Mediziner beschreiben neues menschliches Organ


Grafische Darstellung des erst jetzt als Organ erkannten Interstitiums, hier unmittelbar unter der Haut. Es findet sich aber auch in Gewebeschichten rund um die bereits bekannten Organe wie Lunge oder Darm aber auch um Adern und Muskeln und stellt so ein körperweites Netzwerk von mit Flüssigkeit gefüllten Kammern dar, die von einem Geflecht aus starken, flexiblen Proteinen unterstützt werden (Illu.).
Copyright: Jill Gregory / Mount Sinai Health System, CC-BY-ND

New York (USA) – Bislang wurde das sog. Interstitium von Anatomen und Medizinern lediglich als ein die Organe umgebendes, stützendes und untergliederndes Zwischengewebe betrachtet. Jetzt haben Mediziner jedoch erkannt, dass es sich in Wirklichkeit um ein bislang nicht als solches erkanntes und entsprechend nicht beschriebenes Organ handelt –  das zudem auch noch eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung von Krebs spielen könnte.

Wie das Team um Neil Theise von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai aktuell im Fachjournal „Scientific Reports“ (DOI: 10.1038/s41598-018-23062-6) berichtet, gelang die Entdeckung mit Hilfe neuester Endo-Mikroskoptechnologien zur Untersuchung und Abbildung lebendigen Gewebes.

Bei genauerer Betrachtung zeigte sich, dass es sich bei dem Verbindungsgewebe tatsächlich um einen „offene, mit Flüssigkeit gefüllten Raum handelt, der von dicken Kollagensträngen gestützt wird und so ein den gesamten Körper durchziehendes Netzwerk darstellt, dass die Organe wie ein Kissen vor äußerlichen Stoß- und Bewegungseinwirkungen schützt“, so die Autoren des Fachartikels.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Der Grund, warum dies bislang nicht erkannt wurde, könnte der Umstand sein, dass die bisherige Methode der Probenentnahme die Probe verändert hat, da die beinhaltete Flüssigkeit schnell abläuft und so die Kollagenstränge zusammenfallen.

Statt also lediglich als schützender Raum zwischen den Organen angesehen zu werden, sehen Theise und Kollegen im Interstitium nun tatsächlich ein eigenes vollständiges Organ, mit einzigartige Struktur und Eigenschaften, die von dem sie bildenden Zelltyp abhängig sind.

Die Wissenschaftler spekulieren sogar schon, dass die eigentlich unseren Körper unterstützenden Eigenschaften des „neuen Organs“ auch gegen den Körper wirken können, indem sie beispielsweis die Ausbreitung schädlicher Zellen – wie beispielsweise von Krebs – im gesamten Körper fördern könnten.

Tatsächlich entdeckten Theise und Kollegen bei einigen Patienten bösartige Krebszellen, wie sie das Ursprungsgewebe verlassen und über die Kanäle des Interstitiums leicht ins Lymphsystem gelangt sein könnten.

Weitere Analysen der Flüssigkeitsverteilung durch das Interstitium sollen nun weitere Aufschlüsse darüber ermöglichen, ob mit Hilfe des neuen Organs Krebs sich nicht nur leichter im Körper verteilen, sondern auf diese Weise vielleicht sogar deutlich früher als bislang erkannt werden kann.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Mediziner beschreiben “neues” menschliches Organ 4. Januar 2017

© grenzwissenschaft-aktuell.de