KIC 8462852: Verdunkelungen des Sternenlichts haben Ursprung in habitabler Zone


Künstlerische Darstellung eines ungleichmäßigen Staubrings um einen Stern (IIlu.).

Copyright: NASA/JPL-Caltech

Miramar (USA) – Drei neue Studien werfen ein neues Licht auf den mysteriösen fernen Stern KIC 8462852, dessen Helligkeit auf bislang unerklärte Weise immer wieder schwankt und von irgendetwas, das den Stern zu umkreisen scheint, schon um bis zu 22 Prozent abgedunkelt wurde. Bis heute rätseln selbst Astronomen und Astrophysiker darüber, was für die Helligkeitsschwankungen verantwortlich sein könnte und haben neben astrophysikalischen Ursachen sogar schon über riesige künstliche Konstrukte einer dortigen hochentwickelten Zivilisation spekuliert. Auch die neuen Untersuchungen können das Rätsel zwar noch nicht lösen, fügen diesem aber faszinierende neuen Teile hinzu.

Zunächst hatten High-Schoool-Studenten um Yao Yin und Alejandro Wilcox von der kalifornischen Thacher School auf dem Jahrestreffen der American Astronomical Society (AAS) die Ergebnisse ihrer Spektralanalysen bisheriger Verdunkelungen präsentiert – ebenso wie ein Team um Eva Bodman von der Arizona State University – und dabei vorige Analysen bestätigt, wonach die Verdunkelungen des Sterns offenbar nicht von festen Objekten verursacht werden: Planeten oder gar eine gewaltige künstliche Struktur einer hochentwickelten außerirdischen Zivilisation wären demnach unwahrscheinlich bis auszuschließen (…GreWi berichtete).

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Vielmehr handele es sich wahrscheinlich um „Staub, der den Stern wie eine Nebelwolke umkreise“, so Bodman. Das Thacher-Team zeigt sich zudem darin sicher, dass es sich zumindest bei einem Teil dieses Staubs um Material von vergleichsweise großer Korngröße handelt, wie es sich auch im interstellaren Medium – im Raum zwischen den Sternen – findet. Allerdings sei eine genauere Bestimmung derzeit nicht einfach, es fehle an den dafür geeigneten Instrumenten. „Sowohl eisiges Material als auch feinster felsiger ‚Sand‘ könnte ein ähnliches Signal erzeugen“, so Bodman. „Staub, der einzig und allein aus Kohlenstoff oder Eisen besteht, würde wiederum genau zwischen diesen Extreme fallen.“

Was auch immer dieser „Staub“ auch genau sein mag, beide Team sind sich darin einig, dass zumindest die kurzfristigen Verdunkelungen und die langsamen Abdimmungsvorgänge des Sternenlichts vom „KIC“ von unterschiedlichem Material ausgelöst wurden.

GreWi-Dossier zu KIC8462852
…die wichtigtigsten GreWi-Meldungen rund um den sonderbaren Stern finden Sie HIER

Zu noch spannenderen Ergebnissen seiner Analysen der Perioden zwischen den dokumentierten Verdunkelungen in der Helligkeit des Stern kommt der Hobbyastronom Gary Sacco gemeinsam mit Linh D. Ngo und Julien Modolo, deren Arbeit und beschreibenden Artikel die „American Association of Variable Star Observers“ (AAVSO) zur Veröffentlichung akzeptiert hatte.

Darin beschreibt Sacco seine Entdeckung einer Periodizität der Abdunkelungen von jeweils 1.574 Erdentagen (4.31 Jahre) Abstand. Diese konnte der Hobbyastronom sogar anhand von historischen Aufnahmen des Sterns von 1974 und 1935 verifizieren und auch die drei Verdunkelungen im vergangenen Jahr passen laut Seccos Ausarbeitung in dieses Muster mit Bezug zu den Helligkeitseinbrüchen, die mit dem NASA-Weltraumteleskop „Kepler“ gemessen wurden und überhaupt erst auf das bislang ebenso sonderbare wie einzigartige „Verhalten“ des Sterns aufmerksam machten.

Noch interessanter sind die Schlussfolgerungen aus der ermittelten Periodizität von 1.574 Tagen, denn sollte diese sich bestätigen, müssten die entsprechenden Verdunkelungen von Material verursacht werden, das „KIC“ in rund drei Astronomischen Einheiten (AE = Abstand Sonne-Erde) umkreist – also innerhalb der habitablen, lebensfreundlichen Zone des Sterns.

Für den Oktober 17, 2019 sagen die Autoren anhand ihres Modells das nächste größere Abdunklungsereignis von rund 16 Prozent voraus. Am 13. Oktober 2021 sollte sich das Licht von KIC 8462852 dann erneut sogar um mehr als 20 Prozent verdunkeln.

© grenzwissenschaft-aktuell.de