Erstmals mögliche Radioemissionen eines Exoplaneten entdeckt

Künstlerische Darstellung des planetaren Magnetfeldes eines großen Gasplaneten im System um Tau Bootes (Illu.). Copyright: Jack Madden/Cornell University
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Künstlerische Darstellung des planetaren Magnetfeldes eines großen Gasplaneten im System um Tau Bootes (Illu.). Copyright: Jack Madden/Cornell University

Künstlerische Darstellung des planetaren Magnetfeldes eines großen Gasplaneten im System um Tau Bootes (Illu.).
Copyright: Jack Madden/Cornell University

Ithaca (USA) – Ein internationals Astronomenteam hat Radioausbrüche aus der Konstellation Bootes detektiert und glaubt, dass es sich um die ersten Radioemissionen handelt, die von einem Planeten außerhalb unseres Sonnensystems stammen und vermutlich von dessen Magnetfeld erzeugt werden.

Wie das Team um Jake D. Turner von der Cornell University, Philippe Zarka vom Observatoire de Paris und Jean-Mathias Griessmeier von der Université d’Orléans aktuell im Fachjournal „Astronomy & Astrophysics“ (DOI: 10.1051/0004-6361/201937201) berichtet, deuten die Signalstärke, Polarisation des Signals und die Feldstärke daraufhin, dass das Signal von einem Exoplaneten stammt, der die beiden Sterne des 51 Lichtjahre von der Erde entfernten Doppelsternsystems Tau Bootes umkreist. Bestätigt werden die Beobachtungen zudem durch die Ergebnisse theoretischer Vorhersagen auf der Grundlage ihrer früheren Vermessungen der Radioemissionssignaturen des Jupiters.

Sollten sich die Annahmen anhand weiterer Beobachtungen bestätigen, so würde dies ein neues Fenster für die Suche und Erforschung von Exoplaneten – also Planeten, die einen anderen Stern als unsere Sonne umkreisen – eröffnen.

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Ihre Beobachtungen machten die Astronomen und Astronominnen mithilfe der “Low Frequency Array”-Radioteleskopantennenanlage (LOFAR). Damit entdeckten die Forschenden Radioausbrüche aus dem System, in dem bereits ein „heißer Jupiter“, also ein sternnaher großer Gasplanet, bekannt ist.

Neben Tau Bootes haben die Astronominnen und Astronomen auch weitere Kandidaten für exoplanetare Radioemissionen entdeckt, darunter das System um „55 Cancri“ im Sternbild Krebs und Ypsilon Andromedae (Titawin). Allerdings fanden sie bislang alleine im Tau-Bootes-System signifikante Radiosignaturen, die auf das Magnetfeld eines Planeten hindeuten.

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Anhand der Beobachtung von Radiosignalen aus dem Magnetfeld eines Exoplaneten können Planetenwissenschaftler auch auf das Innere des Planeten und die Eigenschaften seiner Atmosphäre rückschließen.

Hintergrund
Das Magnetfeld der Erde schützt unseren Planeten vor der schädlichen Strahlung des Sonnenwindes, hält die Erde dadurch lebensfreundlich und schützt vor dem Hinfortreißen der Atmosphäre. Ähnliche Beiträge zur Lebensfreundlichkeit dürften Magnetfelder entsprechend auch auf Planeten um ferne Sterne leisten.

Da die in Tau Bootes gefundene Signatur vergleichsweise schwach ist, sind sich die Astronomen noch nicht ganz sicher, dass die Signale tatsächlich von einem Planeten stammen und haben deshalb bereits mit weiteren Beobachtungen des Systems begonnen.




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Quelle: Cornell University

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