ESA und Roscosmos verschieben Start der Rover-Mission „ExoMars“ um 2 Jahre

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Künstlerische Darstellung des Mars-Rovers „Rosalind Franklin“ der europäisch-russischen Mission „ExoMars“, der 2021 auf dem Roten Planeten eintreffen soll (Illu.). Copyright: ESA/ATG Medialab)

Künstlerische Darstellung des Mars-Rovers „Rosalind Franklin“ der europäisch-russischen Mission „ExoMars“ (Illu.).
Copyright: ESA/ATG Medialab)

Paris (Frankreich) – Die Europäische Weltraumorganisation „ESA“ und die „Roscosmos Space Corporation“ haben beschlossen, den Start des zweiten Teils ihrer gemeinsamen Mission “ExoMars” zur Erforschung des Roten Planeten um zwei weitere Jahre auf 2022 zu verschieben.

Das gemeinsame ESA-Roscosmos-Projektteam bewertete alle Aktivitäten, die für eine Startgenehmigung zum ursprünglich anvisierten Termin im Sommer 2020 erforderlich sind, um die Risiken und den Zeitplan zu analysieren. „Unter gebührender Berücksichtigung der Empfehlungen der europäischen und russischen Generalinspektoren sind die ExoMars-Experten zu dem Schluss gekommen, dass Tests, die erforderlich sind, um alle Komponenten des Raumfahrzeugs für das Mars-Abenteuer fit zu machen, mehr Zeit benötigen“, erklärt die ESA in einem Statement.

Das Hauptziel der Mission ist es festzustellen, ob es jemals Leben auf dem Mars gegeben hat, und die Geschichte des Wassers auf dem Planeten besser zu verstehen. Der auf den Namen „Rosalind Franklin“ getaufte ExoMars-Rover enthält hierzu einen Bohrer für den Zugang zum Marsuntergrund sowie ein Miniatur-Labor zur Suche nach Spuren einstigen oder gar heute noch aktiven Lebens.

Hintergrund
Das ExoMars-Programm ist ein gemeinsames Unterfangen der Roscosmos State Corporation und der ESA. Neben der Mission 2022 umfasst sie auch den 2016 gestarteten „Trace Gas Orbiter“. Der TGO liefert bereits wichtige wissenschaftliche Ergebnisse, die mit ihren eigenen russischen und europäischen wissenschaftlichen Instrumenten erzielt wurden, und leitet Daten vom NASA „Curiosity“ Mars-Rover und „InSight“-Landeeinheit weiter. Das Modul leitet auch die Daten der ExoMars 2022-Mission weiter, sobald es auf dem Mars ankommt.

Im Rahmen eines speziellen Treffens waren sich die ESA- und Roscosmos-Leiter Jan Wörner und Dmitry Rogozin einig, dass weitere Tests des Raumfahrzeugs mit der endgültigen Hardware und Software erforderlich seien. Darüber hinaus mussten die Parteien anerkennen, dass die letzte Phase der ExoMars-Aktivitäten durch die allgemeine Verschärfung der epidemiologischen Situation in europäischen Ländern beeinträchtigt wird.

“Wir haben eine schwierige, aber gut abgewogene Entscheidung getroffen, den Start auf 2022 zu verschieben“, erläutert Roscosmos-Direktor General Dmitry Rogozin. „Dies beruht in erster Linie auf der Notwendigkeit, die Robustheit aller ExoMars-Systeme zu maximieren sowie auf Umstände höherer Gewalt im Zusammenhang mit der Verschärfung der epidemiologischen Situation in Europa mit einzubeziehen. Unsere Experten haben praktisch keine Möglichkeit, Reisen in Partnerindustrien fortzusetzen. Ich bin zuversichtlich, dass die Schritte, die wir und unsere europäischen Kollegen unternehmen, um den Missionserfolg sicherzustellen, gerechtfertigt sind und zweifellos nur positive Ergebnisse für die Missionsumsetzung bringen werden.“ „Wir möchten uns zu 100% einer erfolgreichen Mission sicher sein. Wir können uns keine Fehlerquote erlauben. Weitere Überprüfungsaktivitäten gewährleisten eine sichere Reise und die besten wissenschaftlichen Ergebnisse auf dem Mars”, fügte ESA-Generaldirektor Jan Wörner hinzu.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Der neue Zeitplan sieht nun einen Start zwischen August und Oktober 2022 vor. Die Himmelsmechanik definiert, dass alle zwei Jahre nur relativ kurze Startfenster (jeweils 10 Tage) existieren, in denen der Mars von der Erde aus in maximal geringer Zeit erreicht werden kann.

Mit dem ExoMars-Rover wollen die europäischen und russischen Wissenschaftler erstmals in Tiefen von bis zu zwei Metern unter der Marsoberfläche nach Lebenszeichen suchen – dort also, wo biologische Lebenszeichen einzigartig gut erhalten bleiben könnten.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Thiophene: Weitere mögliche Signatur einstigen Lebens auf dem Mars 5. März 2020
Leben auf dem Mars? Mikroorganismen könnten Mars-Methan erklären 29. Januar 2020
Neues Mars-Rätsel: Rover ortet auch jahreszeitliche Sauerstoff-Schwankungen auf dem Mars 15. November 2019
Mars-Methan-Konzentration genau gemessen – schwankt zwischen Tag und Nacht 21. August 2019
Mikroben hinterlassen “Fingerabdrücke” auf künstlichem Mars-Gestein 18 Oktober 2017

Quelle: ESA

© grenzwissenschaft-aktuell.de