Erste Reaktionen auf den „Historischen Bericht“ der US-UFO-Untersuchungsbehörde AARO

Symbolbild: Titel des neuen AARO-Berichts „Report on the Historical Record of U.S. Government Involvement with Unidentified Anomalous Phenomena (UAP) Volume I“ vor dem einer Ansicht des Pentagon. Copyright: David B. Gleason via WikimediaCommons (Pentagon) / US Dept. of Defense/AARO
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Symbolbild: Titel des neuen AARO-Berichts „Report on the Historical Record of U.S. Government Involvement with Unidentified Anomalous Phenomena (UAP) Volume I“ vor dem einer Ansicht des Pentagon.Copyright: David B. Gleason via WikimediaCommons (Pentagon) / US Dept. of Defense/AARO

Symbolbild: Titel des neuen AARO-Berichts „Report on the Historical Record of U.S. Government Involvement with Unidentified Anomalous Phenomena (UAP) Volume I“ vor dem einer Ansicht des Pentagon.
Copyright: David B. Gleason via WikimediaCommons (Pentagon) / US Dept. of Defense/AARO

Washington (USA) – Am gestrigen Freitag hat die US-UFO-Untersuchungsbehörde AARO ihren lange erwarteten Bericht über „Historische Aufzeichnungen zur Beteiligung der US-Regierung an Untersuchungen von unidentifizierten anomalen Phänomenen (UAP)“ veröffentlicht. Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) hat erste Reaktionen auf die Aussagen des Reports zusammengetragen.

Die Kernaussagen des Berichts:
Trotz aller Bemühungen hat das „All-domain Anomlay Resolution Office“ (AARO) weder Beweise dafür gefunden, dass…

  • UFOs/UAP einer fremden oder gar außerirdischen Technologie zuzuschreiben sind oder die US-Regierung genau diese Beweise seit Jahrzehnten bewusst verheimlicht oder gar unterdrückt.
  • irgendein US-Regierungsprojekt mit UFO-Bezug (bspw. die Air-Force-Projekte „Sign“, „Grudge“, „Blue Book“, „AWSAP“ und „AATIP“) Beweise für eine außerirdische Herkunft und Quelle von UFO-Sichtungen gefunden hat.

Zwar gebe es zahlreiche bis heute ungelöste und unerklärte UFO-Sichtungen, doch sei davon auszugehen, dass sobald zu diesen Vorfällen genauere Informationen und Daten vorlägen, auch diese Sichtungen konventionell erklärt werden können.

Während der Report zwar anerkennt, dass es in der Vergangenheit weitere Untersuchungsprogramme zu UFOs und UAP gegeben habe, erklärt er zugleich, dass auch diese nichts mit der konkreten Bergung und Rückentwicklung nicht-menschlicher Technologien zu tun gehabt hätten, sondern sich im Ergebnis den bereits genannten Schlussfolgerungen anschließt, die dem AARO-Motto folgen: „Wenn man nur ausreichend Daten zu Verfügung hat und lange genug sucht, lassen sich vermutlich alle UFO-Sichtungen konventionell erklären. Der Rest sind aufgeblähte Verschwörungfanatsien.“

Zugleich erkennt der AARO-Bericht aber auch an, dass es weiterhin unidentifizierte Sichtungen unkonventionell erscheinender Objekte und Phänomene gibt, von denen sich einige Objekte jenseits der uns bekannten technologischen Fähigkeiten verhalten und wie sie auch und zunehmend von US-Militärs gesichtet und detektiert werden.

Mit diesen Schlussfolgerungen wiederspricht der „Report on the Historical Record of U.S. Government Involvement with Unidentified Anomalous Phenomena (UAP) Volume I” nicht nur den Aussagen zahlreicher Zeugen aus Regierung und Militär, sondern und nicht zuletzt auch den Behauptungen des „UFO-Whistleblowers“ David Grusch (dessen Aussagen und Vorwürfe vom Generalinspekteur der IS-Geheimdienste immerhin für derart belastbar und ernst eingestuft wurden, dass er ein weiteres Untersuchungs-Verfahren zuließ), sondern brüskiert und verunsichert auch zahlreiche hochrangige Zeugen und willige Whistleblower, die weiterhin hinter ihren Behauptungen zu geheimen UFO-Programmen stehen, wie sie demnach nicht vom aktuellen AARO-Bericht abgedeckt werden.

