Dauerfasten-Yogi Sadhu Prahlad Jani verstorben

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Sadhu Prahlad Jani während der Untersuchungen 2010. Copyright: unbek.

Sadhu Prahlad Jani während der Untersuchungen 2010.
Copyright: unbek.

Ahmedabad (Indien) – 2003 und 2010 sorgte der indische Yogi Sadhu Prahlad Jani (Mataji) weltweit für Schlagzeilen – behauptete er doch, bereits seit Jahrzehnten weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich genommen zu haben. Zwei Untersuchungen indischer Ärzte schienen die Behauptungen des Yogis zu bestätigen, werden von Kritikern seither jedoch als „unwissenschaftlich“ abgetan. Im Alter von 90 Jahren ist Sadhu Prahlad Jani nun verstorben – an Altersschwäche.

2010 widmete sich ein Team aus 25 Ärzten und Experten um den Neurologen Dr. Sudhir Shah und dem Physiker und Diabetologen Dr. Urman Dhruv vom “Defence Institute of Physiology and Allied Sciences” (DIPAS; einem Forschungsinstitut des indischen Verteidigungsministeriums, dass sich auf die biomedizinische und physiologische Forschung zur Verbesserung menschlichen Überlebens unter Extrembedingungen konzentriert) den Behauptungen des damals 80-jährigen Yogis. Dieser erklärte, er habe schon seit 70 Jahren weder Flüssigkeit von Nahrung zu sich genommen. Damals wurde Jani Yogi 15 Tage lang anhand einer Reihe medizinischer Tests wie MRI, EEG, ECG, Aura- und Blutstudien, und neuro-physiologischen Tests im örtlichen “Sterling Hospital” untersucht (…GreWi berichtete).

Hintergrund
Schon 2003 war Jani zehn Tage lang von einem Team um Dr. Shah in einer ähnlichen Untersuchung buchstäblich auf Herz und Nieren überprüft worden: “Damals konnten wir belegen, dass Jani während diese zehn Tage, in denen er unter Beobachtung stand, tatsächlich nichts gegessen und getrunken hatte. Erstaunlicherweise blieben seine biologischen Parameter damals völlig normal”, zitierte “Daily News & Analysis India” (dnaindia.com) damals den Neurologen.

In den Untersuchungen von 2010 wollten die Mediziner dann über eine bloße Beobachtung und Feststellung der Fakten hinausgehen. Neben der Tatsache, dass Jani seit Beginn der Tests nichts zu sich genommen hatte, berichten die Ärzte auch, dass er weder Stuhl noch Urin von sich gegeben habe. Für den körperlichen Zustand des zudem rüstigen Yogis haben die Forscher nach eigenen Angaben bislang keinerlei medizinische Erklärung.

“Unser Ziel ist es, den Yogi eingehend medizinisch zu untersuchen, um zu verstehen, von welcher Energie er überhaupt lebt, wenn es sich dabei offensichtlich doch nicht um Nahrung und Wasser handelt”, erläuterte damals der DIPAS-Direktor Dr. G. Ilavazahagan gegenüber der Presse. Von den Ergebnissen erhofften sich die Forscher, zukünftig das Leben von Soldaten, Katastrophenopfern bis hin zu Astronauten in Extremsituationen retten zu können, wenn diese über ungewöhnlich lange Zeit ohne Nahrung und Trinkwasser auskommen müssen.

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Laut Dr. Urman Dhruv könnten die Ergebnisse der Untersuchungen eine Brücke zwischen Wissenschaft und Spiritualität darstellen: “Wir sammeln schließlich Daten eines Mannes, der im Gegensatz zu gewöhnlichen Menschen, eine gänzlich alternative Lebensweise führt. Die vergleichende Studie dieser Untersuchung und der Tests von 2003 soll auch Licht auf Alterungsprozesse im Körper des Yogis werfen, der, wie es scheint, irgendeine Form genetischer Veränderung durchlaufen hat.”

Hintergrund
Prahlad Jani selbst erklärte seinen Zustand zeitlebens durch tägliche Meditation und die Segnung durch die vielarmigen Gottheit Amba Mata (siehe Abb. l.) im Alter von acht Jahren. Seit diesem Ereignis, so der Yogi, habe er keine Nahrung mehr zu sich nehmen müssen. Stattdessen lebe er von einer als “Amrit” bezeichneten Flüssigkeit, die mit Ambrosia zu vergleichen sein soll und sich aus einer Öffnung in seinem Gaumen absondere. Amrit gilt als “Getränk der Götter” und soll, laut heiligen Hindu-Texten, ewiges Leben verleihen. Tatsächlich berichtete die Mediziner 2003 von einer entsprechenden Flüssigkeit, die in geringen Mengen aus einem Loch im Gaumen des Yogis austrat. Auf späteren MRT-Aufnahmen ist eine solche Struktur allerdings nicht zu erkennen. Um was es sich bei diesem Sekret jedoch handele, konnte damals nicht festgestellt werden. Die Ärzte stellten zudem fest, dass sich – obwohl Jani kein Wasser oder sonstige Flüssigkeiten trank – zwar Urin in seiner Blase bildete, dieses jedoch von der Blasenwand wieder absorbiert wurde. Auch stellten die Mediziner fest, dass der Yogi während der zehntägigen Überwachung minimal an Körpergewicht abnahm – einer von mehreren Gründen für die indische Skeptiker-Organisation “Indian Rationalist Association” (IRA), an den Extrembehauptungen des Yogis zu zweifeln und bezeichnet Jani seither als nichts weiter als einen “Dorfschwindler”.

– Einen Zeitungsartikel des Vorsitzenden der indischen Skeptiker-Organisation über die Untersuchungen Janis finden Sie HIER

Zwei Wochen nachdem Mediziner Sadhu Prahlad Jani 2020 unter medizinische Beobachtung gestellt hatten, um hinter die Geheimnisse der extremen Fastenfähigkeit des Yogis zu kommen, standen die Untersucher immer noch vor einem Rätsel: Zumindest während der zweiwöchigen Intensivbeobachtung nahm der immerhin 83-Jährige offenbar keine Nahrung oder Wasser zu sich. Dennoch ging es ihm besser, wie manch jüngeren Zeitgenossen.

“Auch nach unseren Untersuchungen und Beobachtung wissen wir immer noch nicht, wie er überhaupt über-lebt”, gestand der beteiligte Dr. Sudhir Shah ein. „Das Phänomen des Sadhu bleibt weiterhin ein Rätsel.“ (…GreWi berichtete)

Während der Untersuchung habe der Yogi auch keinerlei Stuhlgang oder Urin von sich gegeben. Mit Wasser sei er nur beim Baden und dem täglichen Gurgeln samt Ausspülen der Flüssigkeit in Berührung gekommen. Diese Mengen seien für ein gewöhnliches Überleben (ohne Urinabgabe) aber nicht ausreichend.

Schlussendlich gelten die Untersuchungsergebnisse heute dennoch weithin als „wissenschaftlich nicht anerkannt“ und kontrovers – nicht zuletzt, weil sie sie nie wissenschaftlich publiziert wurden und es lediglich lückenhafte Angaben auf Internetseiten zu gibt. Die deutsche Wikipedia kommt zu dem Schluss, dass die Untersuchungen „die Behauptung von Prahlad Jani, seit vielen Jahren ohne Essen und Wasser zu leben, weder bestätigen noch widerlegen“ konnten.

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