Künstliche Intelligenz bestätigt unbekannten menschlichen Vorfahren

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Symbolbild: Neandertaler-Genom (Illu.).
Copyright: Erstellt von grewi.de mit Material von: Gerald (via Pixabay.com / CC0) und Jononmac46 (via WikimediaCommons / CC BY-SA 3.0)

Barcelona (Spanien) – Schon seit einigen Jahren zeigen Funde und Genomanalysen nicht nur, dass sich moderne Menschen sowohl mit Neandertalern als auch mit Denisova-Menschen, sondern auch noch mit einer dritten, bislang unbekannten Art vermischt haben. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) haben Genetiker dies nun nicht nur bestätigt, sondern glauben auch mehr über den unbekannten Vorfahren herausgefunden zu haben.

Schon 2010 und 2013 bestätigten Wissenschaftler um David Reich von der Harvard Medical School und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, dass es vor mehr als 30.000 Jahren in jenen Gegenden Europas und Asiens, in denen sich die Lebensräume der vier Menschenarten überlagert hatten, zu der Vermischung der vier Menschenarten (Homo sapiens, Neandertaler, Denisova und der unbekannten Art) gekommen sein muss.

Schon die ersten Analysen der Genome von Neandertalern und Denisova-Menschen hatten revolutionäre Auswirkungen auf unser Wissen über die Vorgeschichte der Menschheit – zeigten sie doch auf, dass sich die beiden Arten mit den anatomisch bereits modernen Menschen vermischt und so zur heute existierenden genetischen Vielfalt beigetragen haben.

Alle Menschen, deren Vorfahren von außerhalb Afrikas stammen tragen demnach noch heute durchschnittlich etwa 2% Neandertaler-Gene in sich. Einige Populationen im ozeanischen Raum (bspw. auf Papua-Neuguinea und die australischen Aborigines, weisen rund 4% Gene jener Menschenart auf, die aufgrund des Fundortes ihrer Überreste – der Denisova-Höhle im sibirischen Altai-Gebirge (…GreWi berichtete) – als Denisova-Menschen bzw. Denisovaner bezeichnet werden. Wer und was jedoch der unbekannte Dritte im Bunde war, war bislang noch unklar.

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Die Analyse des Denisova-Genoms legte nahe, das die Denisovaner sich sowohl mit Neandertalern als auch mit den Vorfahren jener Menschen vermischt haben, die heute in China und anderen Teilen Asiens und Ozeaniens leben, berichtete damals “Nature.com“. Zum Erstaunen der Wissenschaftler fanden sie aber auch Hinweise darauf, dass sich die Denisova vor rund 30.000 Jahren in Asien auch mit einer anderen, heute ausgestorbenen bislang jedoch gänzlich unbekannten archaischen Menschenpopulation vermischt haben, bei der es sich aber weder um die Vorfahren moderner Menschen noch um Neandertaler handelte.

Durch die Kombination von Deep-Learning-Algorithmen und statistischen Methoden haben Forscher um Jaume Bertranpetit, Osca Lao vom Institut für Evolutionsbiologie am Centro Nacional de Análisis Genómico (CNAG-CRG) und dem Centre for Genomic Regulation (CRG) und Mayukh Mondal vom Institut für Genomik an der Universität Tartu im Genom asiatischer Individuen nun den Fußabdruck dieses „neuen“ Hominiden ebenfalls identifiziert, der sich vor zehntausenden von Jahren mit unseren Vorfahren vermischte.

Das Ergebnis dieser KI-Analyse der menschlichen DNA deutet darauf hin, dass die ausgestorbene Spezies eine Kreuzung aus Neandertalern und Denisovaner war und mit modernen Menschen aus Afrika in Asien gekreuzt wurde.

Wie die Wissenschaftler aktuell im Fachjournal „Nature Communications“ (DOI: 10.1038/s41467-018-08089-7) berichten, stützt auch die im vergangenen Sommer gemachte Entdeckung eines Fossils mit diesen Eigenschaften das Ergebnis der Studie – zeigte doch eine genetische Analyse, dass es sich bei dem Individuum um das Kind einer Neandertaler-Mutter und eines Denisova-Vaters handelte (…GreWi berichtete). Da davon auszugehen ist, dass es sich bei diesem Kind sicherlich nicht um einen Einzelfall gehandelt hatte, untermauere der Fund die Hypothese einer dritten Art oder Population, die nicht nur mit dem modernen Menschen koexistierte, sondern sich auch mit ihm paarte und uns Menschen so zu dem machte, was wir heute sind.

Es war das erste Mal, dass KI-Algorithmen zur Untersuchung der menschlichen Evolution eingesetzt wurde. Von weiteren Analysen erhoffen sich die Forscher schon bald weiter Aufschlüsse darüber, in welche Beziehung diese unbekannte Art zu den anderen archaischen Populationen stand.

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