Mission BepiColombo startet erfolgreich zum Merkur

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Künstlerische Darstellung der Mission „BepiColombo“ (Illu.).
Copyright: ESA/ATG medialab; Merkur: NASA/JPL

Kourou (Französisch-Guyana) – Vergangene Nacht ist die europäisch-japanische „BepiColombo“ an Bord einer Ariane-5-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ins Weltall gestartet. Die Mission soll nicht nur den Planeten Merkur erforschen, sondern auch neue Erkenntnisse über unser Sonnensystem liefern. Rund sieben Jahre wird die Sonde nun zu ihrem Ziel unterwegs sein.

– Bei der folgenden Meldung handelt es sich um eine Presseinformation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die mit zusätzlichen Materialien u.a. der Europäischen Weltraumorganisation ESA ergänzt wurde.

BepiColombo ist das bisher umfangreichste europäische Projekt zur Erforschung eines Planeten des Sonnensystems. Die Mission besteht aus zwei Sonden, die den Merkur umkreisen werden: dem Mercury Planetary Orbiter (MPO) und dem Mercury Magnetospheric Orbiter (MMO). Während MPO darauf ausgelegt ist, Oberfläche und Zusammensetzung des Planeten zu erforschen, erkundet MMO dessen Magnetosphäre. Weitere Ziele der Mission sind die Erforschung des Sonnenwindes, des inneren Aufbaus und des planetaren Umfeldes von Merkur sowie dessen Wechselwirkungen mit der sonnennahen Umgebung. Die Wissenschaftler erhoffen sich darüber hinaus neue Erkenntnisse zur Entstehung des gesamten Sonnensystems.

Hintergrund
Die Sonde trägt den Spitznamen des 1984 verstorbenen italienischen Mathematikers Giuseppe Colombo (s. Abb.l., Copyright: ESA) benannt, der sich um die Merkurerkundung besonders verdient gemacht hat. Es ist erst die dritte Mission zum Merkur nach Mariner 10 in den Jahren 1974 bis 1975 und dem MESSENGER-Orbiter von 2011 bis 2015.

Beide Sonden werden sich während des Fluges an Bord des Mercury Composite Spacecraft (MCS) befinden, das diese mit Energie versorgt und sie mit Hilfe eines speziellen Schutzschildes, der MMO Sunshield and Interface Structure (MOSIF), vor den extremen Temperaturen zwischen 430 Grad Celsius auf der Tagseite und minus 180 Grad Celsius auf der Nachtseite des Merkurs schützt.

Von den 16 Instrumenten, die sich an Bord der beiden Raumsonden befinden, wurden drei zu wesentlichen Anteilen in Deutschland entwickelt: BELA (BepiColombo Laser Altimeter), MPO-MAG (MPO Magnetometer) und MERTIS (Mercury Radiometer and Thermal Infrared Spectrometer). MERTIS ist ein bildgebendes Infrarot-Spektrometer und Radiometer mit zwei ungekühlten Strahlungssensoren, die für Wellenlängen zwischen 7 und 40 Mikrometern empfindlich sind. Im Orbit angekommen, wird MERTIS an Bord von MPO die Oberfläche und das Planeteninnere des Merkur untersuchen. Mit einer räumlichen Auflösung von 500 Metern identifiziert es im mittleren Infrarotbereich gesteinsbildende Minerale auf der Oberfläche.

Der innerste Planet des Sonnensystems: Merkur, aufgenommen von der NASA-Sonde MESSENGER
Copyright: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington

Die Kenntnis über die mineralogische Zusammensetzung ermöglicht es den Wissenschaftlern, Aussagen über die Entwicklung des Planeten treffen zu können. Darüber hinaus liefert ein integriertes Mikro-Radiometer Daten zur Oberflächentemperatur und der thermischen Leitfähigkeit von Merkur. Durch ein neuartiges Instrumentenkonzept ist es gelungen, MERTIS äußerst kompakt und energieeffizient zu bauen. “Beide MERTIS Sensoren sind einzigartig”, sagt der DLR-Experimentverantwortliche Dr. Jörn Helbert und ergänzt: “Der bildgebende Kanal nutzt ein sogenanntes ungekühltes Mikrobolometer – das erste, das in Europa weltraumqualifiziert wurde. Das Radiometer nutzt einen nur 3 mal 1 Millimeter großen Sensor, der direkt aus einem Stück Silizium geätzt wurde und gleichzeitig als Spalt für das Spektrometer dient. Dies sind nur zwei von einer Vielzahl innovativer Technologien, die eigens für dieses Experiment entwickelt wurden.” Das Team wird von Wissenschaftlern der Universität Münster und dem DLR-Institut für Planetenforschung geleitet. Das Management des Experiments liegt beim DLR-Institut für Optische Sensorsysteme, das MERTIS konzipiert und entwickelt hat. Der Betrieb erfolgt unter Leitung des DLR-Instituts für Planetenforschung, die wissenschaftliche Auswertung der Daten wird gemeinsam mit der WWU Münster durchgeführt.

