Lucides Sterben: Studie belegt klare Nahtoderfahrungen während Wiederbelebung

Symbolbild. Copyright: sasint (via Pixabay.com) / Pixabay License
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Chicago (USA) – Dass viele Menschen in Extremsituationen eine sogenannte Nahtoderfahrung machen, ist hinlänglich bekannt und vielfach dokumentiert. In einer neuen Studie zeigen Bewusstseinsforscher nun, dass auch Menschen während Herz-Lungen-Wiederbelebung rhythmische Hirnwellenmuster aufweisen können, die denen während einer Nahtoderfahrung gleichen.

Wie das Team um Prof. Dr. Sam Parnia von der NYU Grossman School of Medicine aktuell auf dem Kongress „American Heart Association’s Scientific Sessions 2022“ am 6. November 2022 in Chicago berichtete, beschreiben mindesten einer von fünf Patienten, die nach einem Herzstillstand eine Herz-Lungen-Wiederbelebung überleben, eine Klarerfahrung ihres vermeintlichen Sterbens, während sie oberflächlich betrachtet eigentlich bewusstlos und an der sprichwörtlichen Schwelle des Todes sind.

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen insgesamt 567 Männer und Frauen untersucht, deren Herzen während einem Aufenthalt in einer britischen oder US-amerikanischen Klinik (zw. 2017 und 2020) plötzlich stillstand und die durch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (cardiopulmonary resuscitation, CPR) erfolgreich wiederbelebt werden konnten.

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Von diesen Überlebenden berichtete jeder fünfte von einer Klar-Erfahrung während der Zeit der eigentlich bewusstlosen Wiederbelebung, innerhalb derer sie beispielsweise das Gefühl hatten, ihren Körper zu verlassen, die Ereignisse ohne Stress und Schmerzen zu beobachten oder auch ihr bisheriges Leben zu bewerten, darunter auch ihre Handlungen, Absichten und Gedanken gegenüber anderen. Wie die NYU-Pressemitteilung erläutert, unterscheiden sich auch die Merkmale dieser Erfahrung (ähnlich wie Nahtoderfahrungen) von Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Illusionen, Träume oder Wahrnehmungen während CPR-induzierter Bewusstseinszustände.

Teil der Studie waren auch Untersuchungen zu verdeckter Hirnaktivität während der Wiederbelebung. Als Ergebnis dieser Analysen konnten die Forschenden Höhen im Verlauf der Hirnmuster (sogenannte Gamma-, Delta-, Theta-, Alpha- und Beta-Wellen) aufzeigen, die bis zu einer Stunde während der CPR anhielten. „Einige dieser Hirnwellen, stellen sich für gewöhnlich nur im bewussten Wachzustand ein und bilden höhere kognitive Funktionen ab, etwa Denken, Erinnerungen oder bewusste Wahrnehmung. (…) Derartig erlebte Erfahrungen und Veränderungen Hirnwellenaktivität könnten ein erstes Anzeichen für eine sich einstellende Nahtoderfahrung sein und wohlmöglich haben wir diese erstmals in einer derart großen Studie dokumentiert“, so Parnia. „Die Studienergebnisse liefern demnach Belege dafür, dass wir an der Schwelle zum Tod oder auch im Koma einzigartige Bewusstseinserfahrungen durchmachen, die mit klarer Wahrnehmung, aber ohne Stress und Schmerzen einhergehen.“

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Für die Forschenden um Parnia ist der Nachweis messbarer elektrischer Anzeichen von klarer und erhöhter Hirnaktivität, gemeinsam mit ähnlichen Schilderungen erlebter Nahtoderfahrungen, ein Hinweis dafür, dass der menschliche Sinn über sein Selbst und das Bewusstsein – ähnlich wie andere biologische Körperfunktionen – mit dem Tod nicht vollständig und unmittelbar mit dem sogenannten Todeszeitpunkt zum Erliegen kommen.
Für Parnia können diese klaren Erfahrungen nicht als Täuschung eines in Unordnung geratenen Gehirns abgetan werden. „Stattdessen handelt es sich um einzigartige menschliche Erfahrungen an der Schwelle des Todes.“ Hierzu führt der Bewusstseinsforscher weiter aus: „Während das Gehirn sozusagen runterfährt, werden zahlreiche Bremsmechanismen ausgelöst. Diese sogenannte Enthemmung erlaubt uns Zugang zu den Tiefen des Bewusstseins einer Person und auch zu seinen gespeicherten Erinnerungen, Gedanken aus der frühen Kindheit bis zum Tod und anderen Aspekten der Realität. Während niemand wirklich den evolutionären Nutzen dieses Phänomens kennt, offenbart es eindeutig faszinierende Fragen über das menschliche Bewusstsein, selbst noch im Tode.“

Am Ende ihrer Studie kommen die Autoren und Autorinnen zu dem Schluss, dass bis heute zwar keine Studie die Realität und Bedeutung dieser Erfahrungen und die Behauptung eines todesbezogenen Bewusstseins eindeutig beweisen konnte, dass es aber auch nicht möglich sei, diese Aspekte zu widerlegen. „Derart erinnerte Erfahrungen rund um den Tod sind weiterer vorurteilsfreier empirischer Untersuchungen wert.“




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Recherchequelle: nyulangone.org

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