Der erste Zeuge: Bringt das Tagebuch von Jesse Marcel neue Erkenntnisse über Roswell?

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Auf der Roswell-Pressekonferenz präsentierte Maj. Jesse Marcel Reste eines Wetterballons als angeblich jene Trümmer, die er Tage zuvor auf einer Ranch nahe Roswell geborgen hatte. Später behauptete Marcel, auf dem Pressetermin die echten Trümmer eines „Objekts nicht von dieser Welt“ seien gegen den Wetterballon ausgetauscht worden. Copyright: The University of Texas at Arlington, UTA Libraries

Auf der Roswell-Pressekonferenz präsentierte Maj. Jesse Marcel Reste eines Wetterballons als angeblich jene Trümmer, die er Tage zuvor auf einer Ranch nahe Roswell geborgen hatte. Später behauptete Marcel, auf dem Pressetermin die echten Trümmer eines „Objekts nicht von dieser Welt“ seien gegen den Wetterballon ausgetauscht worden.
Copyright: The University of Texas at Arlington, UTA Libraries

Washington (USA) – Das Absturzereignis von Roswell im Juni 1947 ist wohl der weltweit bekannteste UFO-Mythos. Von zahlreichen Zeitzeugen als Absturz eines exotischen oder agr außerirdischen Flugobjekts mitsamt Insassen beschrieben (siehe Links u.) wurde und wird es  von der US Air Force seither als Wetter-, Spionageballon und Crashtest-Dummies bezeichnet. Erstmals liegt Forschern nun das Tagebuch eines der ersten militärischen Augenzeugen der Absturzstelle, das Tagebuch von Major Jesse Marcel vor und wird im Rahmen einer TV-Doku ausgewertet.

In der jüngsten TV-Dokumentation des US-amerikanischen „History Channel“ in der Reihe „History’s Gretest Mysteries“ begibt sich der ehemaliger US-Geheimdienstler Ben Smith gemeinsam mit Historikern, Geologen, Kryptografen und anderen Wissenschaftlern und UFO-Forschern auf erneute Spurensuche rund um Roswell.

Neben einer erneuten Dokumentation und Vermessung der angeblichen Absturzstelle, auf der Suche nach heute kaum noch sichtbaren Spuren des Absturzes, steht das Tagebuch des ersten Air-Force-Geheimdienstoffiziers, Major Jesse Marcels im Vordergrund. Dieses wurde über dessen Kinder mittlerweile an seine Enkelkinder weitergegeben und steht nun erstmals Roswell-Untersuchern für eine Auswertung zur Verfügung.

Hintergrund
Eine kleine Chronologie dessen, was in Roswell laut – US-Militär – abgestürzt sein soll

8. Juli 1947: Der „Roswell Daily Record“ berichtete erstmals von Trümmern, die auf einer Ranch nahe Roswell gefunden wurden und berief sich dabei auf eine Presseinformation des Presse-Offiziers Walter Haut, laut der die nahe Roswell stationierte 509. Operation Group der US Air Force eine „fliegende Scheibe“ geborgen habe. Auch andere Zeitungen (etwa „The Sacramento Bee“ berichten und zitieren entsprechend).

Titelseite des "Roswell Daily Record" vom 8. Juni 1947

Titelseite des “Roswell Daily Record” vom 8. Juni 1947

– Lesen Sie HIER die eidesstattliche Versicherung von Walter Haut zu den Ereignissen von 1947.

8./9. Juli 1947: Aufgrund einer Flut von Presseanfragen lud noch am selben Tag General Roger Ramey die Presse zu einer Pressekonferenz, auf der er erklärte, dass es sich bei den Trümmern lediglich um die eines „Wetterballons“ gehandelt habe. Zugleich präsentiert er Trümmerteile eines gewöhnlichen Raywin-Wetterballons (s. Abb. l.). Am darauffolgenden Morgen titelten lokale wie nationale Medien, darunter auch der „Roswell Daily Record“: „General Ramey entleert die Roswell Untertasse“ und erklärten, die Aufregung über eine angebliche „fliegende Untertasse“ sei unbegründet gewesen.