Das Laseraltimeter BELA liefert Informationen über die globale Form, Rotation und Topographie des sonnennächsten Planeten. Pro Sekunde sendet es zehn Laserpulse Richtung Merkur und empfängt im Bruchteil einer Sekunde das von der Oberfläche reflektierte Signal. Je höher ein Landschaftspunkt gelegen ist, um so kürzer ist die Zeit, die der Laserimpuls für den Weg zur Oberfläche und von dort zum Sensor in BELA benötigt. Aus der Laufzeit von Millionen von Laserpulsen wird im Missionsverlauf ein 3D-Modell der gesamten Oberfläche Merkurs entstehen. “Darüber hinaus können wir aus der Form der reflektierten Pulse die Oberflächenrauigkeit bestimmen. Diese hilft uns, die physikalischen und geologischen Prozesse, die das heutige Bild des Planeten prägen, besser zu verstehen”, erläutert Dr. Hauke Hußmann, wissenschaftlicher Projektleiter von BELA. Aufwändige Schutzvorrichtungen und ein umfassender Hitze- und Lichtschutz verhindern, dass das Instrument durch die extremen Temperaturen auf dem Planeten überhitzt oder Schäden durch die Strahlung davonträgt. Entwickelt und gebaut wurde BELA vom DLR in Zusammenarbeit mit der Universität Bern, dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, dem Instituto de Astrofísica de Andalucía und der Industrie. Der Betrieb und die wissenschaftliche Auswertung der Daten erfolgt unter Leitung des DLR-Instituts für Planetenforschung.

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Das Experiment MPO-MAG ist ein hochauflösendes digitales Magnetometer. Wie bereits die Sonde Mariner 10 entdeckt hat, umgibt den Merkur ein Magnetfeld mit einer Stärke, die ein Prozent der Stärke des Erdmagnetfelds entspricht. Bei MPO-MAG werden auf einem Ausleger des MPO zwei Sensoren eingesetzt, die der Erforschung des Eigenmagnetfelds des Merkurs dienen. Ziel ist auch die Erforschung der inneren Struktur des Merkurs. Wissenschaftlich verantwortlich ist Prof. Karl-Heinz Glaßmeier vom Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik (IGEP) der Technischen Universität Braunschweig.

Rund sieben Jahre wird die Reise von BepiColombo zum Merkur nun dauern. Dabei vollführt die Sonde mehrere so genannte Swing-By-Manöver an Erde und Venus und sogar sechs am Merkur selbst, bevor sie am Zielplaneten in eine Umlaufbahn gelenkt wird. Bei Swing-By-Manövern nutzt das Raumfahrzeug die Anziehungskraft der Himmelskörper, um Geschwindigkeit für den weiteren Weg durchs All aufzunehmen, oder aber auch, um abzubremsen. Damit eine Umlaufbahn erreicht wird, muss die Sonde ihre Geschwindigkeit nicht nur am Merkur stark reduzieren, sondern auch der enormen Anziehungskraft der Sonne entgegenwirken. MERTIS wird bereits bei den Swing-Bys an der Erde und der Venus Messungen durchführen. Am Merkur angekommen wird BepiColombo rund ein Jahr lang Daten sammeln (s. Video).

Merkur ist nicht nur der kleinste Planet – mit 4.878 Kilometern Durchmesser ist er nur wenig größer als unser Mond – sondern auch der am wenigsten erforschte der erdähnlichen Planeten in unserem Sonnensystem. Das liegt vor allem daran, dass er unmittelbarer Nachbar der Sonne ist: Deren Einstrahlung ist dort mehr als sechsmal höher als auf der Erde und erhitzt die Oberfläche auf Temperaturen von bis zu 430 Grad Celsius am Tage, während es nachts auf bis zu minus 180 Grad Celsius abkühlt. In der Vergangenheit wurde der Merkur erst von zwei Sonden erforscht: 1974 und 1975 vollführte die NASA-Sonde Mariner 10 drei Vorbeiflüge am Merkur und zwischen 2011 und 2015 untersuchte die NASA-Sonde MESSENGER bei drei Vorbeiflügen und aus einer Umlaufbahn mit Annäherungen über der Nordhalbkugel heraus unseren Nachbarplaneten. BepiColombo wird die Mission MESSENGER ideal ergänzen, indem nun auch die südliche Hemisphäre genau erfasst werden kann. Zugleich werden auch völlig neuartige Untersuchungen durchgeführt. So gab es auf MESSENGER kein Instrument, das den Planeten im mittleren Infrarotbereich beobachtet hat. MERTIS wird hier einen völlig neuartigen Datensatz liefern.

Die Gesamtleitung der Mission liegt bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA, die auch für Entwicklung und Bau des Mercury Planetary Orbiter zuständig war. Der Mercury Magnetospheric Orbiter wurde von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA beigesteuert. Koordiniert und überwiegend finanziert wird der deutsche Beitrag zu BepiColombo vom DLR-Raumfahrtmanagement mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Wesentlich finanziert wurden die beiden Instrumente BELA und MERTIS, die zu großen Anteilen an den DLR-Instituten für Planetenforschung und Optische Sensorsystemen in Berlin-Adlershof entwickelt wurden, aus Mitteln des DLR für Forschung und Technologie. Finanziell gefördert wird die Mission außerdem vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen, der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster und der Technischen Universität Braunschweig. Der industrielle Teil der Sonde wurde von einem europäischen Industrie-Konsortium unter der Federführung der Firma Airbus Defence and Space realisiert.

…für GreWi-Kids

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