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Ignis fatuus: Zündmechanismus des Irrlichts enthüllt

Whuan (China) – Weltweit berichten Sagen, Legenden und Märchen von kleinen Flammen, die über Mooren und Friedhöfen, im Sumpfland und an Ufern erscheinen, nächtliche Wanderer in die Irre und manchmal sogar in den Tod führen. Schon lange stehen Ausgasungen von methanhaltigem Sumpfgas im Verdacht, für die hierzulande als Irrlichter bekannten Erscheinungen verantwortlich zu sein. Wie sich das Fäulnisgas jedoch nachts und meist bei feuchten Bedingungen entzünden sollte, war bislang unklar.

Historischer Druck zeigt das auch als „Ignis fatuus“ bezeichnete Irrlicht, hier anhand einer Sichtungsschilderung 1811 in Lincolnshire.
Historischer Druck zeigt das auch als „Ignis fatuus“ bezeichnete Irrlicht, hier anhand einer Sichtungsschilderung 1811 in Lincolnshire.
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Der Zündmechanismus des Irrlichts

Wie das Team um Yu Xia von der Jianghan Universität aktuell im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS, DOI: 10.1073/pnas.2521255122) berichtet, haben sie in Experimenten nun den Zündmechanismus von „Methan-Kaltflammen“ und damit der wahrscheinlichsten Erklärung für das Irrlicht, enthüllt. Demnach komme es an der gekrümmten Grenzfläche winziger Methangasbläschen zu spontanen Entladungen. Bei Kontakt miteinander entladen sich die aufgestauten Ladungsdifferenzen, erzeugen dabei Mikroblitze und entzünden so das bläulich züngelnd verbrennende Methangas.

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Hintergrund
In alten Zeiten wurden meist Naturwesen und Geister für das Irrlicht verantwortlich gemacht. Varianten dieser Erscheinungen finden sich in nahezu jedoch europäischen lokalen Sagen- und Legendenschatz. Noch vor Jahren kannte man etwas im Saarland die Sage vom Lichtchen:

In dem Tal, das von Konz nach Scharzberg führt und das man allgemein dort „das Tälchen“ nennt, geistert „das Lichtchen“. Es zeigt sich auf dem Wege von Crettnach nach Oberemmel und Niederemmel in Gestalt einer leuchtenden Kugel, die von einer Art Gloriole umgeben ist und besonders noch an einem Hang, von dem das Volk erzählt, dass dort früher die Hexen verbrannt wurden. – An ihm zieht es entlang und schwingt sich auch über den Weg, aber ohne jemand etwas zuleide zu tun. Man will es mit diesen früheren Hexenverbrennungen in Verbindung bringen. – In dieser Gegend aber wächst auch gerade gern das Donnerkraut, am liebsten auf Pützen (Ziehbrunnen), und das ist als besonderes Heilmittel für Kinderkrämpfe beliebt.
(Quelle: Die Sagend er Saar (Karl Lohmeyer, Saarbrücken 1952)

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Die Irrlicht-Maschine

Für ihre Experimente ließen die Forschenden über eine Düse winzige Methangasblasen in einem Wasserbehälter strömen. Was dabei vor sich geht wurde mit Hochgeschwindigkeitskameras aufgezeichnet und analysiert. Wie sich zeigte, platzen die Mikroblasen bei Kontakt mit der Luft, während sich an den gekrümmten Grenzflächen zwischen dem Gas und der Flüssigkeit elektrische Ladungen akkumulieren. Durch Reibung Verschmelzen oder Teilung dieser Bläschen können Blasen mit entgegengesetzten elektrischen Ladungen entstehen. Platzen diese Blasen, können sich diese elektrischen Felder benachbarter Blasen verbinden und so spontan erneut ebenfalls in kleinen Mikroblitzen entladen. „Diese Entladungen lösen eine nichtthermische Oxidation von Methan aus, die unter Umgebungsbedingungen sowohl Lumineszenz als auch messbare Wärme erzeugt“, so Xia, Kolleginnen und Kollegen. Zudem konnten die Forschenden zeigen, dass auch andere Gas-Mischungen Mikroblitze entstehen lassen können, unter anderem Luft-Wasserstoff-Gemische.

Mikroblitze zwischen Mikroblasen: (A) Experimenteller Aufbau für Methan-Luft-Begasung mit optischem Zugang. Die Bildgebung erfolgt über ein seitlich positioniertes 20-fach-Mikroskopobjektiv, das den Blasenbereich im Tank erfasst. Pfeile markieren die Flussrichtungen. (B) Schema (oben) und Hochgeschwindigkeitsaufnahmen (unten), die zwei benachbarte Blasen beim Annähern sowie einen lokalisierten Lichtblitz bei 0,05 Millisekunden zeigen. (Maßstab: 150 µm.).Quelle/Copyright: Xia et al., PNAS 2025
Mikroblitze zwischen Mikroblasen: (A) Experimenteller Aufbau für Methan-Luft-Begasung mit optischem Zugang. Die Bildgebung erfolgt über ein seitlich positioniertes 20-fach-Mikroskopobjektiv, das den Blasenbereich im Tank erfasst. Pfeile markieren die Flussrichtungen. (B) Schema (oben) und Hochgeschwindigkeitsaufnahmen (unten), die zwei benachbarte Blasen beim Annähern sowie einen lokalisierten Lichtblitz bei 0,05 Millisekunden zeigen. (Maßstab: 150 µm.).
Quelle/Copyright: Xia et al., PNAS 2025

„Unsere Ergebnisse liefern somit eine wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen des Ignis fatuus (Irrlicht) und zeigen einen allgemeinen Mechanismus auf, durch den elektrifizierte Grenzflächen Redoxreaktionen in natürlichen Umgebungen antreiben können – ganz ohne externe Zündquelle“, so die Forschenden abschließend.

Recherchequelle: PNAS

© grenzwissenschaft-aktuell.de

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist
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