Stehende Welle: Astronomen beobachten gewaltige Struktur in der Venusatmosphäre

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Aufnahmen der Venus vom 7.-11. Dezember 2015

Copyright/Quelle: Fukuhara et al. / Planet-C / Nature Geoscience

Tokyo (Japan) – In der wolkenschwangeren Atmosphäre unseres Nachbarplaneten Venus haben Astronomen eine bogenförmige, gewaltige Struktur – ähnlich einer stationären Welle – entdeckt, die die Wissenschaftler vor ein Rätsel stellt. Noch 2010 war die bogenförmige Struktur nicht vorhanden und ist mittlerweile auch wieder verschwunden.

Wie das Team um Tetsuya Fukuhara und Makoto Taguchi von der Rikkyo University aktuell im Fachjournal “Nature Geoscience” (DOI: 10.1038/ngeo2873) berichtet, entdeckten sie die gewaltige Veränderung in der Venusatmosphäre anhand von Aufnahmen der japanischen Sonde “Akatsuki”.

Insgesamt erstreckt sich die “stationäre Welle” innerhalb der oberen Atmosphärenschichten über rund 10.000 Kilometer von Polregion zu Polregion: “Interessanterweise bewegte sich die Struktur mehrere Tage lang überhaupt nicht und verharrte während der Beobachtungszeit stationär über der zentralen Gebirgsregion Aphrodite Terra.”

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Erstmals entdeckt wurde die Struktur auf Infrarot- und UV-Licht-Aufnahmen der Sonde, die zwischen dem 7. Und 11. Dezember 2015 gemacht wurden – unmittelbar nachdem die Sonde seit 2010 fünf Jahre lang aus technischen Gründen im Tiefschlafmodus verbracht hatte.

Wie die japanischen Astronomen berichten, seien die Eigenschaften der “Welle” bislang noch völlig unklar. Sie vermuten allerdings, dass es sich um ungewöhnlich warme Gase, in Form einer sogenannten Schwerewelle handeln könnte, wie sie in Grenzregionen hinter Gebirgen entstehen, wenn sich Schwerkraft und Auftrieb der Winde die Waage halten.

In diesem Fall wäre es der erste Nachweis einer solchen Schwerewelle in der Venusatmosphäre. “Während zwar schon zuvor vergleichbare bogenförmige Strukturen in der Venusatmosphäre entdeckt wurden, bewegten diese sich bislang immer gemeinsam mit der Atmosphärenumgebung. Diese Region verharrte allerdings mehrere Tage lang stationär.”

Bei Höhenwinden von mehr als 360 Stundenkilometern sei dieses Verhalten wirklich überraschend. Offenbar scheint es auf der Venus Schwerewellen zu geben, wie sie ihre Gegenstücke auch in der irdischen Atmosphäre finden und auch für das Klima der Venus eine wichtige Rolle spielen könnten.

Als die Sonde sechs Wochen später erneut ihre Kameraaugen auf die “kleine Schwester der Erde” richtete, war von der Bogenwelle nichts mehr zu sehen…

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