Gewaltiges Wassereislager im Untergrund des Mars-Äquators

Die Position der Medussae-Fossae-Formation auf dem Mars-Globus. Copyright: ESA
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Die Position der Medussae-Fossae-Formation auf dem Mars-Globus.Copyright: ESA

Die Position der Medussae-Fossae-Formation auf dem Mars-Globus.
Copyright: ESA

Washington D.C. (USA) – Neuste Untersuchungen der europäischen Mars-Sonde „Mars Express“ legen nahe, dass sich in einigen Kilometern Tiefe entlang des Mars-Äquators ein gewaltiges Wassereislager befindet. Aufgetaut könnte die Wassermenge den gesamten Planeten fast drei Meter tief bedecken.

Wie die europäische Raumfahrtagentur ESA berichtet, handelt es sich bei der geologischen Formation Medusae Fossae um gewaltige Ablagerungen, die heute von einer bis zu 2.5 Kilometer dicken Staubschicht bedeckt ist. Lange Zeit stritten sich Planetenwissenschaftler, aus was die Formationen genau bestehen. Während schon zuvor einige Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Eislager vermuteten, glaubten andere, dass es sich um trockene Sedimentschichten, etwa aus Sand oder vulkanischer Asche handelt.

„Wir haben die Formation nun anhand neuer Daten des MARSIS-Radar an Bord von Mars Express untersucht und festgestellt, dass die Ablagerungen mit bis zu 3,7 Kilometern noch vielen dicker sind als bislang gedacht“, erläutert Thomas Watters von der Smithsonian Institution. Erstaunlicherweise passt das neue Radarsignal am besten zu in Schichten aus gelagertem Wassereis und gleicht auch den Signalen, die wir von den Polkappen des Mars kennen, von denen wir wissen, dass sie reich an Wassereis sind.“ Aufgeschmolzen würde das Wasser dieses Eislagers den gesamten Planeten mit einem 1,5 bis 2,7 Meter tiefen Meer bedecken.

Diese Karte zeigt die unterschiedliche Dichte der Eisdicke unterhalb der Medussae-Fossae-Formation.Quelle: ESA

Diese Karte zeigt die unterschiedliche Dichte der Eisdicke unterhalb der Medussae-Fossae-Formation.
Quelle: ESA

“Wenn es sich bei den Strukturen lediglich um Ablagerungen aus Staub und Asche handeln, so wäre das Radarbild ein anderes, da diese Schichten aufgrund ihres eigenen Gewichts sehr viel kompakter wären”, erläutert Andrea Cicchetti vom italienischen Nationalinstitute für Astrophysik.

Radarscans, teilweise als Seitenschinttansicht der Schichtlagerungen.Quelle: ESA

Radarscans, teilweise als Seitenschinttansicht der Schichtlagerungen.
Quelle: ESA

Auch wenn der Mars heute als trockene Welt erscheint, so finden sich an der Marsoberfläche noch heute zahlreiche Hinweise dafür, dass der Planet einst sehr viel Wasser trug. Nicht zuletzt sind auch die mittlerweile unterirdischen gewaltigen Wassereislager und Gletscher an den Polen und nun offenbar auch am Äquator einer dieser Hinweise für den einst nassen Mars.

Rekonstruktion des Schichtaufbaus der Medussae-Fossae-Formation.Quelle: ESA

Rekonstruktion des Schichtaufbaus der Medussae-Fossae-Formation.
Quelle: ESA

„Diese jüngsten Datenauswertungen stellen unsere bisherigen Vorstellung der Formation in Fragen und werfen zugleich einige Fragen auf“, kommentiert der ESA-Mars-Express-Projektwissenschaftler Colin Wilson und führt dazu weiter aus: „Wie lange ist es etwa her, dass sich diese Ablagerungen gebildet haben? Solch gewaltige Eislager würden unsere bisherigen Vorstellungen von der Klimageschichte des Roten Planeten verändern, zudem könnten derartige gewaltige Wasserlager natürlich auch ein faszinierendes Ziel für die zukünftige Erkundung des Mars sein.“

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Nicht zuletzt wäre dieses Wasser natürlich auch als Ressource für zukünftige bemannte Marsmissionen nützlich, da eine bemannte Marsmission sowieso in der Nähe des Äquators und damit weit von den polaren Eiskappen entfernt landen müsste. „Zwar liegen diese Lager derart tief, dass sie auch in den nächsten Jahrzehnten wohl nicht erreicht und damit genutzt werden können, aber jedes bischen Wasser, das wir finden, hilft uns das Bild vom einstigen Wasser auf dem Mars besser zu verstehen.




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Recherchequelle: ESA

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