Fund in Griechenland: Homo sapiens verließ Afrika 150.000 Jahre früher als bislang gedacht

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Der „Apidima 1“-Schädel (rechts) und seine Rekonstruktion von hinten (Mitte) und in linker Seitenansicht (links). Die runde Form ist ein Merkmal des modernen Menschen und hebt sich deutlich von Neandertaler-Schädeln ab. Copyright: Katerina Harvati, Universität Tübingen

Der „Apidima 1“-Schädel (rechts) und seine Rekonstruktion von hinten (Mitte) und in linker Seitenansicht (links). Die runde Form ist ein Merkmal des modernen Menschen und hebt sich deutlich von Neandertaler-Schädeln ab.
Copyright: Katerina Harvati, Universität Tübingen

Tübingen (Deutschland) – Deutsche und griechische Wissenschaftler haben einen 210.000 Jahre alten, in Griechenland gefundenen Schädel dem modernen Menschen (Homo sapiens) zu. Dies bedeutet aber, dass der moderne Mensch Afrika eher verlassen als bislang angenommen und Europa damit schon 150.000 Jahre früher erreicht hat als gedacht.

Wie das Team um Professorin Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und  vvv von der Universität von Athen aktuell im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1038/s41586-019-1376-z) berichtet, wurde der Schädel am Fundort Apidima in Südgriechenland entdeckt. Aufgrund des nun neu ermittelten Alters von rund 210.000 Jahren, handelt es sich um den ältesten modernen Menschen, der außerhalb Afrikas gefunden wurde.

Der Schädel mit der Bezeichnung „Apidima 1“ wurde bereits in den 1970er Jahren in Südgriechenland zusammen mit einem weiteren Exemplar („Apidima 2“) bei Untersuchungen des Museums für Anthropologie der Universität Athen entdeckt.

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Mit modernsten Methoden haben die Forscher die Schädel nun erneute analysiert und unter anderem die beschädigten Partien virtuell rekonstruiert. Vergleichsanalysen mit verschiedenen menschlichen Fossilien ermöglichten es den Wissenschaftlern anhand einer hochgenauen radiometrischen Datierungsmethode das Alter zu bestimmen. Demnach ist „Apidima 2 ca. 70.000 Jahre alt und gehörte einem Neandertaler. „Überraschenderweise ist ‚Apidima 1′ noch älter, etwa 210.000 Jahre, weist aber keine Neandertalermerkmale auf“, so Harvati. Vielmehr habe die Untersuchung eine Mischung aus Merkmalen des modernen Menschen und solchen älterer Arten gezeigt, was auf einen frühen Homo sapiens hindeute, berichtet die Pressemitteilung der Tübinger Universität.

Der „Apidima 2“-Schädel (rechts) und seine Rekonstruktion (links). Apidima 2 zeigt für Neandertaler charakteristische Merkmale. Copyright: Katerina Harvati, Universität Tübingen

Der „Apidima 2“-Schädel (rechts) und seine Rekonstruktion (links). Apidima 2 zeigt für Neandertaler charakteristische Merkmale.
Copyright: Katerina Harvati, Universität Tübingen

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass im Mittelpleistozän im heutigen Süden Griechenlands mindestens zwei Menschengruppen lebten: Erst eine frühe Population des Homo sapiens und später eine Gruppe Neandertaler“, erläutert Harvati. Dies stütze die Hypothese, dass sich die frühen modernen Menschen vielfach und in verschiedenen Wellen außerhalb von Afrika ausbreiteten. „Nach der Datierung des Adipima-1-Schädels, könnte diese erste Ansiedelung moderner Menschen nun früher und schon bis nach Europa stattgefunden haben: Der Schädel ist über 150.000 Jahre älter als bislang bekannte Homo sapiens Funde in Europa.“

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die frühe Population anatomisch moderner Menschen wie im Nahen Osten von Neandertalern abgelöst wurde. Tatsächlich ist die Anwesenheit von Neandertalern in Südgriechenland gut dokumentiert – nicht zuletzt jetzt auch durch den Apidima-2-Schädel. „Die Neandertaler mussten wiederum im Spätpaläolithikum, vor etwa 40.000 Jahren, weichen, als sich neu angekommene anatomisch moderne Menschen in der Region und in ganz Europa niederließen. Auch dies ist unter anderem durch Funde bearbeiteter Steinwerkzeuge dokumentiert.“ Ungefähr zu dieser Zeit starben die Neandertaler aus. „Unsere Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung Südosteuropas für die menschliche Evolution“, so Harvati abschließend.

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