Mount Pleasant: Mega-Henge in Dorset in kurzer Zeit errichtet

Luftbild der archäologisch freigelegten Reste der Mega-Henge-Anlage von Mount Pleasant im südenglischen Dorset. Copyright/Quelle: Cardiff University
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Luftbild der archäologisch freigelegten Reste der Mega-Henge-Anlage von Mount Pleasant im südenglischen Dorset. Copyright/Quelle: Cardiff University

Luftbild der archäologisch freigelegten Reste der Mega-Henge-Anlage von Mount Pleasant im südenglischen Dorset.
Copyright/Quelle: Cardiff University

Cardiff (Großbritannien) – Gegen 2500 v. Chr., kurz bevor die ersten Europäer auf die heutigen Britischen Inseln kamen und mit ihren Metallwerkzeugen die Steinzeit ablösten, nahm die Bautätigkeit für große Zeremonialbauten im heutigen südlichen England stark zu. Das sogenannte “Mega Henge” auf dem Mount Pleasant außerhalb von Dorset dürfte eines der letzten Beispiele sein und wurde zudem in kürzester Zeit errichtet.

Gingen Archäologen bislang davon aus, dass – ähnlich wie Stonehenge – auch das „Mega Henge“ über mehrere Jahrhunderte errichtet wurde, berichtet das Team um Susan Greaney von der Cardiff University nun aktuell im Fachjournal „Proceedings of the Prehistoric Society“ (DOI: 10.1017/ppr.2020.6) von ihren Ergebnissen der ersten genauen Datierung der Funde im und rund um eines der letzten neolithischen Monumente auf den Inseln.

Das Henge-Monument auf dem Mount Pleasant bestand aus mehreren konzentrischen hölzernen und steinernen Kreissetzungen rund um einen zentralen großen Grabhügel. Die neuen Datierungen belegen nun erstmals, dass die gesamte Anlage in weniger als 125 Jahren erbaut und vollendet wurde – in deutlich kürzerer Zeit also als bislang angenommen. Die Daten zeigen auch, dass die Anlage weniger als 150 Jahre vor der Ankunft neuer Menschen vom Kontinent vollendet wurde, die erstmals Metalle und unterschiedliche Töpferwaren, Techniken und neue religiöse Vorstellungen mit auf die Inseln brachten.

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„Unsere Datierung hilft dabei, diese Epoche besser zu verstehen. Das sich nun abzeichnende Bild ist das einer regelrecht explodierenden monumentalen Bautätigkeit in ganz England, für die Unmengen an Arbeitskräften benötigt wurden“, erläutert die Archäologin. „Auch die Erbauung von Mount Pleasant hat eine gewaltige Anzahl an Menschen benötigt, etwa für das Ausheben der gewaltigen Gräben mit einfachsten Mitteln wie Geweihharken. Auch wenn die Gesamtkonstruktion in verschiedene Bauphasen über mehrere Generationen hinweg aufgeteilt war, so konzentrierter sich die Hauptarbeit aber auf einen Zeitraum von weniger als Hundert Jahren.“

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Zwar wisse man noch immer nicht ganz genau, zu welchem Zweck all diese Monumente errichtet wurden, gesteht auch Greaney ein, doch stelle sich die Frage, ob es sich um eine Art letzten Ausruf der alten Zeit angesichts der sich immer mehr abzeichnenden Veränderungen handele. „Vielleicht waren es aber auch gerade die für den Bau der Monumente benötigten gewaltigen Aufwände, die in der Gesellschaft zu einer Rebellion und einem Zusammenbruch des Glaubens an die alten Führer und Religionen führte, die angesichts der neuen Menschen vom Kontinent ein gesellschaftliches Vakuum erzeugten?“ Tatsächlich hat es den Anschein, als sei ein Teil des zentralen Steinmonuments auf Mount Pleasant denn auch unvollendet und oder in späteren unruhigen Zeiten zerstört worden.




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Quelle: Cardiff University

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