1994/95: Auf politisches wie öffentliches Drängen untersuchte die US Air Force den „Roswell Case“ erneut und veröffentlichte dazu im Juni 1994 einen ersten offiziellen Abschlussbericht: „The Roswell Report: Case Closed“. Dieser widerspricht nun selbst der einstigen Wetterballon-Erklärung und legt dar, dass es sich bei den Trümmern und der geborgenen Scheibe um Teile von „Project Mogul“ gehandelt habe, das durch die Wetterballon-Erklärung von 1947 geheimgehalten werden sollte. Bei „Mogul“ handelte es sich um einen hochgeheimen Hochatmosphären-Aufklärungsballon, mit dem das US-Militär sowjetische Atombombentests feststellen wollte.

1997: Da der erste Untersuchungsbericht der Air Force noch nicht auf jene Zeugenaussagen eingegangen war, die auch von der Bergung von fremdartigen Leichen sprachen, veröffentlichte die Air Force 1997 einen zweiten Bericht. Dieser erklärte entsprechende Beobachtungen nun mit der Bergung von von Ballons abgeworfenen Crashtest-Dummies in den Jahren 1953-59. Die chronologische Diskrepanz zum eigentlichen Roswell-Vorfall erklärt der Bericht mit ungenauen Erinnerungen und mangelndem zeitlichen Zuordnungsvermögen derart lange zurückliegender Ereignisse durch die Zeugen. Den Originalberichte der US Air Force können Sie links bestellen.

– Lesen Sie hierzu auch die GreWi-Meldung „Roswell-Absturz: Quelle für “Air Force”-Bericht widerspricht offizieller Auslegung“ vom 13. April 2009. In dieser wiederspricht einer der Kronzeugen dieses zweiten Berichts, Lieutenant Colonel Raymond Madson, der Auslegung seiner Aussagen und der Interpretation des Vorfalls durch den Air-Force-Bericht widersprochen.

Jesse Marcel (Senior) war der erste „Intelligence Officer“, der den mutmaßlichen Absturzort des UFO erreichte, im Auftrag der US-Army Trümmerteile sicherte und diese zum Armeestützpunkt in Roswell brachte.

Laut den Erzählungen seines Sohnes, Jesse Marcel Jr., habe sein Vater auf dem Weg zur Basis zuhause angehalten, wo er seiner Frau und seinem Sohn Teile der Trümmer gezeigt habe: “Da waren nur Metallfragmente, Balken mit merkwürdigen Buchstaben drauf und schwarze Plastikteile, die aussahen wie eine zerbrochene Schallplatte von damals (…) Auf einigen Trümmerteilen waren Symbole oder sowas wie Schrift drauf. Diese komischen Zeichen sahen aus wie ägyptische Hieroglyphen oder sowas (…)”, berichtete Marcel Jr. später in Interviews immer wieder. Als Jesse Marcel Sr. die Trümmerteile schließlich zum Armeestützpunkt brachte, sah die Luftwaffe sich zunächst veranlasst, die Angelegenheit als streng geheim zu erklären. Eine offizielle Pressemeldung der US-Armee über den Absturz einer „fliegenden Scheibe“ wurde widerrufen und der Öffentlichkeit präsentierte man Überreste eines Wetterballons, die, so erklärte Marcel Jr. später „nichts mit dem zu tun hatten, was uns mein Vater in jener Nacht gezeigt hatte.“ Jesse Marcel Jr. verstarb Ende August 2013 (…GreWi berichtete). Zeitlebens zeigte sich Jesse Marcel, der 1986 starb, davon überzeugt, dass das, was er in Roswell vorgefunden habe, ein außerirdisches Raumfahrzeug gewesen sei. Skeptiker einer exotischen Erklärung für das Roswell-Ereignis unterstellen Marcel schlichtweg Überteribung bis Schwindel.

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Mittlerweile ist das Tagesbuch des „ersten Zeugen von Roswell“ von seinem Sohn an seine Enkel, John und Jesse Marcel III übergegangen, die gegenüber der DailyMail bestätigen, ihr Großvater habe nie etwas an seiner persönlichen Erzählung verändert. „Unser Großvater wurde damals zum Bauernopfer gemacht und dazu gezwungen, zu leugnen, was er an der Absturzstelle tatsächlich vorgefunden hatte. (…) auf diese Weise wurde er zum Ausgangspunkt der Vertuschung.”

Tatsächlich ist das einzige bis heute erhaltene Indiz Marcels dessen Tagebuch, das nun im Zentrum der 3-teiligen Dokumentation „Roswell: The First Witness“, die erstmals am 12. Dezember im US-Fernsehen gezeigt wird.
Ob eine der berüchtigten Dokumentationen des History-Channel jedoch dazu beitragen kann, das Tagebuch wissenschaftlich auszuwerten, bleibt abzuwarten…




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