Knochenfunde belegen Lebensart der Denisova-Menschen in Tibet

Der Eingang zur Baishya-Karsthöhle Copyright/Quelle: Lanzhou University
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Der Eingang zur Baishya-KarsthöhleCopyright/Quelle: Lanzhou University

Der Eingang zur Baishya-Karsthöhle.
Copyright/Quelle: Lanzhou University

Reading (Großbritannien) – Knochenfunde in einer Karsthöhle zeigen, dass die heute ausgestorbene Denisova-Menschen auch im tibetischen Hochland lebten und wovon sich die heute ausgestorbene Menschenart, die ihren Lebensraum einst auch mit modernen Menschen und Neandertalern teilten, ernährten.

Wie das Team um Dr. Huan Xia von der Lanzhou University aktuell im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1038/s41586-024-07612-9) berichtet, zeigen die Funde die Anwesenheit der Denisova in der tibetischen Hochebene für etwa 160.000 Jahre. Da bislang nur wenige Denisova-Funde an zwei Orten gemacht wurden, ist erst wenig über diese Menschenart bekannt. Mit einem datierten Alter von 48.000 bis 32.000 Jahren sind die nun in der Baishya-Karsthöhle gemachten Funde von Fragmenten von Denisova-Knochen die bislang jüngsten Denisova-Funden weltweit.

Hintergrund
Bereits 2019 berichteten Wissenschaftler von der Entdeckung eines 160.000 Jahre alten Denisova-Unterkiefers in der Baishya-Karsthöhle. neben der namensgebenden Denisova-Höhle in Sibirien, ist die Baishya-Höhle bislang erst der zweite Fundort von Denisova-Fossilien weltweit (…GreWi berichtete).

Innerhalb der Karsthöhle konnte das Team unter der Leitung der chinesischen Lanzhou University gemeinsam mitg Kolleginnen und Kollegen der Universitäten von Kopenhagen und Reading und dem chinesischen Institute of Tibetan Plateau Research (CAS) mehr als 2.500 Knochen neben den Denisova-Menschen unterschiedlichen Tierarten zuordnen, die offenbar die Nahrung der Denisova darstellten.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Denisova Jäger waren, die sich von einer großen Bandbreite an Tieren ernährten, ihre Beute geschlachtet, zubereitet und aus ihren Knochen offenbar auch Werkzeuge erstellt haben“, erläutert der Zooarchäologe Dr. Geoff Smith von der University of Reading. „Die Studie liefert neue Informationen über das Verhalten und die Anpassungsfähigkeit der Denisova sowohl in Höhenlagen als auch unter sich verändernden klimatischen Bedingungen. Tatsächlich beginnen wir aber erst damit, das Verhalten dieser einzigartigen Menschenart zu verstehen.“

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Die Untersuchungen der Knochenfunde zeigt, dass es sich bei den meisten Fragmenten um die von Blauschafen (Bharal) handelt. Zudem fanden die Forschenden Knochen wilder Yaks, von kleinen Wildpferden (Equidae), dem heute ausgestorbenen Wollhaar-Nashorn und von Tüpfelhyänen. Hinzu konnten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Knochen kleiner Säugetiere und Vögel identifizieren.

Die in der Baishya-Höhle gefundene Densiova-Rippe.Copyright/Quelle: Xia et al. Nature (2024). DOI: 10.1038/s41586-024-07612-9

Die in der Baishya-Höhle gefundene Densiova-Rippe.
Copyright/Quelle: Xia et al. Nature (2024). DOI: 10.1038/s41586-024-07612-9

Der Fund und die Datierung einer Denisova-Rippe mit einem Alter von zwischen 48.000 und 32.000 Jahren lege zudem nahe, dass die Denisova noch zu einer Zeit im Tibet-Hochland lebten, als sich auch schon moderner Menschen in Eurasien ausbreiteten. Entsprechend müssen die auch Denisova zwei Kälteperioden sowie eine wärmere Periode zwischen dem mittleren und dem späten Pleistozän überlebt, sich also an diese klimatischen Veränderungen angepasst haben.

„Zusammen zeigen die Fossilienfunde wie auch deren molekulare Analysen, dass die Ganjia-Ebene, in der sich die Baishiya-Höhle befindet, den Denisova trotz ihrer Höhenlage offenbar eine relative stabile Umwelt bot“, erläutert Dr. Frido Welker von der Universität Kopenhagen. „Umso interessanter ist nun die noch offene Frage, warum die Denisova dann auch auf dem Tibet-Plateau ausgestorben sind.”

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Recherchequelle: Nature, University of Reading

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