GfA – Studie des Monats: „Zukunft“ und „Vergangenheit“ im Bereich der visuellen Wahrnehmung

Symbolbild. Copyright: LNLNLN (via Pixabay.com) / Pixabay License
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In Kooperation mit der Gesellschaft für Anomalistik e.V (GfA) stellt Grenzwissenschaft-Aktuell.de deren Rubrik “Studie des Monats” vor. Aktuell geht um „Zukunft“ und „Vergangenheit“ im Bereich der visuellen Wahrnehmung.

Bei sog. Pre-Sentiment-Experimenten, wie sie durch die bahnbrechenden Studien von Daryl Bem bekannt geworden sind, tritt das Phänomen auf, dass eine physiologische Reaktion auf einen Stimulus, also in dem Fall ein zufällig aus einem Bilderpool ausgewähltes angenehmes oder unangenehmes Bild gemessen wird, bevor der Zufallsprozess zur Auswahl überhaupt stattgefunden hat.

Dieses Phänomen wird dem Bereich der Präkognition zugeschrieben, einer der drei Großkategorien, in die  Psi-Phänomene üblicherweise eingeteilt werden. Was bei den meisten Laborexperimenten zur Präkognition keine Berücksichtigung findet, ist ein möglicher Einfluss, den die sog. „Perceptual History“, also die  Wahrnehmungsgeschichte, haben könnte.

Jürgen Kornmeier und seine Forschergruppe beschäftigen sich seit langem mit dem Phänomen der „Perceptual History“, zumeist mithilfe von sog. Kippbildern wie dem Necker-Würfel. Es geht dabei also darum, ob eine soeben gemachte Wahrnehmung einen Einfluss darauf hat, wie ich den darauffolgenden Stimulus wahrnehme. In den beiden Experimenten, die in dieser Studie des Monats vorgestellt werden, wird die Richtung (unmittelbare Vergangenheit  oder unmittelbare Zukunft) eines potenziellen Einflusses auf die Wahrnehmung eines aktuell betrachteten mehrdeutigen (ambiguen) Bildes untersucht, indem ein eindeutiges Bild des Stimulus davor oder danach präsentiert wird.

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In einem Fall wird die „Perceptual History“, im anderen ein möglicher Pre-Sentiment-Effekt untersucht. Da aber in einer Serie von dargebotenen Sequenzen ein „davor“ immer auch ein „danach“ sein kann, wurde diesem Problem mit einem leicht veränderten Design in einem zweiten Experiment begegnet. Während der schon bekannte „Perceptual History“-Effekt nachgewiesen werden konnte, war dies, global gesehen, beim Pre-Sentiment-Effekt nicht der Fall, wenngleich es auf der Ebene von Einzelpersonen einige Auffälligkeiten gab.

Der Text ist sehr technisch, und man muss sich etwas durchbeißen, bis man die Details verstanden hat, aber der Ansatz ist sehr interessant und stellt eine wichtige Anregung für die experimentelle Psi-Forschung dar.

Die Studie finden Sie unter folgendem Link:
Kornmeier, J., Bhatia, K., & Joos, E. (2021). Top-down resolution of visual ambiguity – knowledge from the future or footprints from the past? PLoS ONE 16(10): e0258667. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0258667

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