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Während UFO-Skeptiker wie etwa Steven Greenstreet oder Mick West den Bericht erwartungsgemäß regelrecht als den Ab- und Grabesgesang der UFO-Forschung und des UFO-Phänomens feiern, fallen die Reaktionen innerhalb der UFO-Forschungsgemeinde – nicht weniger erwartungsgemäß – deutlich kritischer aus…

Christopher Mellon war 20 Jahre lang in den US-Geheimdiensten tätig und diente unter anderem als Minderheitsdirektor des Senate Intelligence Committee (Minority Staff Director of the Senate Intelligence Committee) und als Ministerialdirektor für Verteidigung und Geheimdienste (Deputy Assistant Secretary of Defense for Intelligence). Im US-Senat war er als Berater des damaligen Senators William S. Cohen (R-ME) u. a. 1986 für Gesetzentwürfe für das “Special Operations Command“ mitverantwortlich. Mellon lehrte an der Gerogetown University, schrieb zahlreiche Fachartikel zur Öffentlichkeitspolitik und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter die „National Reconnaissance Office Gold Medal“, die „DIA Director’s Medal“ und den “Secretary of Defense Public Service Award“. Zudem diente er als Vorsitzender des Wissenschaftskommitees am Carnegie Museum of Natural History. Mellon erhielt seinen B.A. am Colby College und seinen M.A. an der Yale University. Seit seinem Ruhestand aus dem Bundesdienst ist Mellon als privater Anlageninvestor in Biotech und Informations-Technologie-Start-Ups.

Auf dem Kurznachrichtendienst „X“ schreibt Mellon:

„Dieser neue Bericht wird niemanden wirklich zufriedenstellen. Zunächst handelt es sich um einen Vorgang, bei dem das Verteidigungsministerium und die Geheimdienste sich selbst untersucht haben, ohne etwa der Unabhängigkeit von Inspektoren des Generalinspekteurs zu unterstehen. Offensichtlich besteht hier also ein erhebliches Potenzial für Interessenkonflikte.

Stellen Sie sich vor, ein kleines Büro im Verteidigungsministerium würde versuchen, die Iran-Contra-Affäre zu untersuchen. Der Kongress hat bei dieser Untersuchung eine großartige Arbeit geleistet. Wahrscheinlich wäre diese Angelegenheit damals bei einem Vertuschungsversuch geblieben, wenn die Exekutive versucht hätte, sich selbst zu untersuchen.

Darüber hinaus vertrauen viele bekannte Zeugen AARO nicht und wollten sich entsprechend auch nicht mit ihren Vertretern treffen. So hat mir zum Beispiel vor eineigen Jahren ein ehemaliger hochrangiger US-Regierungsbeamter nicht nur erzählt, dass die Gerüchte [um Bergungsprogramme nicht-menschlicher Technologien] real sind, sondern auch Details dazu vorgelegt, einschließlich des Namens des Schlüsselperson (gate keeper) der US-Luftwaffe. Dieser weigerte sich aber, mit AARO darüber zu sprechen, weil er behauptete, er vertraue dem Prozess nicht. Einige der Zeugen, die sich weigerten, sich mit AARO zu treffen, trafen sich jedoch hinter verschlossenen Türen mit Mitgliedern des Kongresses. Das ist der Grund, weshalb einige Kongressmitglieder das Thema so ernst nehmen.

Was mich auch besorgt, ist die falsche Vermischung in einigen Nachrichtenberichten der Aussage „es gibt keine rückentwickelte außerirdische Technologie“ mit der Vorstellung, dass ‚wir keine Beweise dafür haben, dass Fluggeräte Dinge tun, die unser gegenwärtiges Verständnis von Wissenschaft und Technologie überschreiten‘.

Wie wir wissen, bleiben Hunderte glaubwürdiger militärischer Berichte ungeklärt und weitere werden fortwährend gemeldet. Selbst Dr. Kirkpatrick räumt ein, dass es für den gut dokumentierten Fall Nimitz keine konventionelle Erklärung gibt, und Ryan Graves hat mir diese Woche nochmals erläutert, warum keine der vorgeschlagenen Erklärungsversuche für das Gimbal-Video Sinn ergibt. Es gibt auch den jüngsten Fall in Florida, in dem ein US-Luftwaffenjet [der Eglin Air Force Base] ein UAP verfolgte und Störungen an seinen Sensoren erlitt. Die Liste geht weiter und weiter. Zusammenfassend muss die Öffentlichkeit verstehen, dass es unerlässlich ist, die Untersuchungen zu UAP aggressiv fortzusetzen, sowohl aus Gründen der nationalen Sicherheit als auch aus wissenschaftlichen Gründen, unabhängig von den Fragen nach der Genauigkeit dieses [historischen] Berichts.“

Ebenfalls via „X“ schreibt Ryan Graves, ehemaliger F18-Kampfpilot, mit zwei Auslandseinsätzen (…während „Operation Enduring Freedom“ [Krieg gegen den Terrorismus in Afghanistan, am Horn von Afrika, auf den Philippinen und südlich der Sahara, 2001] und „Operation Inherent Resolve“ [militärische Interventionen der USA gegen die Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien, seit 2014]), selbst UFO-Zeuge im Einsatz und Gründer der zivilen US-Piloten-UFO-Forschungsorganisation „Americans for Safe Aerospace“ (ASA):

„Als ehemaliger Navy-Kampfpilot, der mit anderen UAP-Zeugen zusammenarbeitet, bin ich von dem Bericht des Pentagons sehr entmutigt und enttäuscht. Wieder einmal zeigt das Pentagon, dass es mehr daran interessiert ist, Zeugen und Whistleblower abzutun, als tatsächlich anomale Objekte und Phänomene in unserem Luftraum zu identifizieren.

