Erstmals alle Zutaten des Lebens im Innern von Ceres-Meteoriten entdeckt

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Ein blauer Kristall aus dem Innern eines Meteoriten, der 1998 in Marokko niederging. In seinem Innern fanden Wissenschaftler jetzt erstmals komplexe organische Verbindungen gemeinsam mit Spuren flüssigen Wassers.

Copyright/Quelle: Queenie Chan/The Open University, UK

London (Großbritannien) – In zwei Meteoriten, die – unabhängig voneinander – 1998 zur Erde fielen und aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter stammen, haben Wissenschaftler erstmals neben einer Vielzahl der für das Leben auf der Erde notwendigen komplexen organischen Verbindungen auch flüssiges Wasser nachgewiesen. Mit der Entdeckung erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben schon in unserem eigenen Sonnensystem, so das internationale Forscherteam. Als Ursprung der Meteoriten vermuten die Wissenschaftler den Zwergplaneten Ceres.

Wie die Wissenschaftler um Queenie Chan von der Londoner The Open University und David Kilcoyne vom Berkeley National Laboratory aktuell im Fachjournal “Science Advances” (DOI: 10.1126/sciadv.aao3521) berichten, fanden sich die Bausteine des Leben im Innern kleiner blauer und violetter Salz-Kristalle im Innern der beiden Meteoriten. Die Untersuchungen offenbarten mit dem Zwergplaneten bzw. größten Körper im Asteroidengürtel Ceres und dem Asteroiden Hebe auch die wahrscheinlichste Herkunft der beiden Meteoriten.

Die Entdeckung nahezu aller für das irdische Leben notwendigen Zutaten in den Meteoriten offenbare “faszinierende Möglichkeiten für die Existenz außerirdischen Lebens in direkter Nachbarschaft zur Erde”, so Kilcoyne. “Diese Entdeckung ist wie eine Fliege im Bernstein.”

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Zu den in den Meteoriten entdeckten chemischen Komponenten gehören neben Kohlenwasserstoffen und Aminosäuren, Kohlenstoff, Sauerstoff und Stickstoff. “Dass wir diese Komponenten gemeinsam mit flüssigem Wasser im Innern von Meteoriten aus dem Asteroidengürtel finden, ist zwar noch kein Beweis für außerirdisches Leben, aber dennoch schon von grundlegender Bedeutung für die Frage nach der Herkunft des Lebens und komplexer Verbindungen im All”, kommentiert Chan und fügt erläuternd hinzu: “Wir haben hier jene Zutaten vor uns, die zur Entstehung von Leben führen können, hinzu auch noch Aminosäuren, aus denen die Proteine bestehen.”

Sollte Leben in irgendeiner Form schon im frühen Sonnensystem existiert haben, so erhöhe die aktuell beschriebene Entdeckung zudem die “Wahrscheinlichkeit, dass auch Lebensformen und/oder zumindest Biomoleküle” im in Innern von Meteoriten eingeschlossenen Salzkristallen gefunden werden könnten”. Zumindest die mikroskopischen Spuren flüssigen Wassers datieren die Autoren der aktuellen Studie auf ein Alter von rund 4,5 Milliarden Jahre und damit ganz in die Nähe der Geburt unseres Sonnensystems.

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Stammen die Zutaten des irdischen Lebens vom Zwergplaneten Ceres, hier gezeigt in einer Falschfarbendarstellung mit Blick auf den zentralen Occator-Krater?

Copyright: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Die Ähnlichkeit der in den beiden Meteoriten gefundenen Kristalle, die zum einen im März 1998 in Texas und zum anderen im August des gleichen Jahres in Marokko niedergegangen waren, lege nahe, dass sich die Umlaufbahnen ihre Mutterkörper einst gekreuzt und sie dabei Material ausgetauscht haben. Hierfür finden sich auch in den untersuchten Meteoriten direkte Impakt-Hinweise.

Auf diese Weise könnten organische Materialien von einem Mutterkörper auf den anderen und Schlussendlich auch zur Erde gelangt sein. Als mögliche Quelle der organischen Chemie diskutieren die Autoren der Studie Eisvulkane auf Ceres: “Alles deutet daraufhin, dass der Ursprung des Lebens überall sein könnte”, so Chan. “Es gibt eine große Bandbreite organischer Komponenten im Innern dieser Meteoriten, darunter auch sehr primitive Arten von organischen Materialien, wie sie wahrscheinlich die organische Zusammensetzung des sehr frühen Sonnensystems abbilden.”

Schon jetzt haben die Forscher ein Auge auf weitere Meteoriten geworfen, wie sie zwar schon länger an unterschiedlichen Institutionen aufbewahrt werden, bislang aber noch nicht in vergleichbarer Weise analysiert wurden.

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