Dissertation erforscht historischen Feenglauben in England

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Mittelalterliche Darstellung der „Fee Melusine“.
Copyright: Gemeinfrei

Exeter (Großbritannien) – Schon von jeher waren Menschen von der Existenz von Feen und Naturgeistern überzeugt. Spätestens seit dem späten Mittelalter verbreitete sich dann auch zusehends der Glaube daran, diese Naturwesenheiten auch im Sinne guter und böser Absichten durch Bann- und Zaubersprüche sich nutz- und dienbar machen zu können. An der University of Exeter geht nun ein Doktorand diesen Praktiken nach.

Im Rahmen seiner Dissertation will der Geschichtsstudent Samuel Gillis Hogan nicht nur die umfangreichen historischen Archive und Sammlungen der altehrwürdigen Universität nach alten Schriften über Bann- und Zaubersprüche sichten und sich dabei auf entsprechende Werke aus dem 15. bis 17. Jahrhundert konzentrieren.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Grundlage für den Glauben daran, man könne Feen und Elfen bannen und sich dienbar machen, war die gerade seit dem späten Mittelalter verbreitete Vorstellung, bei derartigen Wesen handele es sich um gefallene Engel, Geister Verstorbener oder den Überbleibseln der alten heidnischen Götter.

Historische Darstellung der Zauberwirkung eines Feenkreises

Während wir uns heute Feen und Elfen also meist nur noch lieblich tanzend und blumenpflückend tugendhaft vorstellen, war dies gerade in Folge der Reformation im 16. Jahrhundert oft ganz anders, wenn den Naturgeistern etwa das Entführen von Kindern, Schadenzauber oder das in die Irre oder gar den Tod leitende Verwirren unschuldiger Wanderer vorgeworfen wurde. Legenden vom Irrlicht, das im englischen Sprachraum den Beinamen „Will-o’-the-wisp” erhielt künden davon heute noch ebenso wie historische Darstellungen des „kleinen Volkes“, das durch seinen Ringtanz Menschen die Sinne nimmt, in den Wahnsinn treibt oder gar gänzlich ins Elfenreich entführt. Auch die Vorstellung von Nixen und Nymphen, die in Teichen und Seen Menschen in ihr nasses Grab locken, erzählen heute noch von den negativen Eigenschaften, die diesen Wesen zugeschrieben wurden.

„Das Irrlicht“, Radierung von Julius Mařák zusammen mit J. L. Schmidt nach einem Entwurf von H. Knorr. Vom Österreichischen Kunstverein, 1875

Vom Bann dieser Wesen erhofften sich die Menschen im Umkehrschluss dann also die Nutzbarmachung dieser Kräfte: „Feen galten als wundersame und schöne, zugleich aber auch sehr gefährliche Wesen“, zitiert DevonLive den Doktoranden. „Aber die Menschen wollten sich immer schon ihrer Macht und Dienste zum eigenen Nutzen bemächtigen. Dies aber nicht nur zum Schaden. So gibt es zahlreiche Fälle, in denen die Feen den Menschen ihre Heilkunst beibringen sollten.“

Während Hogans Arbeit nicht zum Ziel hat, die Existenz von Feen und Elfen zu beweisen, ermögliche das Studium des einstigen Glaubens an diese Naturgeister jedoch Einsichten und Erkenntnisse über die damaligen Vorstellung- und Glaubenswelten, Religion, Medizin, Wissenschaft und Philosophie. „Diese Geschichten berichten uns sehr viel über den Glauben der damaligen Zeit. Wenn wir diese Praktiken besser verstehen, können wir vielleicht auch besser nachvollziehen, warum der Glaube an die Existenz dieser Wesen damals ganz normal und den Menschen geradezu rational erschien. (…) Es ist sehr einfach, auf all das zurück zu schauen und diese Glaubensvorstellungen als Aberglaube oder primitiv zu belächeln. Ihr Studium kann uns aber auch vor Augen halten, dass unsere heutigen Weltbilder nur einige unter vielen sind.“

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Online-Umfrage zeigt: Menschen sehen auch heute noch Feen und Elfen 28. Februar 2018
Charles-Bonnet-Syndrom – Wenn Menschen kleine Männchen sehen 7. Februar 2009

© grenzwissenschaft-aktuell.de