Einzelgänger: Astronomen finden erdgroßen “sonnenlosen” Planeten

Grafische Darstellung eines befreit von einem Stern durchs All treibenden Einzelgängerplaneten (Illu.). Copyright: NASA
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Grafische Darstellung eines befreit von einem Stern durchs All treibenden Einzelgängerplaneten (Illu.). Copyright: NASA

Grafische Darstellung eines befreit von einem Stern durchs All treibenden Einzelgänger-Planeten (Illu.).
Copyright: NASA

Pasadena (USA) – Für gewöhnlich sind Planeten durch die Schwerkraft ihrer Sterne an diese gebunden und umkreisen sie auf ihren Umlaufbahnen. Durch die Wechselwirkung mit den Schwerkräften ihrer Nachbarplaneten kommt es aber auch vor, dass Planeten aus ihrem Heimatsystem herausgeschleudert werden und sodann alleine, frei von der Bindung an ihre einstige „Sonne“ durchs All treiben. Astronomen haben nun einen erdgroßen Einzelgänger-Planeten entdeckt, der frei durch die Milchstraße reist.

Wie gleich zwei Astronomenteams vorab via Arxiv.org berichten, haben sie den Planeten mit Hilfe des „Optical Gravitational Lensing Experiment“ (OGLE) und des „Korean Microlensing Telescope Network“ (KMTN) entdeckt und sind zuversichtlich, dass das Signal auf einen in etwa erdgroßen Planeten hindeutet. Der potentielle Planet mit der derzeitigen Bezeichnung „OGLE-2016-BLG-1928” befinde sich fernab jeglicher Sterne, an die er schwerkraftmäßig gebunden sein könnte. Wie weit der Planet von der Erde entfernt sei, ist derzeit allerdings noch nicht klar.

Entdeckt wurde der Planet mit Hilfe der Suche nach sogenannten Gravitationslinseneffekten. Hierbei dient ein Objekt im Vordergrund als sogenannte Schwerkraftlinse, die das Licht einer dahinterliegenden Lichtquelle (etwa eines Sterns oder eine Galaxie) um sich herum beugt. Während bislang meist massereiche Objekte als Gravitationslinsen genutzt wurde, suchen die beiden Instrumente der Projekte OGLE und KMTN auch und gerade nach kleineren, bzw. masseärmeren Objekten, die dann als entsprechend schwächere Gravitationslinsen (Mikrolinsen) wirken und so ihre Existenz verraten. Die nun beobachtete Beugung und Verzerrung des Lichts eines Hintergrundsterns deuten die Astronomen als einem in etwa erdgroßen und frei durchs All treibenden Planeten.

Astrophysiker schätzen, dass es alleine in unserer Milchstraße Milliarden derart freitreibender Einzelgänger-Planeten geben könnte (…GreWi berichtete) und Planeten sogar gänzlich ohne Stern entstehen könnten (…GreWi berichtete). Da das von “OGLE-2016-BLG-1928” erzeugte Mikrolinsenereignis nur 41,5 Minuten gedauert hat, konnten die Astronomen nur vergleichsweise wenig Daten zu dem Objekt sammeln.

Hintergrund
Während die meisten Astrophysiker davon ausgehen, dass in Abwesenheit eines energieliefernden Sterns, Leben (zumindest wie jenes, das wir von unserer Erde kennen) auf Einzelgänger-Planeten eigentlich ausgeschlossen sein sollte, gibt es aber auch Überlegungen, wie auch auf solchen „sonnenlosen Planeten“ etwa durch radioaktive Prozesse genügend Energie für Leben vorhanden sein könnte. Das Geheimnis liegt laut Professor Avi Loeb von der Harvard University und der Astrobiologe Manasvi Lingam vom Florida Institute of Technology in radioaktiven Isotopen wie Uranium-238, Thorium-232 oder Kalium-40, wie sie auch im Erdmantel und der Erdkruste zu finden sind. Während diese in instabilen sog. Radionuklide zerfallen, erzeugen sie auch geringe Mengen an Energie – etwa ein Dritteltausendstel dessen, was die Erde von der Sonne erhält. Loeb und Lingam schlagen allerdings vor, dass einige Planeten – besonders jene, die in der Nähe des Galaktischen Zentrums der Milchstraße entstehen bzw. entstanden sind – genügend dieser radioaktiven Isotope besitzen und so ausreichend Energie erzeugen, um zu verhindern, dass ihre Oberfläche vollständig zufriert. „Auf diese Weise müssen Planeten nicht mehr zwangsläufig nahe genug ihren Stern umkreisen, um als potentiell lebensfreundlich zu gelten“, so Loeb (…GreWi berichtete).

Der Umstand, dass die aktuelle Entdeckung am äußersten Ende des möglichen Beobachtungsspektrums gemacht wurde, lässt die Autoren derzeit aber noch vorsichtig sein, wenn es um die genaue Bestimmung des Objekts geht, das das Mikrolinsenereignis ausgelöst hat. So könne man derzeit auch nicht gänzlich ausschließen, dass das Signal nicht auch von starker Sonnenfleckenaktivität des Hintergrundsterns hervorgerufen wurde. „Allerdings sprechen die vorliegenden Beobachtungsdaten eher gegen Sternaktivität und für einen Planeten als Auslöser.“

Zukünftig hoffen Astronomen, mit dem “Nancy Grace Roman Space Telescope“ mit Hilfe von Mikrolinsenereignissen u.a. auch gezielt nach den auch als „Rogue Planets“ bezeichneten Einzelgänger-Planeten zu suchen (siehe folgendes Video).




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Quelle: ArXiv.org

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