Krähen stellen Werkzeuge aus mehreren Komponenten her

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Eine Geradschnabelkrähe benutzt einen Stab als Werkzeug.
Copyright: Auguste von Bayern

Seewiesen (Deutschland) – Krähen sind für ihre Intelligenz und Fähigkeit bekannt, Werkzeuge nicht nur zu nutzen, sondern diese auch selbst herzustellen. In neuen Experimenten haben Vogelkundler nun beobachtet, dass die intelligenten Vögel Werkzeuge sogar aus mehreren Komponenten zusammenstellen können. Das Verbinden mehrerer einzelner Komponenten zu einem neuen, funktionsfähigen Werkzeug wurde bisher nur bei Menschen und Affen beobachtet.

Wie das internationale Team von Wissenschaftlern um Auguste von Bayern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie und Alex Kacelnik von der University of Oxford aktuell im Fachjournal „Scientific Reports“ (DOI: 10.1038/s41598-018-33458-z) berichtet, haben herausgefunden, dass Geradschnabelkrähen (Corvus moneduloides) mehrere, für sich alleine zu kurze Elemente kombinieren, um an einen Leckerbissen heran zu kommen. Derartige Fähigkeiten wurden bislang nur bei Menschen und Menschenaffen beobachtet. „Die Krähen können also neuartige Probleme schnell und flexibel lösen“, schlussfolgern die Forscher. Welche Vorgänge dabei im Gehirn ablaufen, sei jedoch noch unklar.

Anthropologen sehen in der Entstehung dieser Fähigkeit bei unseren Vorfahren einen wichtigen evolutionären Schritt des menschlichen Gehirns. „Auch in der menschlichen Indiviualentwicklung treten ähnliche Fähigkeiten erst spät auf“, berichten die Autoren der Studie. „Babys beginnen ungefähr im Alter von 18 Monaten, Werkzeuge zu benutzen. Jedoch fangen sie erst im Alter von ca. fünf Jahren an, neue Werkzeuge zu erfinden, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Das Gehirn muss sich die neuen Objekte dafür vermutlich zunächst in Gedanken vorstellen und dann die Ausführung planen. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Verbundwerkzeuge erst spät in der kulturellen Entwicklung des Menschen aufgetaucht sind und möglicherweise mit der Entwicklung von komplexem Bewusstsein und Sprache einhergehen.“

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In ihren Experimenten haben die Wissenschaftler acht Geradschnabelkrähen eine Kiste präsentiert, die diese zuvor noch nie gesehen hatten. Die Kiste enthielt einen kleinen Behälter mit einem Leckerbissen, der hinter einer durchsichtigen Tür mit einem Spalt für die Schnäbel nicht zu erreichen war: „Zu Beginn der Versuchsreihe stand den Tieren ein langer Stab zur Verfügung, den sie durch den Spalt in die Kiste stecken konnten, um damit das Futter durch eine seitliche Öffnung heraus zu schieben. Alle acht Vögel schafften das ohne Schwierigkeiten. Dann platzierten die Wissenschaftler das Futter nach hinten in die Box und stellten den Krähen verschiedene längliche und hohle Elemente zur Verfügung, die diese zusammenstecken konnten. Für sich alleine waren sie aber zu kurz, um bis zum Futter zu reichen.“

Nur wenn die Krähe die einzelnen Stäbchen aneinanderfügt, kann sie an das Futter in der Kiste herankommen (Illu.).
© Alice Auersperg und Caitlin Hamilton

Am Ende des Experiments mit fünf Schwierigkeitsstufen blieb immerhin noch ein Vogel übrig, der Werkzeuge aus drei und sogar vier Einzelteilen bastelte. “Dieses Ergebnis ist bemerkenswert, denn die Geradschnabelkrähen bekamen keine Hilfe und auch kein Training, um diese Werkzeuge zu bauen, sie haben ganz alleine herausgefunden, wie sich das Problem lösen lässt”, kommentiert v.Bayern.

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Die zugrundeliegende mentale Verarbeitung konnten die Forscher mit diesem Versuch allerdings noch nicht klären. Dazu Alex Kacelnik: “Die Ergebnisse zeigen, dass diese Tiere ausgeprägte flexible Fähigkeiten haben, mit denen sie in der Lage sind, neuartige Probleme schnell zu lösen. Eventuell simulieren sie das Problem, in dem sie mögliche Abläufe im Gehirn wieder und wieder durchspielen. Haben sie eine funktionierende Möglichkeit entdeckt, führen sie diese dann aus.”

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Die Tatsache, dass Geradschnabelkrähen Verbundwerkzeuge erstellen können, bedeute aber nicht, dass die zugrunde liegenden Prozesse im Gehirn die gleichen sein müssen, wie bei Menschen oder Menschenaffen. Für die Wissenschaftler eröffnet sich aber damit eine Möglichkeit, die gedanklichen Prozesse, die für das Erfinden und den Bau von neuen Werkzeugen nötig sind, weiter zu erforschen.

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