Zebrafinken zeigen den evolutionären Sinn der Liebe

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Zebrafinken-Liebespaar beim Schnäbeln.

Copyright: MPI f. Ornithologie

Seewiesen (Deutschland) – Aus evolutionärer Sicht betrachtet, macht die monogam geprägten Liebe zunächst wenig Sinn – widerspricht sie doch scheinbar der möglichst weiten Weitergabe des eigenen Erbguts. In einer aktuellen Studie können Vogelforscher nun jedoch zeigen, dass Vögel mehr Nachkommen haben, wenn sie ihren Lebenspartner frei wählen können.

In mindestens einer Hinsicht haben Zebrafinken mit uns Menschen vieles gemeinsam: Sie sind bei der Partnerwahl in der Regel sehr wählerisch und brauchen lange, um sich einen Partner wirklich auch zum monogamen Lebenspartner auszuwählen: “Für Zebrafinken ist das weniger eine Frage der Gene, sondern des Verhaltens”, erläutern Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie.

In ihrer aktuell im Fachjournal “PLoS Biology” (DOI: 10.1371/journal.pbio.1002248) veröffentlichten Studie berichten die Malika Ihle, Bart Kempenaers und Wolfgang Forstmeier, dass Zebrafinken, die ihren Partner selbst wählen, mehr Nachkommen haben als Vögel, deren Paarbeziehung erzwungen wurde: “Erzwungene Partnerschaften gehen häufiger mit unbefruchteten Eiern einher, außerdem sterben mehr ihrer Nachkommen.”

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“Ein idealer Partner gibt seinen Nachkommen gutes genetisches Material mit auf den Weg, oder aber erhöht durch sein Verhalten die Anzahl und Überlebensfähigkeit seiner Jungen. Dabei stimmen aber innerhalb einer Art längst nicht alle überein, wer der attraktivste Partner ist. Vielmehr gibt es oft sehr individuelle Vorlieben. Dies könnte bedeuten, dass die Partner mit ihren Genen oder ihrem Verhalten zu einander passen müssen. Bislang ist noch weitgehend unbekannt, welche Folgen es hat, wenn eine individuelle Partnerwahl unterdrückt wird.”

In ihrer Studie haben die Forscher Kosten und Nutzen der individuellen Liebe bei den Vögeln analysiert. Hierzu ließen sie Zebrafinken-Singles zunächst ihren bevorzugten Partner selbst aussuchen. Damit schlossen sie Tiere aus, mit denen sich niemand verpaaren wollte. Danach trennten sie die Hälfte der selbstgewählten Paare wieder und brachte sie mit einem bevorzugten Partner eines anderen Vogels zusammen. Dann hielten die Forscher die frisch verpaarten Tiere einige Zeit zu zweit. “In dieser Zeit verfestigte sich die Paarbeziehung – auch die der Partner, die sich nicht gegenseitig ausgewählt hatten.” Zurück in der Kolonie trennten sich zwar erzwungene Paare häufiger wieder als freiwillig verpaarte Tiere, aber meistens blieben auch sie ein Leben lang zusammen.

Während sich die der Anzahl der gelegten Eier der Paare nicht voneinander unterschieden, verschwanden in den Nestern der zwangsverpaarten Vögel jedoch mehr Eier oder waren unbefruchtet. Zudem starben mehr Küken nach dem Schlüpfen – die meisten innerhalb der ersten 48 Stunden. “In dieser Zeit hat der Vater die meiste Verantwortung für das Nest”, erläutern die Forscher. Während die Sterblichkeit von Embryonen im Ei von den Genen abhänge, bestimme die Fürsorge der Eltern das Überleben von Küken nach dem Schlupf. “Männchen in erzwungenen Partnerschaften schenkten den Jungen in dieser entscheidenden Zeit weniger Aufmerksamkeit.”

Sozial monogame Tiere müssen in ihrem Verhalten zueinander also passen, damit sie sich gegenseitig motivieren können und die Aufgaben miteinander koordinieren und teilen können“, so die Forscher.

Doch wie äußert es sich, wenn ein Paar im Verhalten nicht zueinander passt? Die Wissenschaftler beobachteten die Paare über 1700 Stunden lang und stellten fest, dass sich die Männchen in der Balz nicht unterschieden. “Die Weibchen mit einem zugewiesenen Partner waren dagegen weniger paarungsfreudig. Freiwillige Paare verhielten sich darüber hinaus harmonischer: Beim gegenseitigen Kraulen und einander Folgen verhielten sie sich synchroner, saßen näher beieinander und turtelten weniger mit Fremden als erzwungene Paare.”

Zebrafinken, die den passenden Partner fürs Leben gefunden haben, bekommen also mehr Nachwuchs und haben damit eine höhere biologische Fitness, so die Schlussfolgerung der Ornithologen.

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