Lebensfreundlicher Saturnmond: Beprobung der Enceladus-Föntänen ist aussagekräftig

Künstlerische Darstellung der geysir-artigen Fontänen am Südpol des Saturnmondes Enceladus (Illu.). Copyright: NASA
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Künstlerische Darstellung der geysir-artigen Fontänen am Südpol des Saturnmondes Enceladus (Illu.).Copyright: NASA

Künstlerische Darstellung der geysir-artigen Fontänen am Südpol des Saturnmondes Enceladus (Illu.).
Copyright: NASA

San Diego (USA) – Bei der Suche nach möglichen Orten für außerirdisches Leben im und jenseits unseres Sonnensystems konzentriert sich die Wissenschaft zunächst auf jene Orte, an denen auch das einzige uns bislang bekannte Leben überdauern und gedeihen könnte. Notwendig für erdartiges Leben sind dabei an erster Stelle drei Komponenten: Wasser, Energie und organisches Material. Alle drei scheinen auf dem Saturnmond Enceladus vorhanden. Ob aber der Nachweis von organischem Material in dessen Fontänen belastbar ist, war bislang unklar.

Neben dem Vorhandensein der drei Grundvoraussetzungen für Leben macht auch ein weiteres Merkmal von Enceladus den Saturnmond zu einem idealen Kandidaten für die Suche nach außerirdischem Leben in unserem eigenen Sonnensystem: Aus geysir-artigen Fontänen wird Wasser, das einem unter dem kilometerdicken Eispanzer des Mondes verborgenen flüssigen Salzwasserozean stammt, mit bis zu 400 km/h ins All gepresst. Diese Fontänen bieten also eine einzigartige Möglichkeit, den verborgenen Enceladus-Ozean direkt zu untersuchen, ohne direkt in ihn vorstoßen zu müssen. Tatsächlich gelang es schon der Raumsonde „Cassini“ die Enceladus-Fontänen direkt zu durchfliegen und so wertvolle Daten und Hinweise auf wichtige organische Bestandteile darin zu liefern.

Bislang war allerdings nicht klar, ob es nicht auch gerade der gewaltige Druck und die damit einhergehende Geschwindigkeit, auf welche die Wasserpartikel beim Ausstoß gebracht werden sind, die nicht auch zur Fragmentierung jeglicher in den Wassereispartikeln befindlicher organischer Bestandteile führen könnte und so Messungen verzerren würde.

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Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen um Professor Robert Continetti von der University of California in San Diego konnten nun in Laborexperimenten nachweisen, dass etwa Aminosäuren die Verhältnisse in den Fontänen überdauern würden. Wie die Forschenden aktuell im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.2313447120) berichten, belegen die Ergebnisse der Experimente die Wert- und Gültigkeit der Cassini-Messungen und Nachweise organischer Stoffe im Enceladus-Ozean.

Schon im kommenden Jahr will die NASA ihre nächste Mission ins Jupiter-System und dort gezielt zum dortigen Eismond Europa senden, der ebenfalls über einen unter dem Eispanzer verborgenen und vermutlich lebensfreundlichen Wasserozean verfügt. Auch und gerade für diese Mission könnte das neue Analyseverfahren zum Verhalten von Partikeln unter Druck- und Geschwindigkeiten interessant werden.

“Um herauszufinden, auch welche Arten des Lebens wir vielleicht in unserem eigenen Sonnensystem treffen könnten, müssen wir mehr über die möglichen Fingerabdrücke des Lebens in diesen Systemen wissen, so Robert Continetti „Unsere Arbeit zeigt, dass dies auch schon anhand der Enceladus-Fontänen möglich ist.“

Continettis Forschung wirft auch interessante Fragen für die Chemie selbst auf, einschließlich der Frage, wie Salz die Nachweisbarkeit bestimmter Aminosäuren beeinflusst: Vor dem Hintergrund, dass der Enceladus-Ozean das Vielfache des Wassers in den irdischen Ozeanen beinhaltet. „Da Salz die Eigenschaften von Wasser als Lösungsmittel sowie die Löslichkeit verschiedener Moleküle verändert, könnte dies bedeuten, dass einige Moleküle auf der Oberfläche der Eiskörner zusammenballen, was ihre Entdeckung wahrscheinlicher macht. (…) Die Auswirkungen, die dies auf die Suche nach Leben an anderen Stellen im Sonnensystem ohne Missionen zur Oberfläche dieser Ozeanwelten hat, sind sehr aufregend, aber unsere Arbeit geht über Biosignaturen in Eiskörnern hinaus“, erklärt Continetti. „Es hat auch Auswirkungen auf die fundamentale Chemie. Wir sind begeistert von der Aussicht, in die Fußstapfen von Harold Urey und Stanley Miller zu treten und die Bildung der Bausteine des Lebens durch chemische Reaktionen zu untersuchen, die durch den Aufprall von Eiskörnern aktiviert werden.“




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Recherchequelle: University of California San Diego

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