Immer mehr Wissenschaftler fordern neue, wissenschaftliche UFO-Forschung

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Symbolbild: Standbild aus einer Videoaufzeichnungen eines Navy-Kampfjets. Copyright: US Pentagon / Navy

Symbolbild: Standbild aus einer Videoaufzeichnungen eines Navy-Kampfjets.
Copyright: US Pentagon / Navy

Washington (USA) – Nachdem 2017 die angesehene „New York Times“ einen neuen Weg in der Berichterstattung über unidentifizierte Flugobjekte und Phänomene im Luftraum eingeschlagen, ein bis dahin unbekanntes UFO-Forschungsprogramm des US-Pentagon, sowie bislang drei UFO-Videos von Navy-Piloten enthüllt hatte, hat sich zumindest in den USA die Art und Weise, wie auch die großen Medien über UFOs bzw. UAPs berichten, grundsätzlich verändert. Auch immer mehr Wissenschaftler schließen sich zudem der Forderung nach einer neuen, ergebnissoffenen wissenschaftlichen Erforschung der unbekannten Flugobjekte an. In einem aktuellen Beitrag im „Scientific American“-Magazin unterstreichen nun ein Astrobiologe und ein NASA-Planetenwissenschaftler die Notwendigkeit sich dem Thema neu und ergebnisoffen zu widmen.

Schon zuvor hatte als vermutlich prominentester Wissenschaftsvertreter der besonders für seine populärwissenschaftlichen Beiträge bekannte US-Physiker Michio Kaku anhand der Berichterstattung der „New York Times“ und der neuen Offenheit der US-Navy bezüglich der UFO-Sichtungen ihrer Piloten von einem „Wendepunkt für die UFO-Forschung“ gesprochen und für eine neue Untersuchung der unbekannten Phänomene plädiert (…GreWi berichtete).

Zudem zeigte 2016 eine Umfrage unter Akademikern und Akademikerinnen, deren Arbeit von EU-Forschungsgeldern unterstützt wird, dass eine Mehrheit dieser Forscher, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eine Intensivierung und offizielle finanzielle Förderung der Erforschung unbekannter atmosphärischer Phänomene auf akademischem Niveau unterstützen (…GreWi berichtete)

Nachdem sich nun auch ranghohe US-Politiker bis hin zu US-Präsident Trump nicht zuletzt aufgrund von Fragen der nationale Sicherheit für eine Untersuchung unidentifizierter Flugobjekte und Phänomene über dem US-Hoheitsgebiet einsetzten und der Geheimdienstausschuss des US-Senats unter Marco Rubio von den Militärs und Geheimdiensten bis Ende des Jahres sogar einen nicht klassifizierten Statusbericht in Sachen UFOs angefordert hat (…GreWi berichtete 1, 2), sprechen sich nun auch ein NASA-Planetenwissenschaftler und ein Astrobiologe für eine neue wissenschaftliche Erforschung des UFO-Phänomens aus.

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“Unidentifizierte Phänomene im Luftraum (UAPs), besser bekannt als UFOs, verdienen eine wissenschaftliche Untersuchung“, betiteln Ravi Kopparapu und Jacob Haqq-Misra ihren aktuellen Artikel im „Scientific American“ (Anm. GreWi: „Scietific American“ gilt als eine der ältesten und weltweit angesehensten populärwissenschaftlichen Zeitschriften. Das deutschsprachige Gegenstück ist die Zeitschrift „Spektrum der Wissesnschaft“) und fügen hinzu: „UAPs stellen ein interessantes wissenschaftliches Problem dar. Interdisziplinäre Wissenschaftlerteams sollten sie untersuchen.“

Ravi Kumar Kopparapu (l.) und Jacob Haqq-Misra. Copyright: NASA / haqqmisra.net

Ravi Kumar Kopparapu (l.) und Jacob Haqq-Misra.
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Die beiden Autoren sind nicht nur wissenschaftsjournalistisch tätig sondern selbst auch forschende Wissenschaftler und Forscher: Jacob Haqq-Misra ist Astrobiologe am Blue Marble Space Institute of Science und Autor von mehr als 50 wissenschaftlichen Studien und Fachartikeln. Ravi Kopparapu forscht als Planetenwissenschaftler am Goddars Space Flight Center der NASA und ebenfalls Autor von annähernd 50 Wissenschaftspublikationen und Fachjournalen und Büchern.

