GreWi-EXKLUSIV: Höhenwinde verhinderten Entdeckung von Planet Nine

Künstlerische Interpretation des mutmaßlich neunten Planeten im Sonnensystem. Seine Erstbeschreiber Mike Brown und Konstantin Batygin vermuten, dass es sich um einen Planeten handelt, der Uranus und Neptun gleichen könnte (Illu.).
Copyright: Caltech/R. Hurt (IPAC)

Pasadena (USA) – Die aktuelle Suchphase nach dem 2016 von Mike Brown und Konstantin Batygin anhand von übereinstimmenden Bahnabweichungen zahlreicher Objekte im äußersten Sonnensystem postulierten, bislang aber noch nicht direkt nachgewiesenen neunten Planeten (…GreWi berichtete), dem sog. “Planet Nine” ist zu Ende. Gegenüber Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) berichtet der Astronom Mike Brown exklusiv über das Ergebnis der Beobachtungen.

“Leider, verlief unsere jüngste Suche nach ‘Planet Neun’ mit dem Subaru Telescope am Manua-Kea-Observatorium auf Hawaii unter sehr schlechten Wetterbedingungen. Die Winde reichten so hoch, dass atmosphärische Turbulenzen unsere Aufnahmen (des Sternenhimmels) nahezu unbrauchbar gemacht haben”, berichtet Professor Mike Brown Astronom am California Institute of Technology gegenüber GreWi-Herausgeber Andreas Müller.

“Wir sind derzeit dennoch dabei, die aktuellen Ergebnisse zu analysieren – nur um sicher zu gehen. Aber ich erhoffe mir davon nicht viel.”


Bahndiagramme von 9 transneptunischen Objekten, deren Bahn von Planet Nine beeinflusst sein könnte.

Copyright: Tomruen (via WikimediaCommons) CC BY-SA 4.0

Waren es kürzlich noch meteorologische Gründe, die die Suche nach “P9” behindert haben, so diese in den kommenden Monaten astronomischer Natur: “Wir sind davon überzeugt, dass sich Planet Nine derzeit in der Region des Orion/Taurus befindet. Leider versinkt diese Region jetzt unter dem Horizont. Wir müssen also bis zum nächsten Herbst warten.”

Hintergrund: Planet Nine
Waren es im Falle des Neptun Unregelmäßigkeiten in der Bahn des Planeten Uranus, die Astronomen auf eine bis dahin unbekannte große Masse im Sonnensystem zurückführten und 1846 zur direkten Entdeckung des Planeten führten, so sind es aktuell die übereinstimmenden Merkmale von Abweichungen in den Umlaufbahnen von mittlerweile an die 20 größerer Objekte im Kuiper-Gürtel (einer ringförmigen Region, die sich außerhalb der Neptunbahn in einer Entfernung von ungefähr 30 bis 50 Astronomischen Einheiten – AE = Abstand Erde-Sonne – nahe der Ekliptik erstreckt und schätzungsweise mehr als 70.000 Objekte mit mehr als 100 km Durchmesser sowie viele kleinere Objekte enthält), in denen einige Astronomen seit einigen Jahren Hinweise auf die Existenz eines noch unbekannten großen Planeten im äußersten Sonnensystem sehen.

Laut den bisherigen Berechnungen der Astronomen Mike Brown und Konstantin Batygin vom California Institute of Technology (Caltech) besitzt “Planet Nine” (P9) die vier- bis zehnfachen fache Erdmasse, umkreist die Sonne einmal alle 10-20.000 Jahre auf einer Bahn, die ihn selbst bei seiner dichtesten Erdannäherung noch mehr als 700 mal weiter von der Sonne vorbeiführt als unsere Erde (AE).

Weitere Berechnungen auf der Grundlage der Bahnabweichungen der transneptunischen Objekte sprechen dafür, dass sich derzeit P9 in der Nähe seines sog. Apohels, also seines sonnennächsten Punkt rund 1.000 Astronomische Einheiten (AE = Abstand Erde-Sonne) von der Sonne entfernt an einem Himmelsausschnitt „in der Nähe des Orion“ (…GreWi berichtete) befindet. Allerdings ist auch dieser Himmelsausschnitt noch rund 400 Quadratgrad groß. Zum Vergleich: Der Vollmond nimmt – von der Erde aus betrachtet – gerade einmal 0,5 Grad des Himmels ein. Viel Platz also für einen derart weit entfernten und damit entsprechend lichtschwachen Planeten.

 

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Wann die Suche mit dem Subaru-Teleskop wieder aufgenommen werden kann, ist derzeit noch ungewiss: “Bislang gibt es noch keine derart weit vorausreichenden genauen Pläne. Aber vielleicht können wir im Oktober wieder in die neue Beobachtungssaison starten.”

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Planet X – Konkurrenz für Planet Nine: Krümmung des Kuipergürtels spricht für weiteren unentdeckten „Planeten“ im Sonnensystem 26. Juni 2017
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