Erdnaher Asteroid offenbart Lücken im irdischen Früherkennungs- und Warnsystem

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Orbitaldiagramm der Erdpassage des Asteroiden „2019 OK“ am 25. Juli 2019. Copyright: NASA / Via cneos.jpl.nasa.gov

Orbitaldiagramm der Erdpassage des Asteroiden „2019 OK“ am 25. Juli 2019.
Copyright: NASA / Via cneos.jpl.nasa.gov

Washington (USA) – Immer wieder beschwichtigen einige Astronomen, der Erde drohe derzeit keine Gefahr durch Einschläge großer Asteroiden oder Kometen. Tatsächlich wird einiges getan um potentiell bedrohliche Himmelskörper frühzeitig zu entdecken. In der Realität ist das aber gar nicht so einfach und das Früherkennung- und Warnsystem ist noch immer durchlässig. Wie durchlässig, das offenbaren nun veröffentlichte Dokumente zum Vorbeiflug eines fußballfeldgroßen Asteroiden Ende Juli.

Am 25. Juli 2019 entging die Erde nur um knappe 65.017 einem Zusammenstoß mit einem etwa fußballfeldgroßen Asteroiden. Zum Vergleich: Der Mond umkreist die Erde in einem Abstand von derzeit 384.400 Kilometern (s. Orbitaldiagramm). Der Asteroid passierte die Erde also in nur knapp einem Fünftel der Monddistanz – auch und gerade aus astronomischer Sicht, fast schon ein haarscharfer „Kratzer“.

Doch noch besorgniserregender als dieser Vorgang selbst ist der Umstand, dass dieser run 90 Meter große Erdbahnkreuzer gerade einmal 24 Stunden vor seinem Vorbeiflug überhaupt erst entdeckt wurde. Im Falle einer Kollision hätte „2019 OK“ eine Energie von mehreren Megatonnen freigesetzt.

Bislang interne NASA-Dokumente belegen nun, dass auch die NASA, die die internationalen Suchprogramme nach großen, erdnahen Objekten koordiniert, von dem Asteroiden kalt überrascht wurde.

Wie “BuzzFeed News” aktuell berichtet und aus den Papieren zitiert, offenbarte der Vorfall die noch immer in den internationalen Früherkennungsprogramm für der Erde potentiell bedrohliche Objekte klaffenden Lücken, sowie andauernde Probleme bei den Bemühungen, diese Lücken zu schließen.

„Wäre 2019 OK in die Erdatmosphäre eingedrungen und auf Land getroffen, hätte er lokale Zerstörungen in einem Umkreis von etwa 80 Kilometern angerichtet“, so eine spätere Einschätzung der NASA. Zum Vergleich: Die Nord-Süd-Ausdehnung von Berlin beträgt 38 Kilometer. Mit derartigen Ereignissen rechnen Astronomen bislang einmal alle 3.000 Jahre.

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Aus den internen, jetzt im Rahmen des US-Informationsfreiheitsgesetzes (Freedom of Information Act, FIOA) veröffentlichten NASA-Papieren geht die besorgniserregende Erkenntnis hervor, dass „die derzeitigen Möglichkeiten der Asteroiden-Suche noch nicht das eigentlich mögliche Niveau erreicht haben“. Das Objekt sei gleich durch mehrere Netzte unbemerkt hindurchgeschlüpft, gestand denn auch Paul Chodas vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in einer E-Mail an Kollegen zwei Tage nach dem Vorbeiflug des Asteroiden ein und fragt laut, „wie oft wir schon eine solche Situation hatten, ohne dass die entsprechenden Asteroiden überhaupt bemerkt wurden.“

Der Beinahe-Treffer eines von den Medien später als potentieller „City-Killer“ bezeichneten Asteroiden offenbare zugleich auch den langjährigen Kampf zwischen der NASA und dem US-Kongress um einen effektiven Weg der Asteroiden-Entdeckung. Während per Gesetz die Vorgabe gemacht wurde, 90 Prozent der potentiell gefährlichen Objekte zu finden, stehen den Astronomen bislang schlichtweg nicht die hierfür notwendigen Teleskope zur Verfügung, kritisierte die US National Academies of Sciences erst im vergangenen Juni.

Tatsächlich wurde „2019 OK“ schon Tage zuvor, am 21. Juli 2019, vom ATLAS-Teleskop der NASA geortet, doch war es zu dieser Zeit zu bewölkt, um das Objekt als erdnahen Asteroiden (Near Earth Asteroid) zu identifizieren. Auch das Pan-STARRS-Telescope hatte den Asteroiden bereits am 28. Juni und am 7. Juli im Visier, doch war er zu dieser Zeit noch zu lichtschwach, um den Alarm für potentiell erdnahe Asteroiden auszulösen.

Notwendig sei nun die schnellstmögliche Umsetzung von Weltraumteleskopen zur Suche nach erdnahen Asteroiden, wie sie keinen irdischen Störungen unterworfen sind, so der allgemeine, ebenfalls aus den Dokumenten hervorgehende Tenor der Forderungen von Astronomen. Diese könnten entsprechende Objekte teilweise schon Jahrzehnte vor deren Vorbeiflug entdecken und als solche identifizieren.

– Den vollständigen BuzzFeed-Artikel inkl. Der nun freigegebenen Dokumente finden Sie HIER

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