Mammutknochen mit Schlachtspuren belegen Menschen in Nordamerika schon vor 37.000 Jahren

Ein Haufen Mammutknochen an einem Fundort in New Mexico stellt vermutlich den ältesten Beweis für die Anwesenheit von Menschen in Nordamerika dar Copyright: Timothy Rowe / The University of Texas at Austin
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Ein Haufen Mammutknochen an einem Fundort in New Mexico stellt vermutlich den ältesten Beweis für die Anwesenheit von Menschen in Nordamerika dar Copyright: Timothy Rowe / The University of Texas at Austin

Ein Haufen Mammutknochen an einem Fundort in New Mexico stellt vermutlich den ältesten Beweis für die Anwesenheit von Menschen in Nordamerika dar
Copyright: Timothy Rowe / The University of Texas at Austin

Austin (USA) – Die Frage, seit wann Menschen den nordamerikanischen Kontinent besiedelt haben, gehört zu den großen Debatten und Kontroversen der Wissenschaft. Nun belegen 37.000 Jahr alte Mammutknochen mit eindeutig menschlichen Schlachtspuren die Anwesenheit früher Menschen in New Mexiko lange vor allen bislang diskutierten Daten.

Das Team um den Paläontologen Timothy Rowe von der University of Texas at Austin ist sicher, dass es sich bei den Knochenfunden eines weiblichen Mammuts und eines Jungtieres um die “besten Beweise für eine derart frühe Anwesenheit von Menschen auf dem nordamerikanischen Kontinent handelt.”

Wie die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aktuell im Fachjournal “Frontiers in Ecology and Evolution“ (DOI: 10.3389/fevo.2022.903795) berichten, waren die bisherigen Spuren von Menschen in New Mexico nur wenige Tausend Jahre alt. Die nun gefundenen Knochen datierend die Besiedlung Nordamerikas nun deutlich vor – auch deutlich vor die Funde der sogenannten Clovis-Kultur, die vielen immer noch als erste menschliche Kultur in Nordamerika gilt.

Die gefundenen Knochen weisen Spuren dafür auf, dass sie zunächst freigelegt und dann grob aufgebrochen wurden. Auch die dazu passenden Knochenabsplitterungen und Hinweise auf kontrolliertes Feuer fanden die Forscher an Ort und Stelle. Eine C14-Datierung anhand von Kollagen aus den Knochen konnten diese und die Beifunde auf ein Alter von 36.250 bis 38.900 Jahre datieren.

„Was wir hier haben ist wirklich erstaunlich“, zeigt sich Rowe von den Funden begeistert. „Es ist zwar kein charismatischer Fundort mit ordentlich sortierten Skeletten, aber das ist nun mal die Geschichte dieses Ortes.“

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Tatsächlich ist es angesichts derartiger Funde schwer, Spuren an Tierknochen auch eindeutig menschlichem Handeln zuzuschreiben und damit von sonstigen Einwirkungen zu unterscheiden. Es ist gerade dieser Umstand, der zur fortwährenden Kontroverse um die früheste Anwesenheit von Menschen in Nordamerika geführt hat. Die bekanntesten Kandidaten für die erste Besiedlung Nordamerikas dürften Mitglieder der sogenannten Clovis-Kultur sein. Allerdings datieren deren archäologischen und paläontologischen Funde nur bis zu 16.000 Jahre zurück. Hingegen gibt es andere ältere Fundorte mit Menschenspuren, an denen sich wiederum keine menschlichen Steinwerkzeuge fanden. Auch am aktuellen Fundort konnten die Forschenden zwar keine Steinwerkzeuge finden, doch deuteten die Spuren an den Knochen eindeutig auf eine gezielte Schlachtung und Verarbeitung hin.

An einigen Mammut-Rippenknochen finden sich deutliche Merkmale dafür, dass diese durch grobe Gewalt gebrochen wurden. Zudem finden sich Spuren einer vermutlich mit einem Werkzeug herbeigeführten Punktur der Knochen und Schneidespuren- Copyright: Timothy Rowe et al. / The University of Texas at Austin

An einigen Mammut-Rippenknochen finden sich deutliche Merkmale dafür, dass diese durch grobe Gewalt gebrochen wurden. Zudem finden sich Spuren einer vermutlich mit einem Werkzeug herbeigeführten Punktur der Knochen und Schneidespuren-
Copyright: Timothy Rowe et al. / The University of Texas at Austin

Während einige Wissenschaftler und Wissenschaftler auch weiterhin die Clovis-Menschen als die ersten Menschen in Nordamerika betrachten, unterteilen andere die aktuellen und frühere Funde mittlerweile in Clovis und wesentlich ältere Prä-Clovis, die sich vermutlich auch genetisch voneinander unterscheiden.




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Recherchequelle: University of Texas

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