Marburger und Londoner Indologen erforschen gemeinsam die Quellen des Hatha-Yoga

Symbolbild: Yoga Copyright: NatureFriend (via Pixabay.com) / Pixabay License
Lesezeit: ca. 3 Minuten
Symbolbild: Yoga Copyright: NatureFriend (via Pixabay.com) / Pixabay License

Symbolbild: Yoga
Copyright: NatureFriend (via Pixabay.com) / Pixabay License

Marburg (Deutschland) – Im Rahmen eines „UK-German-Project“ wird der Lehrstuhl für Indologie an der Universität Marburg gemeinsam mit Londonder Kollegen von der School of Oriental and African Studies die Quellen des Schlüsselwerkes des sogenannten Hatha-Yoga erforschen.

Wie die Pressemitteilung der Marburger Universität berichtet wird das Projekt von zwei Team zu jeweils fünf Forschern und Forscherinnen an den beiden Standaorten Marburg und London unter der Leitung von James Mallinson und Jürgen Hanneder in dem vom britischen Arts and Humanities Research Council (AHRC) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Forschungsprojekt zusammenarbeiten.

„Die Haṭha(yoga)pradīpikā ist der vielleicht einflussreichste Text des ‚körperlichen‘ Yoga, der in den letzten zwei Dekaden als globale Bewegung ein schier unglaubliches Wachstum vollzog. Ob man nun die wirtschaftlichen Daten betrachtet – die Branche setzt jedes Jahr viele Milliarden Euro um –, oder das Phänomen des Kulturkontaktes – in keinem Gebiet ist der Einfluss indischer Kultur auf die Welt vermutlich größer –, es handelt sich um eine spektakuläre Entwicklung, deren Erforschung mit London als Gravitationszentrum in den letzten Jahren erheblich an Fahrt aufgenommen hat.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Die Begleitumstände dieser globalen Bewegung zu untersuchen, sei eine soziologische, religionswissenschaftliche und angesichts der indischen Kulturpolitik auch politologische Aufgabe, erläutern die Forschenden und verweisen als anschauliches Beispiel auf die indischen Ansprüche an das Copyright für den Yoga. Bislang fehlte der Forschung aber lange eine klare Vorstellung von der historischen Entwicklung des körperlichen Yoga.

„War er so alt wie die Yoga-Bewegung oder gar die Esoterik dachte, oder war er im Gegenteil vor allem eine Erfindung der späten Kolonialzeit? Erst durch die jüngsten Forschungen in London lässt sich mit Hilfe neuer Quellen die Entwicklung des Haṭha-Yoga genauer nachzeichnen.“

Manuskriptbeispiel des Hatha-Yoga. Copyright/Quelle: Hatha Yoga Project

Manuskriptbeispiel des Hatha-Yoga.
Copyright/Quelle: Hatha Yoga Project

Trotz zahlreicher früherer Untersuchungen und Studien, habe bislang in diesem Mosaik noch ein wichtiges Segment gefehlt:
„Die Haṭhapradīpikā, ein Text, der zwar oft als normativ für die weitere Entwicklung des Yoga bis in die Moderne angesehen wird, hinter dem sich aber mehrere Versionen recht unterschiedlicher Länge verstecken“, erläutern die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und führen dazu weiter aus: „Der Text ist – angesichts seiner Popularität nicht verwunderlich – in einer großen Zahl an Handschriften überliefert, deren Details einiges über die Rezeptionsgeschichte und Entwicklungsdynamik einer mittelalterlichen Bewegung auf dem Weg in die Neuzeit verraten kann.“




Gedruckt und damit bekannt sei allerdings nur ein Ausschnitt aus dieser Vielfalt, weshalb es sich das Projekt zur Aufgabe gemacht hat, die Haṭhapradīpikā in allen Versionen zu erschließen. Das bedeutet, die Originaltexte kritisch zu edieren, zu übersetzen und zu kommentieren.

Während die Londoner Gruppe seit längerem das internationale Zentrum der Yoga-Forschung darstellt, wird Marburg seine in vielen Projekten erprobte editionswissenschaftliche Expertise einbringen. Für den Leiter des Fachgebietes Indologie an der Philipps-Universität verbindet sich mit der Kooperation eine längerfristige Erweiterung der Forschungsschwerpunkte, die bisher vor allem in der kaschmirischen Sanskritliteratur liegen, um die Erforschung der vielfältigen Ausprägungen des Yoga.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Studie bestätigt: Yoga kann gegen Angststörungen helfen 17. August 2020

Quelle: Universität Marburg

© grenzwissenschaft-aktuell.de