Kirchliche Untersuchung weinender Marienstatue findet bislang keine Hinweise auf Schwindel oder Täuschung


Die „weinende“ Bronzestatue der „Jungfrau von Guadalupe“ in der katholischen Kirche „Unserer Lieben Frau von Guadalupe“ in Hobbs, New Mexico.

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Hobbs (USA) – Seit Mitte Mai eine Bronzestatue der Heiligen Jungfrau von Guadalupe in der katholischen Kirche „Our Lady-Guadalupe“ von Hobbs im US-Bundesstaat New Mexico Tropfen einer öligen Substanz zu „weinen“ scheint (…GreWi berichtete), sorgt das „Wunder“ weltweit für ebenso viel Interesse wie Kontroversen zwischen Gläubigen und Kritikern. Die Statue selbst wird derweil zum Ziel zahlreicher Pilger. Die örtliche Diözese hat sich der Untersuchung der Vorkommnisse angenommen und eine erste Zwischenbilanz gezogen.

Wie die „Las Cruces Sun News“ unter Berufung auf Bischof Oscar Cantú von der Diözese von Las Cruces berichtet, sei eine Probe der öligen Substanz einer chemischen Analyse unterzogen worden: „Wie sich zeigte, handelt es sich dabei nicht um Tränen, sondern um parfümiertes Olivenöl“, so Cantú. „Einige Zeugen behaupten, das Öl dufte nach Rosen. Es scheint also jenem Öl zu gleichen, mit dem in unserer Kirche gesegnet und getauft wird und das zur Konfirmation und Ordination der Priester verwendet wird.“

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Allerdings bedeute der Umstand, dass es sich offenbar um kirchlich verwendetes Öl handelt nicht, dass dies einem anzuerkennenden Wunder widerspreche. Weitere Untersuchungen der Situation seien zudem noch im Gange.

Hintergrund
Seit Jahresbeginn lässt sich in amerikanischen Ländern eine Häufung an ähnlichen Erscheinungen vermeintlich weinender Marienstatuen beobachten. Während Gläubige in den weinenden Madonnen ein himmlisches Wunder in Zeiten von sozialen und politischen Krisen sehen, verweisen auch Kritiker wie Bernd Hader vom Blog der deutschen Skeptiker-Organisation (GWUP) auf diese offenkundige Parallele:

„Wenig überraschend manifestieren sich die vorgeblichen „göttlichen Zeichen“ mit Ausnahme von Panama in Ländern mit starken sozialen Spannungen, nämlich Mexiko („neue Höhepunkte des Schreckens“, „beispiellose Gewaltwelle“), Honduras („schwere politische Krise“), Nicaragua („Morde, Gewalt und Anschläge“), USA („Kampf zwischen Zukunft und Vergangenheit“), Guatemala („auf Orientierungssuche“), Kolumbien („im Spannungsverhältnis zwischen Krieg und Frieden“) und Argentinien („schwere Unruhen und Ausschreitungen“) – was zu allen Zeiten den Boden für diverse Marien-„Wunder“ bereitet hat, etwa für die „Erscheinungen“ von Medjugorje oder Fatima.“

Während Hader ein selbsterklärter Kritiker und Skeptiker von Wundererscheinungen und übersinnlichen Phänomenen aller Art ist, stellt die sicherlich richtige Beobachtung der Parallelen zwischen sozialen-und politischen Krisen weder aus Sicht der Parapsychologie bzw. Anomalistik noch für Gläubige einen Widerspruch zu einer übersinnlichen Erscheinung dar. Das genau das Gegenteil der Fall sein kann, zeigen u.a. die folgenden Ausführungen von Bischof Cantú.

Bislang, so zitiert die „Sun News“ den Bischof weiter, habe die Untersuchung versucht, natürliche Erklärungen für die „weinende Statue“ zu finden. Neben der Analyse der „Tränen“ wurde auch die Bronzeskulptur selbst eingehend untersucht:

„Wir haben auch das Innere der hohlen Statue begutachtet. Darin gibt es allerdings nichts, das dort nicht sein sollte – mit Ausnahme von Spinnenweben.“ Gemeinsam mit dem Hersteller des Marienbildes habe man ebenfalls nach weiteren möglichen Erklärungen, etwa Rückstände der Produktion – wie Reste vn Wachs, das beim Gießen der Statuen verwendet wird. Allerdings entstünden bei der fraglichen Herstellungsprozedur derart hohe Temperaturen, die dieses Wachs vollständig auflösen, so die Firma.

In einem nächsten Schritt wollen die Falluntersucher nun „menschliche Ursachen“ für die öligen Tränen der Statue untersuchen – also auch die Möglichkeit eines gezielten Schwindels. „Selbst wenn es sich um einen Schwindel handeln sollte, so konnten wir bislang keine Hinweise dafür finden und wissen nicht, wie dieser durchgeführt worden sein soll. Zumindest im Innern der Statue gibt es nichts, was diese Vorstellung stützt“, so Cantú weiter.

Sollte die Kirche die Tränen der Statue der „Lieben Frau von Guadalupe“ (der Staatsheiligen Mexikos) als übernatürliche Erscheinung anerkennen, werde dann in einem nächsten Schritt zu klären sein, ob es sich um ein göttliches oder dämonisches Wunder handelt. Eine solche Einschätzung werde dann anhand der „Früchte dieses Phänomens“ entschieden, erklärte der Bischof. Schon jetzt aber hätten schon einige Menschen von positiven Effekten als Folge ihres Besuchs der Statue berichtet:

„Ich habe die meisten dieser Zeugnisse gelesen. Es handelt sich um Berichte von starkem Glauben, Berichte von Menschen die großem Leid in ihrem Leben ausgesetzt waren und die aus der Vorstellung davon, dass Maria unter Tränen unter uns weilt, starken spirituellen Trost ziehen. Ich kann mir nicht helfen, aber ich denke da an meine eigenen Tränen für jene armen Menschen, die zu unseren Landesgrenzen kommen, um lebensbedrohlichen Situationen in ihrer Heimat zu entfliehen. Ich denke an die Tränen jener Kinder, die von ihren Familien an unseren Grenzen getrennt wurden. Es gibt so viele Gründe, warum wir alle weinen sollten. Gott steht uns aber in diesen Momenten bei.“

Zum Thema

Schlussendlich liege die Entscheidung über die Anerkennung eines kirchlichen Wunder zwar bei ihm, doch werde er ganz sicher auch „die Weisheit von Papst Franziskus“ (sic.) in seine Entscheidung miteinbeziehen, so der Bischof abschließend.

– Die Webseite der Katholischen Kirche Unserer Heiligen Jungfrau von Guadalupe finden Sie HIER

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