Ins Leben zurückgekehrt: Studie beschreibt das „Lazarus-Phänomen“

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Symbolbild: Notärzte bei der Wiederbelebung. Copyright/Quelle: Adobe Stock/Lightfield Studios / EURAC (Bearb. grewi.de)

Symbolbild: Notärzte bei der Wiederbelebung.
Copyright/Quelle: Adobe Stock/Lightfield Studios / EURAC (Bearb. grewi.de)

Bozen (Italien) –20 bis 30 Minuten nach Ausbleiben der letzten Lebenszeichen und trotz ebenso intensiver wie erfolgloser und deshalb beendeter Reanimationsbemühungen, zeigt ein Patient völlig unverhofft plötzlich wieder Lebenszeichen – atmet, hat Puls. Obwohl das Szenario ungewöhnlich erscheint, haben es schon viele Intensivmediziner erlebt. Eine aktuelle Studie hat sich dem sogenannten „Lazarus-Phänomen“ nun gewidmet. Die Erkenntnisse könnten sich auf die gesamte Notfallmedizin auswirken.

Wie das internationale Team aus Notfallmedizinern des University Hospitals Morecambe Bay Trust (Großbritannien), des Universitätsspitals Lausanne (Schweiz), des Bozner Forschungszentrums Eurac Research (Italien) und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (Österreich) aktuell im Fachjournal „Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Resuscitation“ (DOI: 0.1186/s13049-019-0685-4) berichtet, haben sie zum ersten Mal alle in der medizinischen Fachliteratur publizierten Fälle im Bereich der erweiterten Wiederbelebung durch professionelle Helfer – insgesamt sind dies seit 1982 65 Fälle – systematisch analysiert.

Dass das Phänomen kein seltenes ist, zeigen weltweite Umfragen, laut derer 37 bis 50 Prozent der befragten Anästhesisten und Intensivmediziner angeben, derartiges bereits erlebt zu haben.

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Bei ihrer Untersuchung fanden die vier Forscher Les Gordon, Mathieu Pasquier, Hermann Brugger und Peter Paal„Wir vermuten aufgrund unserer Analysen, dass das Lazarus-Syndrom viel häufiger auftritt als es in der Literatur aufscheint“, schlussfolgern die vier Autoren. Les Gordon, Mathieu Pasquier, Hermann Brugger und Peter Paal.

Hintergrund
Unter der Bezeichnung „Lazarus-Phänomen“ fassen die Wissenschaftler all jene Fälle von Notfallpatienten mit Herzkreislaufstillstand zusammen, die nach der Herz-Lungen-Wiederbelebung aufgegeben wurden und dann eine spontane Rückkehr des Kreislaufs aufzeigten. Wichtig: Es bezieht sich nicht auf die Wiederbelebung durch Laien.

Von den 65 beschriebenen Fällen hat ein Drittel (22 Personen) den Kreislaufstillstand überlebt, 82 Prozent davon – also 18 Patienten – ohne neurologische Dauerschäden. „Auch wenn es wenige scheinen, sind die Konsequenzen doch beträchtlich, wenn man an das beteiligte medizinische Personal, die Angehörigen, die rechtlichen Konsequenzen und die tägliche Anzahl der Patienten denkt, die Wiederbelebungsmaßnahmen benötigen“, unterstreichen die Forscher und führen dazu weiter aus: „Die Tatsache, dass die Mehrheit der Überlebenden keine Folgeschäden aufwies, ist von allergrößter Bedeutung.“

Aufgrund ihrer Erkenntnisse geben die vier Forscher in ihrer Studie auch eine Reihe von Empfehlungen. Die wichtigste: „Nach Beenden einer Herz-Lungen-Wiederbelebung soll ein Patient noch mindestens zehn Minuten mithilfe eines Elektrokardiagramms beobachtet und überwacht werden.“ Schließlich traten bei den 65 dokumentierten Fällen die unerwarteten Lebenszeichen im Durchschnitt nach fünf Minuten auf, die meisten innerhalb von zehn Minuten.

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Quelle: EURAC

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