Museum identifiziert gefälschte Qumran-Fragmente

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Eines der nun Untersuchten angeblichen Qumran-Fragmente im „Museum of The Bible“ in Washington.
Copyright: Museum of the Bible

Washington DC. (USA) – Mindestens sieben von 16 im Washingtoner „Museum of the Bible“ ausgestellten Fragmente vermeintlich rund 2.000 Jahre alter Schriftrollen vom Toten Meer, wurden jetzt aufgrund von Zweifel an deren Echtheit erneut untersucht und von den Museumsforschern als Fälschungen identifiziert.

Wie das Museum berichtet, bestätigte eine Analyse der deutschen Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) den schon länger gehegten Verdacht, dass es sich bei den mit Bibelzitaten beschrifteten Pergamentfragmenten, die seit 2017 in dem Museum gezeigt wurden, um Fälschungen handelt.

Im Auftrag des Museums hatte der Historiker Kipp Davis von der kanadischen Trinity Western University die insgesamt 16 Fragmente untersucht, die schon zuvor u.a. aufgrund von Auffälligen Merkmalen des Schriftbildes in Zweifelgezogen wurden.

Hintergrund
Von 1947 stießen Beduinen in 11 der zahlreichen Höhen nahe Qumran am Toten Meer auf zahlreiche Tonkrüge, in deren Innern sich Pergamentschriftrollen fanden (s. Abb.l. Copyright: Osama Shukir Muhammed Amin FRCP(Glasg), via WikimediaCommons / CC BY-SA 4.0).

Schon die ersten Analysen offenbarten eine wissenschaftliche Sensation, zeigte sich doch, dass die Schriftrollen in Zeiten bis zu 250-40 n.Chr. zurückreichen und kommentierte Texte des Alten Testaments beinhalten. Historiker und Wissenschaftler vermuten, dass es sich um Schriften der ersten Christen handeln könnte. Zumindest aber erlauben die Funde Einblicke in das Glaubensleben zur Zeit des frühen Urchristentums. Weitere Informationen finden Sie HIER

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Neben den Direktfunden aus Qumran, wurden (…und werden) aber seit den 1950er Jahren immer wieder auch Fragmente und Schriftrollen von lokalen Händlern zwischen den vermeintlichen Findern und privaten Sammlern gehandelt – so auch die jetzt als Fälschungen identifizierten Stücke.

Nach besagt früheren Zweifeln an der Authentizität aufgrund des Schriftbildes, hat sich Kipp nun auf die physikalische Zusammensetzung der Fragmente und die die Qualität und Technik der Schrift selbst konzentriert.

Im Rahmen dieser Analyse wurden Proben der Fragmente am BAM eine Reihe von Tests unterzogen, die nun eindeutig zeigen, dass die verwendeten Materialien keine 2.000 Jahre alt sind. Fünf Fragmente zeigen demnach Merkmale auf wie sie nicht mit einer antiken Herkunft vereinbar seien, berichtet das Museum in einer Pressemitteilung:

„Auch wenn wir gehofft hatten, dass die Analyse zu einem anderen Ergebnis kommen, sehen wir die Resultate jetzt als eine Möglichkeit, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wie wichtig die Verifizierung der Authentizität biblischer Artefakte ist“, so der Museumskurator Jeffrey Kloha.

Während die nun als Fälschungen identifizierten Stücke aus der Ausstellung entfernt werden, geht die Untersuchung der restlichen Fragmente mit ungesicherter Provenienz weiter. Ein Text informiert die Besucher über die noch ausstehenden Zweifel.

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