, so dass wahrscheinlich zwei verschiedene physische / manuelle Scans statt der NTIS-Version verwendet und dabei die siebzig Seiten entfernt wurden.

Die Meta-Daten der (unvollständigen) DTIC-Version offenbaren, dass diese vermutlich 2016 erneut unter Nutzung eines anderen Softwareprogramms eingescannt wurde. Allerdings fehlen hier nun 70 Seiten, die wahrscheinlich aus der Originalvorlage entfernt wurden oder bereits in dieser fehlten. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)

Die Meta-Daten der (unvollständigen) DTIC-Version offenbaren, dass diese vermutlich 2016 erneut unter Nutzung eines anderen Softwareprogramms eingescannt wurde. Allerdings fehlen hier nun 70 Seiten, die wahrscheinlich aus der Originalvorlage entfernt wurden oder bereits in dieser fehlten. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)

Die Meta-Data der (vollständigen) NTIS-Version zeigen, dass es sich um einen Originalscan von 2010 handelt. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)

Die Meta-Data der (vollständigen) NTIS-Version zeigen, dass es sich um einen Originalscan von 2010 handelt. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)

Unabhängig davon, wo die fehlenden Seiten gelandet sind, bleibt die Frage nach dem „Warum“. Eine, zwei, sogar mehrere Seiten, die in einem Dokument mit fast fünfzehnhundert Seiten fehlen – so etwas kann tatsächlich schon mal vorkommen, insbesondere, wenn das Dokument ein halbes Jahrhundert alt ist. So etwas geht sogar wahrscheinlich als menschlicher Fehler durch. Eine ganze Sektion von ganzen 70 Seiten aus einem Dokument zu entfernen, erscheint hingegen beabsichtigt. Doch auch hier bleibt die Frage: Warum?

Vielleicht werden wir die Antwort darauf nie erfahren. Da es hier und da mehr oder weniger öffentlich zugängliche Online-Kopien gab und gibt, ist es nicht so, dass diese Seiten vollständig vor der Öffentlichkeit verborgen wurden. Dennoch ist es auffällig, dass UFO-Dokumente immer dann die Tendenz haben, ganz oder teilweise zu „verschwinden“, wenn sie US-Regierungs- und Militärbehörden verwaltet werden.

Es kann sein, dass derjenige, der entschieden hat, dass DTIC der Hauptverbreitungspunkt für die Aufzeichnung ist, glaubte, dass niemand 70 Seiten im Dokument vermissen würde und es deshalb jahrelang dennoch als angeblich vollständiges Dokument verbreitet wurde, obwohl oder gerade weil dieser wichtige Teil fehlte.

Vielleicht ist aber dies alles auch nur ein Zufall…?

– Die vollständige (NTIS) Version des Condon-Reports finden Sie HIER

– Die unvollständige (DTIC)-Version finden Sie HIER

–  John Greenewalds Jr. Artikel im englischsprachigen Original finden Sie HIER

© John Greenewald Jr., TheBlackVault.com

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Quelle TheBlackVault.com

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