Hubble-Daten bestätigen zweiten Planeten um Sonnennachbar Proxima Centauri

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Künstlerische Darstellung zweier Planeten um Proxima Centauri (Illu). Copyright: NASA (bearb.: grewi.de)

Künstlerische Darstellung zweier Planeten um Proxima Centauri (Illu).
Copyright: NASA (bearb.: grewi.de)

Austin (USA) – Gerade einmal 4,25 Lichtjahre von der Erde entfernt, ist der rote Zwergstern Proxima Centauri der unserer Sonne nächstgelegene Stern. Umkreist wird „Proxima“ von mindestens einem erdartigen Planeten und dies sogar innerhalb dessen lebensfreundlicher Zone. Die Existenz eines weiteren Planeten, einer sog. Super-Erde, galt bislang unter Astronomen noch als umstritten. Mit Hilfe alter Daten des Weltraumteleskops Hubble, konnte ein US-Astronom nun die Existenz dieses zweiten Planeten bestätigen.

Wie der emeritierte Professor Fritz Benedict vom McDonald Observatory an der University of Texas aktuell auf dem Treffen der American Astronomical Society (AAS) berichtete, hat er  Daten, die er vor über zwei Jahrzehnten mit dem Hubble-Weltraumteleskop aufgenommen hat, verwendet, um die Existenz eines anderen Planeten um den nächsten Nachbarn der Sonne, Proxima Centauri, zu bestätigen und auch die Umlaufbahn und Masse des Planeten genauer zu bestimmen.

Schon 2019 berichtete eine Gruppe unter der Leitung von Mario Damasso vom italienischen Nationalen Institut für Astrophysik (INAF), dass sie möglicherweise einen weiteren Planeten gefunden haben, der Proxima Centauri auf einer weiteren Umlaufbahn umkreist, und beschriebene diese Entdeckung ausführlich in einem im vergangenen Januar veröffentlichten Fachartikel (…GreWi berichtete 1, 2).

Diese Gruppe um Damasso verwendete Radialgeschwindigkeitsbeobachtungen, also Messungen minimalster Schwankungen des Sterns und bestimmten so, dass dieser mögliche Planet (Proxima Centauri c) den Stern alle 1.907 Tage in einer Entfernung von 1,5 Astronomischen Einheiten (AE) umkreist.

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Offene Fragen und Kontroversen um die tatsächliche Existenz dieses zweiten Planeten wollte Benedict nun mit Hilfe seiner in den 1990er Jahren durchgeführten Beobachtungen von Proxima Centauri mit dem Weltraumteleskop „Hubble“ beantworten.

Als Benedikt und seine Forschungspartnerin Barbara MacArthur ursprünglich in den 1990er Jahren Proxima Centauri studierten, suchten sie lediglich nach Planeten mit Umlaufzeiten von 1.000 Erdentagen oder weniger – ohne Erfolg. Deshalb überprüfte der Astronom diese Daten erneut, um auch nach Anzeichen von Planeten mit einer längeren Umlaufzeit zu suchen.

Tatsächlich entdeckte Benedikt dabei nun einen Planeten mit einer Umlaufzeit von etwa 1.907 Tagen, der sozusagen in den 25 Jahre alten Hubble-Daten vergraben war und legt damit eine unabhängige Bestätigung der Existenz von „Proxima Centauri c“ vor.

Kurz darauf veröffentlichte ein Team unter der Leitung von Raffaele Gratton von INAF Bilder des potentiellen Planeten an mehreren Punkten seiner Umlaufbahn, die sie mit dem SPHERE-Instrument auf dem Very Large Telescope in Chile aufgenommen hatten (…GreWi berichtete).

Benedict kombinierte nun die Ergebnisse aller drei Studien: Seine eigene Hubble-Astrometrie, Damassos Radialgeschwindigkeitsstudien und Grattons Bilder, um so die Masse von „Proxima Centauri c“ noch genauer zu bestimmen als bisher. Dabei fand er heraus, dass der Planet ungefähr siebenmal so massereich ist wie unsere Erde.

Diese Analyse zeigt die Fähigkeit, mehrere unabhängige Methoden zur Untersuchung eines Exoplaneten zu kombinieren. Jeder Ansatz hat seine Stärken und Schwächen, aber zusammen dienen sie dazu, die Existenz von „Proxima Centauri c“ zu bestätigen.

“Im Grunde ist dies eine Geschichte darüber, wie alte Daten sehr nützlich sein können, wenn Sie neue Informationen erhalten”, sagte Benedict abschließend. “Es ist auch eine Geschichte darüber, wie schwer es ist, in den Ruhestand zu gehen, wenn Sie ein Astronom sind, denn das macht Spaß!“

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Quelle: The University of Texas McDonald Observatory

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