“Großer Hohlraum” im Innern der Cheopspyramide entdeckt


Die Position des neu entdeckten großen “Hohlraums” im innern der Großen Pyramide von Gizeh (Illu.).

Copyright: ScanPyramids Mission

Kairo (Ägypten) – Im Rahmen der Suche nach unbekannten Strukturen im Innern der Großen Pyramide von Gizeh haben internationale Wissenschaftler durch sogenannte Myonen-Scans einen “großen Hohlraum” im Innern des auch als Cheopspyramide bekannten Bauwerks geortet.

Wie das Team um Kunihiro Morishima von der japanischen Nagoya University und Mehdi Tayoubi vom HIP Institute aktuell im Fachjournal “Nature” (DOI: 10.1038/nature24647) berichten, handele es sich um einen “großen Hohlraum” dessen Schnitt dem der sog. Großen Galerie im Innern der Pyramide gleiche und eine Höhe bzw. Länge von mindestens rund 3 bis 8 x 30 Metern aufweist. Dieser “Hohlraum” befindet sich demnach unmittelbar oberhalb der besagten Großen Galerie in einer Höhe von 50 bis 70 Metern. Die genaue Form und Ausrichtung des Hohlraums sei indes noch unbekannt, seine Existenz aber zu 99,999 Prozent bestätigt.

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Entdeckt wurde der “Hohlraum” im Rahmen des ScanPyramids-Projekts, bei dem Wissenschaftler und Archäologen unter anderem mit der Hilfe von Myonenscans nach noch unbekannten Kammern, Gängen und anderen Hohlräumen in den großen Pyramiden Ägyptens suchen (…GreWi berichtete).

Die hierbei am Boden der sogenannten Königinnenkammer und am Boden der Großen Galerie platzierten Myonen-Detektorplatten offenbarten den verborgenen Hohlraum, dessen Existenz dann mit weiteren Instrumenten bestätigt werden konnte (s. Video).

Hintergrund
Bei Myonen handelt es sich um kosmische Teilchen, die in der oberen Erdatmosphäre durch die Kollision von kosmischen Strahlen und Atomkernen in der Atmosphäre entstehen. Diese reisen mit annähernder Lichtgeschwindigkeit und einer konstanten Fallrate von 10.000 pro Quadratmeter und Minute in Richtung Erdoberfläche.

01806Schaubild zum Einsatz der Myonen-Tomografie
Quelle: scanpyramids.org

Ähnlich wie es mit Hilfe von Röntgenstrahlen möglich ist, das Skelett von Lebewesen im Körper sichtbar zu machen, so durchdringen Myonen vergleichsweise einfach jegliche Art von Strukturen – sogar festes Gestein, wie etwa massiver Fels Berge oder Bauten. Werden entsprechenden Detektoren am richtigen Ort platziert (in den Pyramiden sollte dies unterhalb der vermuteten, noch unbekannten Kammern sein) so können darüberliegende Hohlräume und damit Kammern und Gänge im Innern der Pyramiden abgebildet werden, da diese von den Myonen einfacher durchdrungen werden können, als dichtere Teile einer Struktur, durch die die Elementarteilchen absorbiert und abgeschirmt werden.

Das Wissenschaftler-Team selbst spricht von einem Meilenstein in der Erforschung und für das Verständnis der inneren Struktur der Großen Pyramide. Da man bislang aber noch nicht wisse, um was es sich genau handelt und welche Funktion der Raum habe, wolle man noch nicht von einer spezifischen “Kammer” sprechen, sondern bezeichne die Entdeckung bis auf Weiteres noch als “Hohlraum”.

Schon zuvor hatte das gleiche Team unmittelbar hinter dem einstigen Eingang in der Nordwand einen bislang noch unerforschten, mannshohen Korridor entdeckt (…GreWi berichtete) sowie einen kleineren Hohlraum an der nordöstlichen Ecke der Pyramide entdeckt.

Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) wird weiterhin berichten…

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