GreWi-Faktencheck: Könnte Planet Neun ein Schwarzes Loch sein?

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Künstlerische Darstellung von Planet Neun (Illu.) Copyright: nagualdesign/Tom Ruen/Eso (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 4.0

Künstlerische Darstellung von Planet Neun (Illu.)
Copyright: nagualdesign/Tom Ruen/Eso (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 4.0

Saarbrücken (Deutschland) – Bei der Suche nach einer Erklärung für übereinstimmende Bahnabweichungen transneptunischer Objekte im äußeren Sonnensystem suchen Astronomen hitzig nach einem bislang noch unentdeckten großen Planeten jenseits der Plutobahn. Ein neuer Erklärungsversuch spekuliert nun darüber, ob dieser „Planet Nine“ (Planet Neun, P9) nicht auch ein urzeitliches Schwarzes Loch sein könnte. Medien weltweit sind auf die Schlagzeile aufgesprungen und berichten. Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) hat einen der Erstautoren zur Planet-Nine-Theorie für die Bahnabweichungen, den Astronomieprofessor Mike Brown zum Faktencheck gebeten. Dieser fällt unerwartet kurz aus…

Tatsächlich deuten übereinstimmende Bahnabweichungen kleinerer Objekte im Kuiper-Gürtel daraufhin, dass im äußeren Sonnensystem ein bislang noch unbekanntes massereiches Objekt die Sonne umkreist. Gemeinsam mit seinem Kollegen Konstantin Batygin hat der Astronomieprofessor Mike Brown vom California Institute of Technology (Caltech) anhand dieser die Existenz eines Planeten mit der etwa 6-10fachen Erdmasse beschrieben, der die Sonne auf einer bis zu 20.000 Jahre währenden Umlaufbahn umkreisen soll. Seither suchen neben Brown und Batygin zahlreiche Astronomenteams ebenso fieberhaft wie bislang erfolglos nach dem noch unentdeckten Planeten (…GreWi berichtete, siehe Links).

In einem vorab via ArXiv.org veröffentlichten Fachartikel haben die Physiker Jakub Scholtz von der Durham University und James Unwin von der University of Illinois at Chicago nun eine alternative Erklärung für die Bahnabweichungen vorgestellt und postulieren, dass diese auch von einem sogenannten primordialen (urzeitlichen) kleinen Schwarzes Loch hervorgerufen werden könnten.

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Mit 10facher Erdmasse wäre ein solches Schwarzes Loch jedoch gerade einmal so groß wie eine Bowlingkugel und dadurch für eine klassische rein visuell-optisch-astronomische Suche unauffindbar. Während primordiale Schwarze Löcher theoretisch bereits angedacht wurden, gilt ihre tatsächliche Existenz jedoch nicht als gesichert.

Nicht zuletzt stellen Urwin und Scholtz ihre Theorie auch als Möglichkeit dar, ein solches Schwarzes Loch direkt nachzuweisen, denn sollte es urzeitliche Schwarze Löcher geben, könnten sie auch von der Schwerkraft der Sonne eingefangen werden, bzw. worden sein.

“Wenn wir uns nur auf einen Planeten konzentrieren, schränken wir die experimentelle Suche nach einer Erklärung stark ein. Wenn wir aber über exotischere Objekte, wie urzeitliche Schwarzen Löcher, in Betracht ziehen, eröffnen sich neue Möglichkeiten.”

Während die direkte Suche nach der beschriebenen „Bowlingkugel“ wohl aussichtlos wäre, könnte sich das Mini-Massemonster aber durch seine Effekte verraten. Um ihre Hypothese zu testen schlagen Scholtz und Urwin also vor, bei der Suche nach „Planet Nine“ auch nach unsichtbaren sich durchs äußere Sonnensystem bewegenden Quellen von Gamma-, Röntgen- und anderer Strahlung zu suchen, durch die sich das primordiale Schwarze Loch indirekt verraten könnte.

Auf die neue Theorie angesprochen erklärte Professor Mike Brown gegenüber Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) wie auch via Twitter kurz und schlüssig:

„Klar könnte P9 auch ein Schwarzes Loch sein – solange dieses nur die richtige Masse besitzt. Tatsächlich könnte P9 aber auch ein gewaltiger BigMac mit der mindestens 6fahe Erdenmasse sein. Die von uns beschriebene Physik schert sich nicht um die Frage, aus was dieses Objekt besteht, sondern nur um seine Masse. So gesehen ist P9 aber wohl weder einer riesiger BigMac noch ein Schwarzes Loch.”

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Quellen: ArXiv.org, Mike Brown

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