GreWi-Exklusiv: Neuer Mars-Rover könnte Missionsziel schon am Landeort erfüllen

Visueller Vergleich einiger löchriger Gesteine am Landeort des neuen NASA-Marsrovers „Perseverance“ (oben) mit Steinen aus dem Lake Ontario (u.). Copyright: NASA/JPL-Caltech / Barry E. DiGregorio
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Visueller Vergleich einiger löchriger Gesteine am Landeort des neuen NASA-Marsrovers „Perseverance“ (oben) mit Steinen aus dem Lake Ontario (u.). Copyright: NASA/JPL-Caltech / Barry E. DiGregorio

Visueller Vergleich einiger löchriger Gesteine am Landeort des neuen NASA-Marsrovers „Perseverance“ (oben) mit Steinen aus dem Lake Ontario (u.).
Copyright: NASA/JPL-Caltech / Barry E. DiGregorio

Middleport (USA) – Nach der spektakulären Landung auf dem Mars erbarbeiten die NASA-Wissenschaftler der Mission „Mars2020“ nun die nächsten Schritte und Wege für den neuen Mars-Rover „Perseverance“, der nach Spuren einstigen Lebens auf dem Roten Planeten suchen soll. Der Astrobiologe Barry E. DiGregorio will hingegen schon auf den ersten Aufnahmen vom Landeort des Rovers Gesteinsarten ausgemacht haben, anhand deren Analyse dieses Missionsziel schon vor Ort erreicht werden könnte. Auf Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) erläutert DiGregorio die Details erstmals und exklusiv.

Perseverance ist mit Sicherheit an einem Ort gelandet, an dem alles danach aussieht, als könne hier die Frage nach Leben auf dem Mars ein für alle Mal beantwortet werden: ein einstiges Flussdelta und ein ehemaliger Süßwassersee an der Schwelle des einstigen Marsozeans von Isidis Planitia“, zeigt sich er Astrobiologe Barry DiGregorio gegenüber GreWi schon von den ersten Aufnahmen des Rovers begeistert.

Auf diesen weist der Wissenschaftler verschiedene Felsen und Gesteine im Marsboden aus, wie sie „Gesteinen aus dem Ordovizium aus dem nordamerikanischen Lake Ontario auffallend gleichen“. Das Ordovizium begann vor etwa 485,4 Millionen Jahren und endete vor rund 443,4 Millionen Jahren.

Beispiel eines von Wind und Sand polierten und gelöcherten Steins aus der Antarktis. Copyright: NASA

Beispiel eines von Wind und Sand polierten und gelöcherten Steins aus der Antarktis.
Copyright: NASA

„Es sind genau diese Gesteine, die ich 25 Jahre lang erforscht habe und deren Gegenstücke jetzt auch am Landerort des Rovers zu finden sind“, so DiGregorio und führt dazu weiter aus: „Es gibt sehr einfache chemische wie mineralologische Mittel und Wege – etwa mit dem Supercam-Instrument des Rovers – herauszufinden, ob die Merkmale dieser löchrigen Steine biogener oder vulkanischer Natur sind.“

“Neben biogener oder vulkanischer Aktivität gibt es auch Beispiele für derart löchriges Gestein durch Wind-Sand-Erosion, etwa in der Antarktis, doch unterscheiden sich deren Merkmale deutlich von jenen am Landeort von Perseverance und vom Lake Ontario“, erläutert DiGregorio weiter: „Für gewöhnlich sind die Oberflächen dieser Steine eben aufgrund der Tatsache, dass sie durch Windabrieb erzeugt werden, stark glatt geschliffen wirken geradezu poliert (siehe Abb. l.).

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Der Umstand, dass die NASA in den vergangenen Tagen die Reise des Rovers begonnen hat, dämpft jedoch die Hoffnung des Astrobiologen: „Die jüngsten NASA-Meldungen berichten, dass der Rover seinen Weg durch Jezero bereits begonnen hat. Es deutet also vieles daraufhin, dass man sie Steine in der direkten Umgebung des Rovers nicht untersuchen wird. Ich persönlich frage mich da schon, warum das nicht passiert?

ChemCam-Mikroskopaufnahmen der Strukturen vom 31. Dezember 2017. Copyright: NASA/JPL-Caltech/LANL

ChemCam-Mikroskopaufnahmen der Strukturen vom 31. Dezember 2017.
Copyright: NASA/JPL-Caltech/LANL

 

Schon 2003 hatte DiGregorio einen seiner ersten wissenschaftlichen Fachartikel über Vergleiche zwischen Gestein am Landeort der NSA-Mars-Sonde „Viking 2“ mit Gestein aus dem Lake Ontario im Fachjournal „Methods, and Missions for Astrobiology“ (DOI: 10.1117/12.457566) veröffentlicht.

„Wenn es sich um vulkanisches Gestein handelt, sollten diese Brocken aus Basalt bestehen. Wenn es sich aber um geschichtete Sedimente handelt und aus Sandstein und Schlammstein bestehen, so könnte das bedeuten, dass die löchrige Struktur das Ergebnis von Bioturbation, also Kriechspuren von weichen mehrzelligen Lebensformen sind, die einst in den nassen Seesedimenten gelebt und sich durch diese hindurchbewegt und auf diese Weise Spurenfossilien ihrer Bewegungen im Gestein hinterlassen haben.“ (…GreWi berichtete)

Schon zuvor hatte DiGregorio anhand von Aufnahmen des NASA-Mars-Rovers „Curiosity“ auf frappierende Ähnlichkeiten von Mikrostrukturen im Gestein mit bekannten biogenen Spurenfossilfunden hingewiesen (…GreWi berichtete) und der NASA sogar vorgeworfen, man vertusche diese und frühere Entdeckungen von Leben auf dem Mars ganz gezielt (…GreWi berichtete).

Derzeit wartet DiGreGorio gespannt auf die Landung des chinesischen Rovers der Mission “Tianwen-1“, der in der Region Utopia Planitia landen soll. „Das ist jene Region, auf deren Beobachtungen durch den NASA-Lander “Viking 2” meine ersten vergleichenden Beobachtungen von 2003 beruhen. Es wird interessant sein, die Entdeckung der beiden konkurrierenden Rover miteinander zu vergleichen.”




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Quelle: Kommunikation zw. GreWi-Hrsg. A. Müller und B. E. DiGregorio

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