Hoffnung auf Nessie, Bigfoot & Co: eDNA offenbart Anwesenheit fehlender Haie


Symbolbild: Hai

Copyright/Quelle: Laurent Vigliola / fiu.edu

Miami (USA) – Der zunehmende Rückgang von Haien an Schlüsselorten der Knorpelfische sorgte unter Meeresbiologen bislang für Rätselraten und Sorge. Mit Hilfe von sogenannter „Environmental DNA“ – DNA also, die aus Umweltproben wie Wasser- oder Bodenproben extrahiert wird – haben Wissenschaftler nun die Anwesenheit der fehlenden Haie belegt. Das Verfahren weckt auch unter Kryptozoologen Hoffnung für den Nachweis von Lebewesen, die entweder bereits als ausgestorben gelten oder noch nicht wissenschaftlich beschrieben wurden und oft als Fantasieprodukt aus Legenden und moderner Folklore gelten.

Wie das Team um Jeremy Kiszka von der Florida International University aktuell im Fachjournal „Science Advances“ (DOI: 10.1126/sciadv.aap9661) berichtet, befürchteten Meeresbiologen bereits das vollständige Verschwinden einige Haiarten an Orten, an denen sie früher einmal häufig vorkamen und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des lokalen Ökosystems leisteten.

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Mit Hilfe der relativ neuen und bahnbrechenden Technologie der kurz als e-DNA bezeichneten Methode war es den Forschern nun möglich in 22 Wasserproben noch minimalste Spuren der Tiere in Form von Hautschuppen, Exkrementen und/oder Blutspuren im Wasser zu identifizieren.

Tatsächlich stießen die Forscher so auf die DNA-Fragmente von mehr Haiarten als jene, wie sie zuvor visuell während 3.000 Tauchgängen und mittels 400 Köder-Videos vor Neukaledonien im Südpazifik dokumentiert werden konnten. Die Ergebnisse stimmen mit jenen an entlegenen Korallenriffen und deutlich stärker (vom Menschen) beeinflussten Hai-Gegenden überein.

„Die Ergebnisse haben uns tatsächlich überrascht“, berichtet Kiszka. „Es ist faszinierend zu sehen, wie nützlich dieses neue Werkzeug für das Monitoring zur Anwesenheit seltener, scheuer und potentiell bedrohter Arten ist und wir hoffen diese Art der Analyse auch auf andere Gebiete und Arten ausweiten zu können. Auf diese Weise wird es Tierschützern erleichtert, den Status eine potentiell bedrohten Art genauer zu bestimmen, um so Maßnahmen ergreifen zu können.“

Weitere Probenentnahmen seien nun notwendig, um genau bestimmen zu können, welche Haiarten tatsächlich „fehlen“ und welche Populationen noch zu retten sind.

Die e-DNA-Technologie kann aber nicht nur für die Erforschung und Suche nach bereits bekannten und beschriebenen, seltenen Arten – sondern auch für die Suche nach dem erhofften Nachweis sogenannter Kryptide angewandt werden. Als Kryptiden bezeichnen Kryptozoologen Lebewesen, die entweder zwar offiziell als bereits ausgestorben oder reine Fantasieprodukte gelten oder deren Existenz zwar noch nicht wissenschaftlich, dafür aber in Legenden und Folklore, sowie durch Augenzeugenberichte nahegelegt wird. Zu den bekanntesten Beispielen gehört etwa der der Tasmanische Tiger, der Yeti, sein US-amerikanischer Cousin, der als Bigfoot oder Sasquatch bekannt ist oder auch das sog. Ungeheuer von Loch Ness.

Tatsächlich wurde e-DNA auch schon für die Suche nach „Nessie“ konkret vorgeschlagen (…GreWi berichtete) und derzeit laufen eDNA-Analysen anhand von Proben aus vermeintlichen Sasquatch-Nestern, die in den ausgedehnten Nadelwäldern Nordamerikas gefunden wurden und den Schlafstätten von Großprimaten wie Schimpansen, Gorillas und Urang-Utans gleichen (…GreWi berichtete). Auch überlebende tasmanische Beutelwölfe sollen – so hoffen Biologen und Kryptozoologen – mit Hilfe der „Umwelt-DNA“ nachgewiesen werden (…GreWi berichtete).

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