Ist der Mars dazu verdammt, ein Wüstenplanet zu sein?
Chicago (USA) – Trotz zahlreicher Hinweise auf frühere zeitweilige Flüsse und Seen war der Mars offenbar von Beginn an dazu verdammt, ein Wüstenplanet zu sein. Diese Vermutung legen jetzt Daten des NASA-Rovers „Curiosity“ nahe.

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Wie das Team um Edwin Kite von der University of Chicago aktuell im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1038/s41586-025-09161-1) berichtet, hat der Rover Gesteine analysiert, die reich an sogenannten Karbonatmineralen sind – ein entscheidender Baustein im Verständnis der einstigen Klimabedingungen auf dem Mars. „Karbonate, wie Kalkstein auf der Erde, binden Kohlendioxid (CO₂) aus der Atmosphäre und speichern es dauerhaft im Gestein.“ Während dieses Prinzip auf der Erde eine zentrale Rolle für das Gleichgewicht des Klimas spielt, funktioniert dieser Kreislauf auf dem Roten Planeten offenbar nicht.
Gestörter Kohlenstoffkreislauf
Die Modellierungen der Forschenden zeigen, dass der Mars im Vergleich zur Erde ein extrem schwaches Maß an vulkanischer Aktivität besitzt. Vulkanische Ausgasung – also die Rückführung von CO₂ in die Atmosphäre – bleibt damit aus. Das störe den planetaren Kohlenstoffkreislauf massiv und führe langfristig zu einer Auskühlung. „Selbst wenn es gelegentlich ‚blühende Oasen‘ mit flüssigem Wasser gegeben haben sollte, waren diese eher die Ausnahme, als die Regel.“
Zwar belegen zahlreiche Flusstäler und ausgetrocknete Seen, dass es einst flüssiges Wasser auf dem Mars gab. Doch laut der aktuellen Studie waren diese Phasen nur kurz und wurden von über 100 Millionen Jahre andauernden Trockenperioden abgelöst. Für die Entstehung oder das langfristige Überleben von Leben ein äußerst ungünstiges Umfeld.
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Hoffnung stirbt zuletzt
Dennoch bleibt eine kleine Hoffnung: Es sei nicht auszuschließen, dass sich bis heute flüssiges Wasser in unterirdischen Reservoirs gehalten haben könnte, so Kite. Ein weiterer NASA-Rover, „Perseverance“, der 2021 in einem ausgetrockneten Flussdelta landete, hat ebenfalls Hinweise auf Karbonate gefunden. Diese könnten in zukünftigen Missionen gezielt untersucht oder sogar zur Erde zurückgebracht werden. Dieses Ziel wird sowohl die USA als auch China in den kommenden Jahren angestrebt.
Letztlich konzentriert sich die Suche aber nicht nur auf den Mars, sondern auch die fundamentale Frage, wie häufig lebensfreundliche Planeten im Universum wirklich sind. Denn bislang gibt es nur zwei Welten, auf denen Wissenschaftler Gesteine direkt untersuchen können: Mars und Erde.
Das Rätsel des Lebens allgemein
Sollten sich im Marsboden keinerlei Spuren von Mikroorganismen finden lassen – trotz nachweislich vorhandenen Wassers, so wäre das ein starkes Indiz dafür, dass Leben auf Planeten keineswegs selbstverständlich entsteht. Ein gegenteiliger Beweis – etwa fossile Spuren von urzeitlichem Leben – würde dagegen darauf hindeuten, dass die Entstehung von Leben eher einfach und vielleicht sogar häufig ist.
Sie liefert nicht nur einen neuen Erklärungsansatz für das Scheitern des Mars als lebensfreundlicher Planet, sondern zeigt auch: Das Geheimnis des Lebens – oder seines Ausbleibens – liegt vermutlich im Gestein verborgen.
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Recherchequelle: Nature
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