Zwar sei die Forderung nach einer wissenschaftlichen Untersuchung des UFO-Phänomens nicht neu (die Autoren verweisen u.a. auf die Bemühungen in den 1960er Jahren, als sich selbst der bekannte Astronom Carl Sagan zwar gegen die Hypothese von UFOs außerirdischer Herkunft, dennoch aber für eine grundsätzliche wissenschaftliche Erforschung der Phänomene eingesetzt hatte), doch brauche es angesichts der neuen Informationslage neue und interdisziplinäre Ansätze. „Warum sollten sich Astronomen, Meteorologen oder Planetenwissenschaftler für diese Phänomene interessieren?“ fragen die beiden Autoren und antworten darauf: „Weil wir Wissenschaftler sind und Neugier der Grund dafür war, weshalb wir Wissenschaftler geworden sind.“

Die UFO-Videos der US-Navy

– Lesen Sie die Hintergründe HIER, HIER und HIER

Die Autoren fordern zunächst eine solide Datengrundlage, meinen damit aber weniger das sammelhafte Zusammentragen vermeintlicher UFO-Sichtungen (…wie es zahlreiche zivile UFO-Forschungsgruppen immer noch betreiben), sondern konkrete und überprüfbare Beobachtungsdaten (Radar, Foto- und Filmdokumente, Materialien usw.). Diese Daten sollten dann „einer gründlichen wissenschaftlichen Analyse durch unterschiedliche unabhängige Gruppen unterzogen werden, ganz so, wie wir auch andere wissenschaftliche Entdeckungen bewerten“ (gemeint ist u.a. das Peer-Review-Verfahren für Wissenschaftspublikationen), so Misra und Kopparapu und unterstreichen: „Als Wissenschaftler können wir nicht fluchtartig Phänomene ablehnen, ohne sie tiefgreifend untersucht zu haben aber dennoch schlussfolgern, dass das Ereignis selbst unwissenschaftlich sei.“

Ein solcher Ansatz würde dem wissenschaftlichen Anspruch widersprechen, so die Autoren weiter. „Wir schlagen daher einen rein rationalen Ansatz vor: UAPs stellen Beobachtungen dar, die verwirrend sind und auf eine Erklärung warten, ganz so wie jede andere wissenschaftliche Entdeckung auch. Die Flüchtigkeit von UAP-Ereignissen und die Unvorhersagbarkeit darüber, wann und wo es zu einem nächsten Ereignis kommt, ist vielleicht der Hauptgrund, weshalb UAPs bislang nur selten in Wissenschaftskreisen ernst genommen wurden. Wie will man aber ein Muster ohne eine grundsätzliche systematische Datenerfassung erkennen? In der Astronomie, sind Phänomene wie Gammastrahlenausbrüche, Supernovae und Gravitationswellen ähnlich unvorhersagbar. Dennoch können wir sie mittlerweile als Naturphänomene der stellaren Entwicklung erkennen.“ Auch für den Stand dieses Wissenschaftszweiges sei es notwendig gewesen, zunächst eine überprüfbare Datengrundlage und systematische Beobachtungsbemühungen zu erstellen. „Wichtig hierfür war, dass wir diese Phänomene, als sie zum ersten Mal beobachtet wurden, nicht aufgrund ihrer Flüchtigkeit und Unvorhersagbarkeit abgetan, sondern sie umso intensiver erforscht haben. Jetzt brauchen wir ähnliche Werkzeuge wie Astronomen, um UAPs zu beobachten: Radar, thermale und visuelle Beobachtungen, können hierbei enorm hilfreich sein.“

…lesen Sie auch das GreWi-DOSSIER:
Über den Umgang mit UFO-Sichtungen und offiziellen UFO-Akten in Deutschland und Europa

Als Beispiel dafür, wie eine solche sorgfältige wissenschaftliche Untersuchung aussehen könnte, zitieren die beiden Autoren den Artikel „Science in Default“ von James McDonald. Zwar teilen Kopparapu und Misra nicht die Schlussfolgerung McDonalds, laut der UFO-Erscheinungen wahrscheinlich außerirdischen Ursprungs sind, doch sei die aufgezeigte Methode ein geeignetes Beispiel für eine objektive wissenschaftliche Analyse. „Genau diesen Ansatz brauchen wir als Wissenschaftler, wenn wir diese (UFO-)Ereignisse erforschen wollen.

Der Aufsatz endet mit einem Zitat Carl Sagans, der 1969 in der Diskussion um eine wissenschaftliche Untersuchung des UFO-Phänomens schlussfolgerte: „Wissenschaftler sind besonders daran gebunden, stets eine ergebnisoffene haltung zu haben. Das ist das Lebenselixier der Wissenschaft.“ Die Autoren fügen dem hinzu: „Wir wissen nicht, was UAPs sind. Und genau das ist der Grund, weshalb wir als Wissenschaftler sie untersuchen sollten.“

– Den vollständigen Artikel „‘Unidentified Aerial Phenomena,’ Better Known as UFOs, Deserve Scientific Investigation“ von Ravi Kopparapu, Jacob Haqq-Misra finden Sie HIER




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Physiker Michio Kaku: „UFO-Forschung hat einen Wendepunkt erreicht. Jetzt muss die US-Regierung beweisen, dass diese Objekte nicht außerirdischer Herkunft sind“ 19. September 2019
Umfrage: Wissenschaftler befürworten geförderte Erforschung von UFO-Phänomenen auf akademischem Niveau 9. Februar 2016

Quelle: Scientific American

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