Letztendlich wirft dieser Bericht mehr Fragen auf als er beantwortet.

Hier sind die Fakten:
Im eigentlichen Bericht gibt das Pentagon erneut zu, dass es anomale Objekte in unserem Luftraum gibt, die beunruhigende Leistungsmerkmale zeigen. Beispielsweise bleiben die „UFO-Videos“ – das Ereignis von 2004 auf der USS Nimitz, die Videos „Gimbal“ und „GoFast“ von 2015, die von einem ganzen Geschwader erlebt wurden – vollständig unerklärt, und das Pentagon hat keine neuen Informationen zu diesem Rätsel.

Das Pentagon kann nicht feststellen, ob diese fortgeschrittenen UAP aus dem Ausland stammen, und das, obwohl selbst der ehemalige AARO-Direktor fortgeschrittene UAP als „potenzielle nationale Sicherheitskrise“ bezeichnet.

Das Pentagon weist in diesem Bericht UAP-Fälle ohne Beweise zurück, während es zuvor gesagt hat, dass ihnen die Ressourcen oder die entsprechenden Befugnisse fehlen, um angemessen zu untersuchen.

Deshalb hier meine Fragen:

Warum versucht das Pentagon, Fälle abzutun, die es nicht erklären kann?

Wenn gemeldete Fälle von UAP völlig harmlos sind, warum setzt AARO gerade jetzt

fortgeschrittene hyperspektrale Sensoren auf Militärbasen und Übungsgeländen ein?

Ist das Pentagon überhaupt die richtige Behörde, um Whistleblower-Ansprüche zu untersuchen, oder sollten der Kongress oder das Justizministerium eine stärkere Rolle übernehmen, um Unparteilichkeit und Gerechtigkeit sicherzustellen?

Anstatt das 80 Jahre alte UAP-Rätsel direkt anzugehen, hat das Pentagon es geschafft, die Öffentlichkeit weiterhin in die Irre zu führen, Militärpiloten und Whistleblower davon abzuschrecken, an die Öffentlichkeit zu treten, und das Stigma um dieses Thema aufrechtzuerhalten.“

In seinen Kommentaren gegenüber dem US-Nachrichtensender „NewsNation“ fasst auch der australische Journalist Ross Coulthart, durch dessen investigative Arbeit die Aussagen des „UFO-Whistleblowers“ David Grusch vornehmlich bekannt wurden, seine Einschätzung und Kritik am neuen AARO-Berichts wie folgt zusammen und wiederspricht darin ganz konkret den Kernaussagen des Berichts:

:

Zudem weist Coulthart (ebenfalls via „X“) auf den Umstand hin, dass nun entweder das Pentagon und das AARO lügen, oder aber Personen wie „UFO-Whistleblower“ David Grusch, der schließlich unter Eid vor dem US-Kongress ausgesagt hatte.

„Wenn das Verteidigungsministerium nun also [wie im aktuellen Report geschehen] erklärt, dass David Grusch den Kongress unter Eid bezüglich geheimer Bergungs- und Rückentwicklungsprogrammen zu nicht-menschlichen UAP getäuscht hat, so sollte man ihn wegen Meineides anklagen und ihn seine Zeugen benennen lassen. Dann wird man sehen, wer lügt. Und denken Sie in diesem Zusammenhang aber auch an folgendes: Gemäß der Direktive des US-Präsidenten Nr. 12333 ist es ein Verstoß, wenn die Geheimdienste verdeckte Medienbeeinflussungsoperationen gegen US-Bürger durchführen.“

Der ehemalige US-Konteradmiral Tim Gallaudet stimmt hingegen der Bewertung des AARO-Reports durch den Harvard-Astronomieprofessor Avi Loeb zu und schreibt (ebenfalls auf „X“):

„Ich stimme Avi Loeb’s Einschätzung des neuesten Berichts des DOD/AARO zu, wenn dieser kommentiert: ‚Ein Teil des Problems ist, dass AARO nicht viele Wissenschaftler hat, daher könnte ihre Bewertung oberflächlich sein. Es ist einfach, Fälle aufgrund mangelnder Daten und wissenschaftlicher Inkompetenz zu ‚lösen‘.“

Zuvor hatte Galluadet mit seinen eigenen Aussagen für Aufsehen gesorgt, als er in einem Interview erklärte: „Wir werden von nicht-menschlichen Intelligenzen besucht, verstehen aber weder ihre Technologien noch ihre Absichten“. Auch er bestätigte: „Was wir derzeit vor uns haben, sind langjährige klassifizierte Spezialprogramme jenseits der Aufsicht des US-Kongresses und auf der anderen Seite die offizielle Politik. Das wird sich so nicht wirklich ändern.“ (…GreWi berichtete)

Tatsächlich behält sich aber selbst das AARO eine Hintertür für den Fall offen, dass bis zur Veröffentlichung des zweiten Teils “überprüfbare zusätzliche Informationen, die die hiesigen Schlussfolgerungen verändern könnten“. Dann, so der veröffentlichte historische Bericht, werde man diese Information im zweiten Band (Volume II) nachliefern und anmerken…

…GreWi wird berichten.

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