Kornkreise 2018: Die Muster von Mitte Mai bis Mitte Juni

Saarbrücken (Deutschland) – Seit der letzten GreWi-Meldung zum ersten Kornkreis der Saison 2018 in England, ist schon wieder ein Monat vergangen. Zeit, um die seither entdeckten Kornkreise in der bekannten, kurz kommentierten Weise Revue passieren zu lassen.

Nach dem ersten britischen Kornkreismuster im Raps nahe Willoughby Hedge in Wiltshire (…GreWi berichtete), wurde im Mai in England nur noch ein weiteres Kornkreismuster entdeckt – so wenig Kornkreise wie selten zuvor in einem Mai. Die am 26. Mai entdeckte Formation bestand aus einer kreuzförmigen Anordnung von Kreisen und Halbmondsicheln in einem Feld junger Gerste in Buckland Down unweit der Kreidefelsfigur des Cerne Abbas in der südenglischen Grafschaft Dorset.


Copyright: Steve Alexander, temporarytemples.co.uk

Während die einen das Muster feiern, verweisen andere auf eher überladen wirkende und unharmonische Proportionen der Formation. Auch angesichts der Kornkreise gibt es unterschiedliche Geschmäcker. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Musters fand offenbar indes nicht statt.

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Zuvor wurde am 16. Mai in einer Grasfläche nahe Breda in der niederländischen Provinz Noord-Brabant ein großer Hauptkreis mit einem Schwanzansatz aus acht kleineren Kreisen entdeckt.


Copyright/Quelle: Alexander Vingerhoeds / Robbert v.d. Broeke

Erneut ging der Entdeckung die Vorahnung des Mediums Robbert van den Broeke voraus. Vor Ort sehen einige Betrachter in unzerstörten Löwenzahn-„Pusteblumen“ ein Zeichen dafür, dass diese Formation nicht mit bekannten mechanischen Mitteln erzeugt wurde. Anderseits zeigen die selben Aufnahmen auch schirmfreie Blüten, die auf eine mechanische Einwirkung sprechen.

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Das erste Juni-Muster wurde dann am 2. Juni in einem Gerstenfeld am White Way, nahe Baunton in der Grafschaft Gloucestershire entdeckt: Das innere eines zentralen Kreises war schachbrettartige niedergelegt und dieser von drei unterschiedlich breiten konzentrischen Außenringen umgeben.


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Die ungewöhnlich breiten Saatreihen verleihen schon dem normalen Feld einen ungewöhnlich strukturierten Eindruck, der sich im Wechselspiel mit den niedergelegten Flächen noch verstärkt. Auch hier liegen bislang keine weiteren Informationen über eine Detailuntersuchung am Boden vor.

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Einen Tag später, am 3. Juni wurde dann ein weiterer dreifach umringter Kreis in einem Gerstenfeld nahe Bishops’s Cannings in Wiltshire entdeckt.


Copyright/Quelle:
cropcircleconnector.com

Aufgrund unklarer Umstände in der Frage, ob der Bauer den Zutritt zur Formation genehmigt, fand bislang keine Untersuchung der Formation am Boden statt.

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Am 4. Juni wurde dann am in einem Feld am Ackling Dyke, nahe Sixpenny Handley in der Grafschaft Dorset die erste sog. Großformation des Jahres entdeckt.


Copyright: Steve Alexander, temporarytemples.co.uk

Während auch hier viele Kornkreisenthusiasten das auf den ersten Blick erstaunliche Muster feierten und nach einer möglichen Bedeutung der Symbolik suchen, offenbar schon ein zweiter Blick viele Ungenauigkeiten in der geometrischen und ästhetischen Ausführung des „Siebensterns mit Bordüre“, die kritische Kornkreisforscher an der Echtheit des Musters zweifeln lassen. Wer sich die Elemente des Außenrandes genauer betrachtet und miteinander vergleicht, findet diese Ungenauigkeiten recht schnell.

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Am 10. Juni sorgte dann eine kleine zunächst unscheinbare Kornkreisformation bei Uster in der Schweiz vor allem für ein medienwirksames landesweites Interesse. Während Lokalmedien von einem „übermenschlichen Werk“ oder dem „Werk von Außerirdischen“ sprachen und dem Kornkreis eine extrempräzise Geometrie bescheinigten (???), überzeugte das ästhetisch wenig ansprechende kleine Muster Kornkreiskenner kaum.

