Hawass ist zurück: Ehem. Antikenminister leitet Myonen-Scans in der Großen Pyramide

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Dr. Zahi Hawass, 2009

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Kairo (Ägypten) – Seit Dezember 2015 suchen Physiker mit Hilfe von Myonen-Scannern im Innern der Großen Pyramide von Gizeh nach darin verborgenen Kammern, Gängen und bislang unbekannten Strukturen (…GreWi berichtete). Nachdem frühere Scans imn der Knickpyamide von Dahschur schon erfolgreich verliefen, aber keine unbekannten Hohlräume darin entdeckt wurden (…GreWi berichtete), warten Archäologen jetzt auf die Ergebnisse der Scans im Innern der sog. Cheops-Pyramide. Doch noch vor Abschluss besagter Arbeiten, wartet das ägyptischen Antikenministerium mit einer unerwarteten Überraschung auf: Als neuer Leiter der Auswertung der Myonen-Scans wurde der Archäologe und ehemalige umstrittene Antikenverwalter Dr. Zahi Hawass bestimmt.

Wie der US-Sender ABC berichtet, habe Hawass bestätigt, dass er vom Antikenministerium beauftragt wurde, die Ergebnisse der noch mindestens bis Ende Juni fortwährenden Arbeiten in der Großen Pyramide zu überprüfen: “Derzeit laufen die Scans noch. Wenn wir dann sehen, dass sie die bereits bekannten Kammern aufzeigen können, werden wir die Arbeiten fortsetzen.” (Anm. GreWi: Der ABC-Artikel wurde mittlerweile auch von Ägyptischen Antikenministerium offiziell in den sozialen Netzwerken geteilt und damit offiziell bestätigt.

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Während Beobachter schon in den vergangenen Monaten bemerkt haben, wie sich Hawass zunehmend wieder in den Vordergrund der ägyptischen Archäologie vorgearbeitet hat, kommt die Entscheidung des Antikenministeriums, gerade Hawass die Auswertung der Myonen-Scans zu übertragen doch eher unerwartet. Der Grund: Hawass selbst hatte in den vergangenen Wochen wiederholt die Anwendbarkeit der Technologie an den antiken Stätten in Frage gestellt und kritisiert.

Hawass selbst scheint sein Urteil über die Myonen-Scan-Technologie indes revidiert haben. Laut dem ABC-Bericht hält er die Methode jetzt vielleicht doch für sinnvoll. Aber eben nur dann, wenn sie von dem richtigen Experten angewandt werde – ihm selbst.

“Es bedarf Ägyptologen, die diese Scans überwachen. Andernfalls können Fehler gemacht werden. Ich hoffe, dass diese Scans dabei behilflich sein werden, genaue Informationen zu erhalten.” Er selbst glaube daran, dass die Pyramide noch eine weitere Grabkammer beinhalten könnte.

Während seiner Amtszeit galt Hawass als “archäologischer Pharao”, der über die ägyptischen Altertümer mit ebenso strenger wie aufgeahltener Hand regierte und keine anderen Meinungen über das antike Erbe Ägyptens zuließ. Wissenschaftler, die nicht mit ihm d’accord gingen, erhielten keine Forschungs- und Grabungserlaubnis im Land, während der selbst sich als “moderner Indianer Jones” weltweit medial inszenierte. Kritiker warfen und werfen Hawass vor, auf diese Weise unabhängige Forschungen vor Ort unterbunden zu haben und in einigen Fällen sogar die Altertümer durch unsachgemäßes Vorgehen und sogar Korruption in Gefahr gebracht zu haben.

Zuletzt hatte Hawass wiederholt von sich Reden gemacht, als er die Arbeiten “ausländischer Experten” als unwissenschaftlich betitelte und ägyptische Experten zur Überwachung etwa der Arbeiten des britischen Archäologen Nicholas Reeves und seines japanischen Bodenradar-Experten  Professor Watanabe einforderte (…GreWi berichtete).

Wie es scheint, hat Hawass zumindest teilweise genau dieses Ziel schon erreicht…?

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