Exotica: SETI-Initiative “Breakthrough Listen” veröffentlicht Liste potentiell exotischer Objekte

Symbolbild: Breakthrough Listen (Illu.). Copyright: Breakthrough Listen
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Symbolbild: Breakthrough Listen (Illu.). Copyright: Breakthrough Listen

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Copyright: Breakthrough Listen

San Francisco (USA) – Seit 2015 sucht die SETI-Initiative „Breakthrough Listen“ nach Hinweisen und Anzeichen außerirdischer Intelligenz. Jetzt haben die Astronomen erstmals einen Katalog mit mehr als 700 sogenannten „Exotica“ veröffentlicht – eine umfangreiche Liste von Objekten, die Astronomen bei der Suche bei der Suche nach sogenannten Technologie-Signaturen ferner Zivilisationen helfen und von Interesse sein könnten.

Wie die von Yuri Milner einst gemeinsam mit Steven Hawking und weiteren Astronomen gegründete „Breakthrough Initiative“ aktuell berichtet, handelt es sich um eine Sammlung von über 700 verschiedenen potentiell interessante Objekten als Ziele weiterer Beobachtungen und Untersuchungen. Dabei soll der Katalog das gesamt Spektrum astronomischer und astrophysikalischer Objekte und Phänomene abdecken.

Während die Such nach Signalen oder Hinweisen außerirdischer Intelligenz mit der „Breakthrough Initiative“ in den vergangenen Jahren massiv intensiviert, kombiniert und weltweit koordiniert werden konnte, wurde dennoch bislang noch keine eindeutige, geschwiege denn als solche bestätigte „Technosignatur“ gefunden.

Während eine Erklärung für diesen Zustand jene sein könnte, dass wir schlichtweg alleine im Universum sind, geben die Listen-Wissenschaftler die gewaltige Ausdehnung unseres Kosmos sowie die damit einhergehende Wahrscheinlichkeit zu bedenken, dass wir schlichtweg einfach noch nicht genau genug, zur richtigen Zeit am richtigen Ort nach der richtigen Sache gesucht haben.

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Mit dem nun vorgestellten „Exotica-Katalog“ stellt die „Breakthrough Listen“-Initiative das Kernstück ihrer Bemühungen dar, die Auswahl an potentiellen Zielen für die Such nach Spuren außerirdischer Intelligenz zu erweitern.

Wie die Breakthrough-Astronomen berichten, sei das entscheidende Prinzip dahinter das Konzept der „Vermessungsbreite“ – also die Ausweitung der Vielfalt der während eines Programms beobachteten Objekte. „Der Katalog soll Astronomen dabei helfen, das Spektrum potenzieller Lebensräume für außerirdische Intelligenz zu bestimmen und zugleich vermeiden, dass Phänomene, die allgemein als natürlich angesehen werden, in Wirklichkeit vielleicht doch künstlich sind und somit übersehen werden können. Umgekehrt kann der Katalog dabei helfen, natürliche Ereignisse oder verwirrende Daten wie Interferenzen identifizieren, die jenen Arten von künstlichen Signalen gleichen, nach denen SETI-Forscher suchen.“

Der Exotica-Katalog enthält vier Objektkategorien:

1) Prototypen: Eine Liste mit mindestens einem Beispiel für jede bekannte Art von Himmelsobjekt (abgesehen von solchen, die zu kurzfristig sind, um realistische Beobachtungsziele darzustellen): Planeten und Monde, Sterne zu jedem Zeitpunkt ihres Lebenszyklus, große und kleine Galaxien, ruhige Sternhaufen, lodernde Quasare und vieles mehr.

2) Superlative: Objekte mit extremsten Eigenschaften. Dazu gehören Beispiele wie der heißeste Planet, Sterne mit ungewöhnlich hohem oder niedrigem Metallgehalt, der am weitesten entfernte Quasar und der am schnellsten drehende Pulsar sowie die dichteste Galaxie.

3) Anomalien: rätselhafte Ziele, deren Verhalten derzeit nicht zufriedenstellend erklärt wird. Zum Beispiel der berühmte “Tabby’s Star” (KIC 8462852) mit seinem bizarren Dimmverhalten; ’Oumuamua – das interstellare Objekt, das 2017 vom außerhalb des Sonnensystems kommend, das innere Sonnensystem durchflog ; ungeklärte optische Impulse, die nur Nanosekunden dauern; und Sterne mit überschüssiger Infrarotstrahlung, die möglicherweise als Abwärme von fremden Megastrukturen erklärt werden könnten.

4) Eine Kontrollprobe von Quellen, von denen nicht erwartet wird, dass sie positive Ergebnisse für die SETI liefern.

Begleitend zum Katalog gibt es eine ausführliche Diskussion der Klassifizierung von Objekten und eines neuen Klassifizierungssystems für Anomalien, sowie Pläne für bevorstehende und mögliche Beobachtungen auf der Grundlage dieser Arbeit.

“Breakthrough Listen hat die Breite und Tiefe seiner Suche bereits erheblich erweitert”, erklärt Milner zum Exotica-Katalog. “Die Veröffentlichung dieses Katalogs ist ein neuer und wichtiger Schritt für das Programm.”

“Wenn es um die Suche nach intelligentem Leben geht, ist es wichtig, offen zu sein”, fügt S. Pete Worden, Executive Director der Breakthrough Initiative hinzu. „Bis wir mehr über die Formen einer anderen Zivilisation und ihrer Technologie wissen, sollten wir alle plausiblen Ziele untersuchen. Ihre Katalogisierung ist der erste Schritt in Richtung dieses Ziels.“

Dr. Andrew Siemion, Leiter des Breakthrough-Listen-Wissenschaftsteams vom SETI Research Center (BSRC) an der University of California in Berkeley fugt hinzu: „Die bisherige Suche nach Technosignaturen hat sich weitgehend auf die Suche nach ‚Leben wie wir es kennen‘ konzentriert: Nahe Sterne – insbesondere solche, von denen bekannt ist, dass sie Planeten mit dem Potenzial für flüssiges Wasser auf ihren Oberflächen beherbergen. Die erweiterten Suchfunktionen, die ‚Breakthrough Listen‘ ermöglicht hat, ermöglichen es uns, ein viel breiteres Spektrum möglicher technologieintensiver Umgebungen zu berücksichtigen.“

“Viele Entdeckungen in der Astronomie waren nicht geplant”, bemerkt der Hauptautor des die Veröffentlichung des Katalogs begleitenden Fachartikels, Dr. Brian Lacki und führt dazu weiter aus: „Manchmal wurde eine wichtige Neuentdeckung übersehen, weil niemand an der richtigen Stelle suchte, weil man glaubte, dass dort nichts gefunden werden könne. Dies geschah so mit Exoplaneten, die möglicherweise schon vor den 1990er Jahren entdeckt hätten entdeckt werden können. Suchen wir an den falschen Stellen nach Technosignaturen? Der Exotica-Katalog hilft uns bei der Beantwortung dieser Frage.“

– Den „Exotica-Katalog“ finden Sie HIER

– Den begleitenden Fachartikel finden Sie HIER

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Quelle: Breakthrough Initiative

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