Keine statische Funktion: Birgt der “große Hohlraum” in der Cheopspyramide einen Thron aus Eisen?

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Blick auf die Pyramiden von Gizeh.

Copyright: Giulio Magli

Mailand (Italien) – Seit der Entdeckung eines “großen Holhlraums” oberhalb der Großen Galerie in der auch als Cheopspyramide bezeichneten Großen Pyramide von Gizeh (…GreWi berichtete), rätseln Wissenschaftler über die Funktion und den möglichen Inhalt dieser Struktur. Da der Hohlraum offenbar keine architektonisch-statische Funktion besitzt, spekuliert ein italienischer Wissenschaftler nun darüber, ob der Hohlraum einen Thron aus Eisen umgeben könnte.

Wie der Archeoastronomie-Professor Dr. Giulio Madergli vom Politecnico di Milano in einem vorab via ArXiv.org veröffentlichten Artikel ausführt, besitze der kürzlich entdeckte große Hohlraum keinerlei statische Entlastungsfunktion für die Große Galerie, da schon die sich nach oben stufenförmig verjüngende Große Galerie selbst, genau den auftretenden statischen Belastungen entgegenwirkt.

Stattdessen liefert Madergli seine eigene Interpretation, “die mit den überlieferten Begräbnisritualen übereinstimmt, wie sie sich aus den sog. Pyramidentexten ergeben. Diese Texte beschreiben, dass der (verstorbene) Pharao, bevor er die nördlichen Sterne erreicht, die ‘Tore zum Himmel’ passieren und auf einem ‘Thron aus Eisen’ platz nehmen muss.”

Die ungefähre Position und Größe des kürzlich entdeckten “großen Hohlraums” in der Cheopspyramide.
Copyright/Quelle: Giulio Magli

Im Innern der Pyramide gibt es vier enge Schächte, die auf den nördlichen Himmel (u.a. die Sternbilder Großer Wagen und Drache) ausgerichtet sind, dem “Wohnort des Pharaos nach seinem irdischen Ableben. “Zwei dieser Tunnel führen durch Öffnungen aus der Fassade der Pyramide hinaus, während die beiden anderen an kleinen Toren enden. Die südliche Tür wurde bereits zuvor mehrfach, jedoch ohne wirkliche Ergebnisse untersucht. Der nördliche Schacht bzw. dessen Sperrstein ist immer noch unerkundet.”

Während diese Sperrsteine also möglicherweise die “Tore zum Himmel” darstellen könnten, könnte der Nordschacht tatsächlich zum neu entdeckten Hohlraum führen, argumentiert der Mathematiker von der Polytechnischen Universität Mailand. “Dieser Raum könnte dann, an seiner höchsten Seite und damit exakt unterhalb der Spitze der Pyramide jenes Objekt beinhalten, das Cheops benötigte, um den Weg zu den Sternen anzutreten – der in den Pyramidentexten beschriebene ‘eiserne Thron’.”

Wie dieser “Eisenthron” aussehen könnte, leitet Madergli aus dem bekannten Thron von Cheops’ Mutter Hetepheres ab, der anhand von Fragmentfunden von Archäologen der Harvard University rekonstruiert wurde (s. Abb. r.). “Hierbei handelt es sich um einen tiefliegenden Stuhl aus Zedernholz mit Fayencen und Goldüberzug. Der Thron des Cheops könnte also ähnlich aussehen, jedoch mit Eisen verkleidet sein. Natürlich wäre dies dann geschmolzenes Eisen – Eisen, dass in Form von Meteoriten vom Himmel gefallen sein könnte, wie es in den Texten erwähnt wird. (…) Sicher ist, dass die Alten Ägypter dieses Material schon Jahrhunderte vor Cheops kannten und es immer wieder zur Herstellung und Verzierung von Gegenständen für den Pharao verwendet wurde. Ein bekanntes Beispiel ist der Dolch des Tutanchamun.”

Neben der Erläuterung seiner Hypothese präsentiert Madergli auch eine Möglichkeit, wie diese überprüft werden könnte. Hierzu müsste der Nordschacht erneut untersucht werden (s. Pyramidenskizze). “Derzeit kann nur schwer gesagt werden, ob der Nordschacht tatsächlich zu dem neu entdeckten Hohlraum führt, da die Daten dessen genaue Position bislang nur vage abbilden und nicht direkt überprüft sondern interpretiert werden müssen.”

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