Kepler-Nachfolger TESS entdeckt ungewöhnlichen Neptun um nahen Stern

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Grafische Darstellung der drei bislang mit TESS entdeckten Welten (Illu.).
Copyright: NASA’s Goddard Space Flight Center (edited by MIT News)

Cambridge (USA) – Der neue „Planetenfinder“ der NASA, das Weltraumteleskop TESS, hat seinen dritten kleinen Planeten entdeckt. Die bisherigen Daten legen eine dichte, gasförmige Welt nahe, die nur dreimal so groß ist wie unsere Erde. Die Astronomen sprechen von einem „Sub-Neptun“, der einen Stern nur 53 Lichtjahre von der Sonne entfernt umkreist.

Wie das Team um Diana Dragomir vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) aktuell auf dem Jahrestreffen der American Astronomical Society berichtet, umkreist einmal alle 36 Tage der Planet den hellen, nahezu sonnenhellen Zwergstern HD 21749 im Sternbild Reticulum (Netz), der von unserer Sonne nur 53 Lichtjahre entfernt ist.

Dafür, dass er seinen Stern relativ dicht umkreise, sei die Oberfläche des als „HD 21749b“ bezeichneten Planeten mit rund 150 Grad Celsius vergleichsweise kühl, berichten die Forscher. Bislang sei es der kühlste, um den Stern bekannte Planet.

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Die Beobachtung ist für die Astronomen unter anderem auch deshalb so interessant, da über die Atmosphären heißer Planeten bereits vergleichsweise viel bekannt sei. „Weil es aber so schwer ist, kleine Planeten mit einem weiteren Umlauf zu finden, stelle der Planet eine Möglichkeit dar, nun auch mehr über die Atmosphäre kühlerer Planeten zu erfahren.

Obwohl der Planet nur dreimal so groß ist wie unsere Erde, weist er deren 23-fache Masse auf. Es sei daher unwahrscheinlich, dass es sich um einen Gesteins- und damit potentiell lebensfreundlichen Planeten handele: „Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass der Planet gasförmig ist und eine sehr viel dichtere Atmosphäre hat als die Planeten Neptun oder Uranus in unserem Sonnensystem. Wir vermuten, dass dieses Gas etwa die Dichte von Wasser besitzt oder eine sehr dichte Atmosphäre.“

Zugleich haben die TESS-Astronomen Hinweise auf einen zweiten Planeten in dem System entdeckt, dessen Existenz es aber noch zu bestätigen gilt. Dieser Planet hätte eine Umlaufzeit von nur 7,8 Tagen und könnte der erste wirklich erdgroße Planet sein, der mit TESS entdeckt worden wäre.

Mindestens zwei Jahre lang soll das TESS-Teleskop den gesamten Himmel mit mehr als 20 Mio. sichtbaren Sternen nach Signalen dortiger Planeten absuchen. Von vielen tausend dieser Sterne erhoffen sich die NASA-Astronomen, dass sie Planeten besitzen, die von uns aus betrachtet in einem sogenannten Transit vor deren „Sonnenscheibe“ ihres Sterns vorüberziehen, während sie diesen umkreisen und so die charakteristische Abdunkelung im Sternenlicht verursachen. Nachdem bislang schon annähernd 4.000 Exoplaneten mehrheitlich vom TESS-Vorgänger, dem NASA-Weltraumteleskop „Kepler“ entdeckt wurden, erhofft sich die NASA nun auch von TESS die Entdeckung tausender neuer Planeten um nahe und ferne Sterne.

Natürlich stehen auch für die TESS-Astronomen erdgroße und damit potentiell erdähnliche Planeten im Vordergrund des Interesses. Jene Felsplaneten also, die ihren Stern innerhalb der sog. habitablen Zone umkreisen. Schon jetzt stehen 200.000 der hellsten vergleichsweise nahen Sterne im Fokus des Interesses der TESS-Astronomen. Die lebensfreundliche Zone beschreibt dabei jene Abstandsregion um einen Stern, innerhalb derer ein Planet diesen umkreisen muss, damit aufgrund gemäßigter Temperaturen, flüssiges Wasser – und damit die Grundlage zumindest des uns bekannten irdischen Lebens – auf seiner Oberfläche existieren kann. Innerhalb dieser Gruppe wiederum sind es dann natürlich besonders die uns nahen Exemplare, die im Fokus des Interesses stehen.

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