Gaia-Hypothese: Öko-Vordenker James Lovelock an seinem 103. Geburtstag verstorben

James Lovelock, 2005. Copyright: Bruno Comby (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 1.0
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James Lovelock, 2005. Copyright: Bruno Comby (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 1.0

James Lovelock im Sommer 2005.
Copyright: Bruno Comby (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 1.0

Abbotsbury (Großbritannien) – Der britische Wissenschaftler, Umweltschützer und Ökologe James Lovelock gilt als Vordenker der modernen Gaia-Hypothese von der Erde als selbstorganisatorischer lebender Organismus. Jetzt ist Lovelock im Alter von 103 Jahren gestorben – an seinem Geburtstag.

Neben der Erfindung des Elektroneneinfangdetektors und seine Messungen zur Verbreitung von FCKW in der Erdatmosphäre 1971, mit denen Lovelock einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung des Ozonlochs leistete, wurde der Vordenker der Ökologie-Bewegung seit den 1970-er Jahren besonders durch seine populärwissenschaftlichen Bücher – nicht zuletzt zur von ihm gemeinsam mit der Mikrobiologin Lyn Margulis entwickelten sogenannten Gaia-Hypothese – bekannt.

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Hintergrund
Die Gaia-Hypothese betrachtet die Erde und ihre Biosphäre selbst als Lebewesen, weil sie in der Gesamtheit aller irdischen Organismen Bedingungen schafft und erhält, die nicht nur Leben, sondern auch eine Evolution komplexerer Organismen ermöglichen. Die Erdoberfläche bildet demnach ein dynamisches System, das die gesamte Biosphäre stabilisiert. Diese Hypothese setzt eine bestimmte Definition von Leben voraus, wonach sich Lebewesen insbesondere durch die Fähigkeit zur Selbstorganisation auszeichnen.

Nicht zuletzt weil sich der Name von Gaia, der Großen Mutter in der griechischen Mythologie, ableitet, wurde und wird sie auch von der esoterisch-spirituellen Gemeinschaften und Denkrichtungen aufgegriffen. Lovelock selbst benannte als älteste gedankliche Vorläufer der Hypothese hingegen Charles Darwins Evolutionstheorie und Alexander von Humboldts Werk Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung. Hingegen motivierte die Gaia-Hypothese ihrerseits Beschäftigungsfelder wie Geophysiologie, die Landschaftsökologie in einen holistischen Kontext stellt. Die Gaia-Hypothese wird oft auch als Beispiel dafür genannt, wie sich naturwissenschaftliche und esoterisch-spirituelle Konzepte ergänzen und gegenseitig bereichern können, statt sich voneinander abzugrenzen. Kritiker sehen in der Vereinnahmung der Hypothese durch die Esoterik eine Form der „spirituellen Verklärung“.

Im Gegensatz zur Vorstellung von einer „beseelten Erde“ ordnete Lovelock seine Gaia-Hypothese in seinem Buch „Gaia – die Erde als Lebewesen“ selbst wie folgt ein:

„Aber wenn ich von einem lebendigen Planeten spreche, soll das keinen animistischen Beiklang haben; ich denke nicht an eine empfindungsfähige Erde oder an Steine, die sich nach eigenem Willen und eigener Zielsetzung bewegen. Ich denke mir alles, was die Erde tun mag, etwa die Klimasteuerung, als automatisch, nicht als Willensakt; vor allem denke ich mir nichts davon als außerhalb der strengen Grenzen der Naturwissenschaften ablaufend. Ich achte die Haltung derer, die Trost in der Kirche finden und ihre Gebete sprechen, zugleich aber einräumen, dass die Logik allein keine überzeugenden Gründe für den Glauben an Gott liefert. In gleicher Weise achte ich die Haltung jener, die Trost in der Natur finden und ihre Gebete vielleicht zu Gaia sprechen möchten.“

James Lovelock wurde am 26. Juli 1919 geboren und verstarb genau 103 Jahre später im Kreise seiner Familie. Ein englischsprachiges Interview mit James Lovelock zu dessen 101. Geburtstag finden Sie HIER

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