Homo naledi: Nutze bereits Frühmenschenart Werkzeuge und Feuer?

Der Schädel eines Homo naledi. Copyright/Quelle: Berger et al. / eLife 2017 / CC BY 4.0
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Der Schädel eines Homo naledi.Copyright/Quelle: Berger et al. / eLife 2017 / CC BY 4.0

Der Schädel eines Homo naledi.
Copyright/Quelle: Berger et al. / eLife 2017 / CC BY 4.0

Johannesburg (Südafrika) – 2013/15 erstmals in der sog. „Wiege der Menschheit“ nordwestlich von Johannesburg in Südafrika entdeckt, gilt der Homo naledi als Frühmensch, dessen Fossilien auf ein Alter von 335.000 bis 236.000 Jahren datiert werden konnten. Neuste Funde führen die Erstentdecker nun zu dem Schluss, dass Homo naledi trotz eines nur Schimpansen-großen Gehirns bereits Werkzeuge nutzte und das Feuer kontrollierte. Das widerspricht der gängigen Vorstellung von Fähigkeiten, die bislang nur modernen Menschen oder Neandertalern zugestanden wurden.

UPDATE 5.12.2022, 09:30h: In einem aktuellen Tweet hat Lee Berger mittlerweile berichtet, dass der hier beschriebene Nachweis der Nutzung des Feuers durch Homo naledi – so spektakulär dieser auch ist – nur die geringste der aktuellen Entdeckungen sei. Drei weitere Entdeckungen würden demnächst bekannt gegeben und ebenso wie die der Feuernutzung auch wissenschaftlich fachpubliziert. GreWi wird weiterhin berichten…

Schon zuvor hatte der anerkannte Paläoanthropologe Lee Berger von der University of the Witwatersrand scharfe Kritik auf sich gezogen, als er vermutete, dass bereits Homo naledi ihre Toten in einer völlig dunklen, nur unter hohem Risiko begehbaren Untergrundhöhle des Rising-Star-Höhlensystems beigesetzt hatten. Der Grund für die Kritik: Vielen Kollegen erscheint die komplexe Höhle unmöglich ohne Licht navigierbar (siehe Video). Der Leistung des kleinen Gehirns von Homo naledi trauen diese Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die kontrollierte Nutzung von Feuer nicht zu.

Wie Berger, gemeinsam mit Keneiloe Molopyane, Kolleginnen und Kollegen nun gegenüber CBS News (Mornings) berichten, galt und gilt die kontrollierte Nutzung des Feuers als einzigartige Leistung des Menschen. Tatsächlich hatten auch die Forschenden um Berger bislang keine Hinweise auf diese Fertigkeit von Homo naledi, bis der Forscher selbst erst im vergangenen August die teils sehr engen Gänge der Höhle erforschen konnte, nachdem er selbst 25 Kilo abgenommen hatte.


Anatomische Gesichtsrekonstruktion des Homo naledi.

Copyright: Cicero Moraes (Arc-Team) et all.

„Als wir schlussendlich erschöpft am Grund der Höhle angekommen waren, schauten wir nach oben. Da wurde mir klar, dass die Höhlendecke schwarz war. Sie war verbrannt, – bedeckt mit Ruß. All das war plötzlich und schon immer direkt vor uns, über unseren Köpfen. Wir hatten nur noch nie nach oben geschaut, weil der Untergrund so interessant war und man sich so sehr darauf konzentrieren musste.“

Für den Wissenschaftler und seine Kollegin Keneiloe Molopyane sind diese Spuren eindeutige Beweise für die Nutzung von Feuer. Molopyane gelang hinzu in unmitelbarer Nähe eine weitere faszinierende Entdeckung: „Teile von Knochen, verbrannte Knochen.“ Für die Forschenden ein Hinweis dafür, dass Homo naledi hier auch gegessen hatte.

Auf der Grundlage der zahlreichen Feuerspuren in der Höhle, gehen die Forschenden zudem davon aus, dass das Feuer hier nicht einfach nur mitgeführt, sondern auch gezielt entzündet wurde. „Und das vermutlich Hunderttausende von Jahren bevor der Mensch Feuer machte.“ (Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gehen davon aus, dass der moderne Mensch erst vor rund 32.000 Jahren lernte, Feuer selbst zu entzünden.)

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Für Berger, Kollegen und Kolleginnen stellt diese Entdeckung unsere bisherige Vorstellung von der Einzigartigkeit des (modernen) Menschen ein weiteres Mal in Frage: „Das sollte uns wirklich zutiefst darüber nachdenken lassen, wie wir uns selbst als etwas Einzigartiges auf einen hohen Sockel gestellt haben. Stattdessen zeigt uns Homo naledi nun, dass all das vielleicht schon vorher viele Male passiert ist. (…) Der Grund, warum der moderne Mensch so schädlich für seine Umwelt und Planeten ist, ist die Vorstellung davon, dass alleine wir das alles besitzen.“ Molopyane, selbst Südafrikanerin, fügt dem noch hinzu: „Lange Zeit war die Archäologie und Anthropologie in Afrika eine weiße und meist männliche Angelegenheit. Nun beginnen wir damit, als Afrikaner die Geschichte Afrikas selbst zu erzählen.”

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Homo naledi: Frühmenschenart ist deutlich jünger und lebte zeitgleich mit frühen Homo sapiens 27. April 2017
Homo naledi – Neuer Verwandter des modernen Menschen entdeckt 10. September 2015

Recherchequellen: CBS News, University of the Witwatersrand

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