eDNA soll schon im kommenden Sommer das Rätsel um Nessie lösen

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Blick über Urquart Castle auf den Loch Ness.

Copyright: A. Müller, grenzwissenschaft-aktuell.de

Dunedin (Neuseeland) – Nach einer ersten Willensbekundung im vergangenen Jahr (…GreWi berichtete, s. Links u.) will ein internationales Team aus Biologen und Kryptozoologen nun schon im kommenden Sommer anhand einer eDNA-Analyse von Wasserproben das Rätsel um das angebliche Ungeheuer im Loch Ness endgültig lösen.

Wie das Team um den Biologen Prof. Neil Gemmell von der neuseeländischen University of Otago aktuell berichtet, soll das Projekt „Super Natural History – Loch Ness Edition“ schon in den kommenden Wochen starten.

Anhand von Wasserproben aus des zweitgrößten Süßwassersees Schottlands und Vergleichsproben aus drei anderen schottischen Lochs (Loch Garry, Oich und Morar) wollen die Biologen mittels sogenannter Environmental-DNA (Umwelt-DNA) im Loch Ness nach genetischen Spuren des angeblichen Seeungeheuers „Nessie“ fahnden.

Hintergrund: eDNA
Bei der Methode der eDNA handelt es sich um ein vergleichsweise neues DNA-Analyseverfahren, das noch kleinste DNA-Spuren aus Umweltproben wie beispielsweise Wasser- oder Böden extrahieren kann. Bekannt wurde das Verfahren durch den DNA-Nachweis der Existenz der sogenannten Denisova-Menschen aus der Analyse von Ablagerungen in einer Höhle, in der sich sonst keine physischen Beweise oder Spuren als Beleg für die einstige Anwesenheit der lange Zeit unbekannten Frühmenschenart fanden.

„Die Methode des eDNA ist deshalb so effektiv, weil das Leben selbst schmutzig ist“, so Gemmel. „Egal welche Kreatur sich durch eine Umwelt bewegt und darin lebt – sie hinterlässt auf jeden Fall kleinste Fragmente ihrer DNA in Form von Haut, Schuppen, Federn, Haaren, Kot und Urin. Es ist diese DNA, die wir mittlerweile extrahieren und sequenzieren können, um damit diese Kreaturen zu identifizieren, in dem man die ermittelten Sequenzen mit den Datenbänken bekannter genetischer Sequenzen von mehr als 100.000 unterschiedlichen Organismen vergleicht.“

Zunächst wollen die Wissenschaftler anhand der eDNA eine detaillierte Liste aller Lebewesen im Loch Ness erstellen und diese mit den Ergebnissen aus den anderen Seen vergleichen. Sollten sich diese Inventarlisten in unerwarteter Weise voneinander unterscheiden, wäre des Weiteren zu untersuchen, welchem Tier die für den Loch Ness einzigartige DNA zugewiesen werden kann.

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„Zwar wäre auch ich ehrlich gesagt überrascht, wenn wir Beweise für DNA-Sequenzen finden würden, die in Richtung eines großen urzeitlichen Wasserreptils – der Grundlage der sogenannten ‚Jurassic-Hypothesis‘ zu Nessie – weisen. Dennoch bleibe ich auch dafür offen und warte ab, was wir finden werden“, so erläutert Gemmel.

Eine der populärsten Theorien sieht in “Nessie” Exemplare einer bis heute im Loch Ness überlebenden Population von Plesiosauriern (Illu.).
Copyright: Adam Stuart Smith (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 2.5

„Sollte im Loch Ness DNA gefunden werden, für die wir keine exakte Übereinstimmung finden können, so werden wir vielleicht zwar nicht in der Lage sein, die genaue Art zu ermitteln, aber wir werden zumindest zuordnen können, zu welchem Ast am Stammbaum des Lebens diese DNA am ehesten passt. Sollte es sich tatsächlich um einen prähistorischen Saurier handeln, so hätten wir schon eine Vorstellung davon, wie eine solche DNA aussehen sollte.“

Neben bis heute überlebenden Plesiosauriern wurden auch schon ungewöhnlich große Varianten von Welsen und Stören zur Diskussion gestellt: „Auch diese und alle anderen biologischen Theorien können wir mit Hilfe der eDNA überprüfen.“


Schon Ende der 1960er Jahre hofften Nessie-Forscher mit Hilfe des Ein-Mann-U-Bootes „Viperfish“ und der daran angebrachten Luftdruck-Harpunen Gewebeproben von „Nessie“ erbeuten zu können – leider erfolglos. Heute ist die „Viperfish“ vor dem „Loch Ness Centre and Exhibition“ in Drumnadrochit ausgestellt.

Copyright: A. Müller, grenzwissenschaft-aktuell.de

Allerdings sei das Projekt weit mehr als eine reine Monsterjagd: „Während das Ziel zunächst die Suche nach Beweisen für das Ungeheuer von Loch Ness ist, bedeutet es aber natürlich auch einen enormen Wissenszugewinn über die Organismen, die im Loch Ness leben.

Unabhängig von Nessie sagen Gemmel und Kollegen schon jetzt den Nachweis bislang unbekannter Arten, besonders von Bakterien, im Loch Ness voraus. Auch über die in den vergangenen Jahren im Loch Ness beobachteten neuen, bzw. invasiven fremden Arten, wie der Pazifische Buckellachs, soll das Projekt wertvolle Informationen liefern.

Für seine Suche nach Nessie hat Gemmel ein internationales Expertenteam zusammengestellt, darunter Genetiker, Biologen und Kryptozoologen aus Neuseeland, den USA, Dänemark, Frankreich, Australien und Schottland.

– Die das Projekt begleitender ausführliche Webseite mit zahlreichen weiteren Hintergrundinformationen finden Sie HIER

Das Team, so berichtet Gemmel, sei von der eigentlichen Idee des Projekts, ein derart bekanntes Rätsel zu lösen ebenso begeistert wie von der Aussicht, mit dem Projekt selbst, den wissenschaftlichen Prozess dokumentieren und öffentlich kommunizieren zu können:

„Mit diesem Projekt können wir sehr anschaulich zeigen, wie eine Hypothese entwickelt und überprüft wird. Wir können zeigen, warum es wichtig ist, die Ergebnisse auch reproduzieren zu können, warum wir Kontrollproben und Doppelblind-Methoden nutzen um einen Beeinfluss durch die Beobachter (observer bias) zu vermeiden. Auch das gehört zu diesem Projekt.“

Ergebnisse sollen dann bis Januar 2019 vorliegen. Dann, so sind sich die Wissenschaftler schon jetzt sicher, „werden wir die Frage beantworten können, was da im Loch Ness lebt.“

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