Mono Lake: Natronsee in den USA beherbergt Wurmart mit drei Geschlechtern

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Mikroskopaufnahme: Der Fadenwurm Auanema sp. ist gegen hohe Arsendosen resistent und kommt sowohl in weiblicher, männlicher als auch in hermaphroditer Form im kalifornischen Mono Lake vor. Copyright: Caltech

Mikroskopaufnahme: Der Fadenwurm Auanema sp. ist gegen hohe Arsendosen resistent und kommt sowohl in weiblicher, männlicher als auch in hermaphroditer Form im kalifornischen Mono Lake vor.
Copyright: Caltech

Pasadena (USA) – Im besonders stark salz- und arsenhaltigen, alkalischen Mono Lake, einem Natronsee in Kalifornien, haben Biologen acht bislang unbekannte Arten von Fadenwürmern entdeckt. Eine davon existiert zudem in gleich drei unterschiedlichen Geschlechterformen.

Wie das Team um Pei-Yin Shih, James Siho Lee und Paul Sternberg vom California Institute of Technology aktuell im Fachjournal „Current Biology“ (DOI: 10.1016/j.cub.2019.08.024) berichtet, könne die vorläufig auf die Bezeichnung “Auanema sp.” getaufte, dreigeschlechtige Art das 500-fache der für Menschen tödlichen Dosis an Arsen überleben und trage den Nachwuchs, ähnlich wie Beuteltiere, in ihrem eigenen Körperinnern mit sich.

Die acht Fadenwurmarten im Mono Lake unterscheiden sich allerdings anhand ihrer Ernährung: Während sich die einen sich von Mikroben ernähren, sind andere Parasiten oder Räuber.

Der Mono Lake selbst ist drei Mal so salzhaltig wie Meerwasser und hat einen pH-Wert von 10. Vor der aktuell publizierten Studie waren – abgesehen von Bakterien und Algen – bislang nur zwei andere Arten von Lebewesen bekannt, die in der Sole des Sees leben können: Salzkrebse und Taucherfliegen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Während die als Männchen, Weibchen und zur Selbstbefruchtung fähige Hermaphroditen vorkommenden Fadenwürmer also zu den wenigen Lebewesen gehören, die unter den für die meisten Lebewesen tödlichen Bedingungen des Mono Lake existieren können, zeigte Auanema sp. selbst für die Wissenschaftler unerwartet, auch die Fähigkeit auf, zugleich auch unter gänzlich normalen Bedingungen zu überleben. Diese Fähigkeit ist nur von sehr wenigen sogenannten Extremophilen – also Lebewesen, die unter extremen Umweltbedingungen wie extreme Hitze, Kälte, Strahlung und/oder Giften existieren und gedeihen können – bekannt.

Von weiteren Untersuchungen der Fadenwürmer erhoffen sich die Wissenschaftler neue Aufschlüsse darüber, was die Würmer so anpassungsfähig macht. Auch ihre Arsenresistenz ist für die Forscher von Interesse, da mit Arsen verunreinigtes Trinkwasser weltweit ein Gesundheitsrisiko darstellt. Entsprechend resistente Fadenwürmer erlauben Forschern somit einen Einblick darauf, wie sich der Giftstoff durch eukaryotische Zellen, also auch im Menschen, fortsetzt und wie sich arsenempfindliche menschliche Zellen von den entsprechend resistenten Zellen der Fadenwürmer unterscheiden. Nicht zuletzt sind die Beobachtungen auch aus astrobiologischer Sicht von Interesse, erweitern sie doch einmal mehr das Spektrum zwar extremer aber dennoch potentieller Lebensräume für außerirdisches Leben auf.

Quelle: California Institute of Technology

© grenzwissenschaft-aktuell.de