Und doch kam alles anders: „Auch eine ordentliche Bewertung und Einschätzung eines neuen Kornkreismusters braucht seine Zeit. Dennoch waren schon kurz nach Bekanntwerden des Kornkreises vermeintliche ‚Experten‘ zugegen und willens, den Kornkreis Kameras und Lokalreportern gegenüber einfach als ‚echt‘ und dann auch noch ‚außerirdisch‘ zu bezeichnen – ohne dafür auch nur ansatzweise Gründe und Argumente zu liefern. Schon die Ästhetik dieses Versuchs hätte zur Vorsicht mahnen müssen“, kommentiert und kritisiert der deutsche Kornkreisforscher, Sachbuchautor und GreWi-Herausgeber Andreas Müller. Tatsächlich outete sich schon wenige Tage nach dem Medienrummel das Schweizer Web-Magazin ‚Izzy‘ mit einem komödiantischen Video dahingehend, den Kornkreis angelegt zu haben – und konnte dies auch anhand von Bildern und Vorabplänen glaubhaft belegen. Die ganze Aktion selbst habe in Sachen neue Erkenntnisse über das Kornkreisphänomen allerdings keinerlei Beitrag geleistet, so Müller: „Schließlich bezweifelt ja eigentlich niemand, dass Kornkreise wie im aktuellen Fall, mechanisch angelegt werden können. Auf die Frage ‚wie Kornkreise wirklich entstehen‘, liefert das Video trotz der entsprechenden Behauptung im Titel des Filmchens jedoch keinerlei Antworten. So entstehen von Menschen gemachte Kornkreise – vielleicht noch vom Phänomen inspirierte Kunst. Mehr aber auch nicht.“ Einen aus Forschersicht bitteren Beigeschmack hinterlasse hier aber auch der Feldbesitzer, „der mit den Kornkreismachern von Anfang an gemeinsame Sache gemacht und (siehe Aussage des Bauern im Bekennervideo) sogar schon vorweg zugesagt hatte, bei eventuellen Anfragen von Seiten der Medien oder Interessierten einfach mal so zu behaupten, dass er von nichts wisse“, kritisiert Müller weiter. „Er hat durch seine gespielten Aussagen über die Unmachbarkeit und angebliche Präzision des Musters, den Hype darum sogar noch befeuert – obwohl er es besser wusste. Schade einfach! (…) Mit einer solchen Situation sind wir leider immer wieder konfrontiert. Lügen dieser Art erschweren und behindern schlichtweg jeden Ansatz einer sauberen Hintergrundrecherche.“ Schlussendlich müssten sich hier also nicht nur die „Kornkreis-Komödianten von Izzy“, sondern auch jene gefallen lassen, die den Kornkreis völlig unreflektiert und ohne Zögern als ‚echt‘ und ‚außerirdisch‘ erklärt haben, so Müller. „Aber auch alle die, die die Aktion nun einmal mehr als wohlfeile finale Antwort auf das viel komplexere Phänomen Kornkreise feiern.“

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Der nächste Kornkreis in England wurde dann am 9. Juni 2018 in einem Feld zu Füßen des Hackpen Hill in Wiltshire entdeckt.


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Das Muster wirkt zunächst komplex, offenbart aber schon schnell zahlreiche geometrische Fehler in der Ausführung. Bis heute durfte das Feld jedoch nicht betreten werden, da es sich um eine Ertragsfläche mit einer speziellen und teuren Experimentalsorte handelt. Erst ab dem 14. Juni dürfen Besucher und Forscher das Feld betreten. „Für eine ordentliche und vor allem aussagekräftige Untersuchung des dann schon fast eine Woche alten Kornkreises am Boden und im Detail ist das leider schon zu spät“, erläutert Andreas Müller.

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In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni will auch Robbert van den Broeke wieder eine Vorahnung zu einem neuen Kreis gehabt haben, der dann am nächsten Morgen auch entdeckt werden konnte und in seiner Form an die klassischen Hantelpiktogramme der 1990er Jahre erinnert.


Copyright/Quelle: Robbert v.d. Broeke

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Einen Tag später wurde bei Keysley Down, nahe Chicklade in Wiltshire die nächste Formation, eine sog. Triskele in einem Gerstenfeld entdeckt. Hier verbietet der Bauer bislang noch jeglichen Zutritt.


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Zumindest interessant fällt hier die Platzierung und Proportion des Musters mit Bezug auf zwei Grabhügel im gleichen Feld auf, wie sie die Dreigliedrigkeit des Kornkreismusters selbst wieder aufnimmt.

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Am 11. Juni wurde dann der bislang jüngste und zugleich erste Kornkreis des Jahres in Frankreich, nahe Sarraltroff, im Departement Moselle entdeckt. Es ist mittlerweile schon die siebte Formation, die in der hiesigen Gegend nahe Sarrebourg seit 2006 gefunden wurden.


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Le Republicain Lorrain

„Und die meisten weisen nicht nur eine ähnliche Geometrie und Formensprache auf“, erläutert Müller, der selbst auch schon einige dieser sieben Kornkreise in Frankreich begutachten konnte: „Sie haben auch sonst viele gemeinsame Eigenschaften und Merkmale, die für mich eindeutig für Menschenwerk sprechen. Die einzelnen Elemente sind zusammengedrückt und es finden sich in der geometrischen Ausführung überall Fehler, die mir sogar zeigen, mit welchen Mitteln hier offenbar immer wieder die selben Kornkreisfälscher die immer wieder gleichen Fehler machen.“

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