Forscher wollen den Mars gezielt mit irdischen Mikroben “infizieren”

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Blick auf die Marsoberfläche. Copyright: NASA/JPL-Caltech/MSSS

Blick auf die Marsoberfläche.
Copyright: NASA/JPL-Caltech/MSSS

Davie (USA) – Ging es bei der Ausstattung bisheriger Missionen zum Mars unter anderem auch darum, die technische Ausrüstung so keimfrei wie nur irgend möglich zum Mars zu bringen, um so eine Kontamination möglichen Marslebens zu verhindern, schlagen US-Forscher nun vor, den Mars ganz gezielt mit ausgewählten irdischen Mikroben regelrecht zu infizieren. Dies sei der erste Schritt einer Erschaffung einer für uns Menschen lebensfreundlichen Marsoberfläche.

Wie das Team um Professor Jose Lopez von der Nova Southeastern University aktuell im Fachjournal “FEMS Microbiology Ecology” (DOI: 10.1093/femsec/fiz127) erläutert, sollten die ersten irdischen Kolonialisten keine Menschen, sondern Mikroorganismen sein – Bakterien, Viren und Pilze, die schon auf der Erde die Grundlage unzähliger Lebensprozesse bilden. Hierbei handele es sich um einen „rationalen und systematischen Ansatz einer zukünftigen Kolonialisierung des Mars und anderer Planeten“ durch den Menschen, der sich von den bisherigen romantischen Vorstellungen einer Marsbesiedlung a la Hollywood des Planeten unterscheide, so die Forscher und Forscherinnen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Gemeinsam mit Raquel Peixoto und Alexandre Rosado von der Federal University of Rio de Janeiro erläutert Lopez, dass Mikroben “eine bessere unmittelbare Investition für eine erfolgreiche Marskolonialisierung“ wären, als bisherige Pläne: „Leben, wie wir es kennen, kann nicht ohne Mikroorganismen existieren. Auf unserem Planeten helfen Mikroorganismen symbiotische Verbindungen zu definieren – also das Leben unterschiedlicher Organismen mit- und voneinander – um so ein Ganzes zu bilden. Um auf einem kahlen und sterilen Planeten zu überleben, brauchen wir Menschen nützliche Mikroben. Ein solches Unterfangen benötigt aber selbst Zeit, um genau herauszufinden, welche Mikroben dies sein sollten. Eile ist auch hier kein guter Ratgeber.“

Aus diesem Grund fordern Lopez und Kollegen eine umfassende Erforschung der hierfür notwendigen und nützlichen Mikroben, wie sie sogar allen derzeitigen und mittelfristigen Bemühungen bemannter Missionen zum Mars und zu anderen Zielen im Sonnensystem vorangestellt werden sollten. Schließlich könnten Mikroben die Grundlage für die Erschaffung lebensfreundlicher Bedingungen auf fernen Welten – sogenanntes Terraforming – bilden. Um genau herauszufinden, welche Mikroben hierfür notwendig sind, benötige man aber zunächst noch weitere Forschung hier auf der Erde.

Zum Thema

Ihr Modell bezeichnen Wissenschaftler als “Proactive Inoculation Plan”. Diese “proactive Infektion“ bedürfe zuvor aber einer intensiven Untersuchung potentieller, gegenüber dem derzeitigen Marsklima widerstandsfähiger mikrobischer Kandidaten, giftiger oder gar tödlicher Gene und der exakten Beschreibung der Mechanismen der produktivsten Symbiosen.

„Auch das Leben auf der Erde begann mit relativ einfachen Mikroorgansimen, die die Fähigkeit besaßen, sich an extreme Bedingungen anzupassen und sich darin zu entwickeln. Auf diese Weise wurden die ersten irdischen Lebensräume definiert“, so Lopez. „So waren es beispielsweise Cyanobakterien, die vor rund zwei Milliarden Jahren den größten Anteil jenes Sauerstoffs lieferten, den wir heute Atmen. Um die besten Kandidaten für eine Kolonialisierung des Mars mit Leben zu finden, sollten Mikrobiologen hier auf der Erde zunächst nach den hierfür optimalen Arten gezielt forschen.“

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Zu wenig Kohlendioxid für Terraforming des Mars 2. August 2018
Gekaperter Asteroid soll Mars-Region durch neuen See lebensfreundlich schlagen 4. Mai 2017
Künstliches planetares Magnetfeld soll den Mars wieder lebensfreundlich machen 7. März 2017
Terraforming: Tesla-Gründer Elon Musk erwägt Atombombenbeschuss des Mars 14. September 2015
Künstliche Sonnen: Elon Musk erläutert nukleare Mars-Vision 6. Oktober 2015

Quelle: Nova Southeastern University

© grenzwissenschaft-aktuell.de